21 August 2009

Verzeihenkönnen und neue Laufschuhe

Das gehört - zumindest für heute - untrennbar zusammen. Denn hätte ich nicht diese unglaublich bequemen Schuhe angehabt beim Laufen, hätte ich auch nicht verzeihen können.

Zunächst die Schuhe: Im Laufladen meines Vertrauens war glücklicherweise der unglaublich gutaussehende Verkäufer meines Vertrauens gerade arbeitslos. Ich zeigte ihm meine alten Schuhe, schenkte ihm mein flirtigstes Lächeln (wahrscheinlich ohne nennenswerten Erfolg - er sucht keine Adoptivmutter...) und wartete auf seine Auswahl.
Er brachte drei Kartons.
Gleich das erste Paar gab mir beim Anziehen das Gefühl: "Okay, ich bin zuhause!" Die Laufbandanalyse bestätigte das.
Und nun?
Vor lauter Verzweiflung (ich wollte ja noch ein wenig flirten) kaufte ich noch Hosen. Und Socken. Und ein Top. Eine Verabredung habe ich immer noch nicht. Aber schöne Hosen.

Später, als ich meine neuen Schuhe zum ersten Mal spazierenlief, musste ich an meinen Ex denken. Auf einmal war er nicht mehr wichtig. Laufen war wichtig. Den Untergrund unter meinen Füßen zu fühlen, dem Bildhauer auf der Strecke "Hallo!" zu sagen, der Kampf mit der Steigung waren viel wichtiger.

Wenn ich laufen kann, kann ich auch loslassen. Laufen ist immer wichtiger.

Und wenn ich ehrlich bin mit mir, gibt es auch nichts zu verzeihen - das, was uns zustößt, haben wir selbst gerufen.

Laufen ist großartig.

Laufen Sie einmal um den Göttinger Wall, und Sie wissen, was Leben ist! Sie werden Gescheiterte treffen, auf der Bank sitzende, Liebende, Einsame, Betrunkene, WegläuferInnen, die Welt Genießende. Und vielleicht mich. Ich bin irgendwo dazwischen.

Und ich spüre, dass Leben genauso großartig ist wie Laufen.

20 August 2009

Schon wieder Prinzen!

Es gab eine Menge Prinzen in meinem Leben. Zu den meisten habe ich voller Demut von sehr weit unten nach ganz weit oben aufgeschaut. Und frage mich heute, ob ich das brauchte oder die Prinzen.

Heute, beim Training, fand sich ein Aushilfsprinz mit verstärktem Geltungsdrang. Während mein innerer Kerl und ich fleissig Gewichte stemmten, zeigte Aushilfsprinz seinem Kumpel, wie er sich aufblähen kann, wenn er nur aufhört zu atmen. Es gab das übliche Bild ab: Leicht bläuliche Gesichtsfarbe (mann kann sich nicht gleichzeitig aufblähen und ausatmen), dicke Arme, dünne Beinchen.

Das ist so eine Art von Prinz, der sofort und unwiderruflich in einen Frosch verwandelt gehört! Erstens wird er niemandem fehlen (außer Hase, und Hase ist doof), zweitens nimmt er mir Platz vor dem Spiegel weg und drittens ... ist er eigentlich gar kein Prinz. Aber zum Frosch darf er trotzdem werden.

Inzwischen glaube ich, dass dieses Prinzengedöns überschätzt wird. Wir (die Hasen) sind doch nur deswegen auf der Suche nach dem Kerl auf dem weissen Gaul, weil wir so stinkefaul sind. Würden wir unsere teilweise cellulitebehafteten Popos bewegen, statt sie meistbietend zu verscherbeln, hätten die Jungs ihren Zauber verloren, und wir wären keine Prinzenhandlangerinnen mehr, sondern Königinnen.

"Königin" klingt gut. In meinen Ohren. Und weil ich seit ein paar Tagen weiss, dass ich besser niemanden umbringen sollte, weil es immer nur mich selbst erwischt, dürfen die Prinzen sich weiter aufplustern, und ich beschäftige mich damit, Thron und Zepter zu polieren.

Prinzenfrei.

19 August 2009

Ich? Du? Wir?

Bei mir sein. Bleiben.
Trotzdem Deine Worte hören.
Dich verstehen. Dich fühlen.
Meine Hand dort, wo Du sein könntest.
Vielleicht auf meiner Brust.

Ich schenke Dir meinen Arm, mein Herz.
Nimm es
und tu damit,
was uns verbindet.

Ich lege meinen Kopf in Deine Hände,
spüre Tränen in meinen Augen,
sie dürfen fliessen.
Ich kann mich hingeben.
Endlich.

Ich breite meine Arme aus,
fühle mich. Dich.
Fühle es.
Es ist.
In mir.
Es wird bleiben,
wenn Du längst gegangen sein wirst.

Autofahren mit dem Kerl auf dem Beifahrersitz ist stressig!

... und mit "dem Kerl" meine ich meinen inneren Kerl. Das ist der, der immer dann, wenn in der Muskelbude ein halbwegs gut gebautes Kerlchen auftaucht, nach einem zu hohen Gewicht greift und das dann drei Tage lang mit heftigstem Muskelkater bezahlt. Dann lässt er den Trainingspartner gnadenlos in der Ecke stehen. Gewinnen und Muskelmasse vergleichen ist wichtiger.
Er sagt auch gern "Hase" zu allem, was er für unintelligent hält, gleichgültig, ob männlichen oder weiblichen Geschlechts.
Er sagt oft "Hase"...
Wenn ihm jemand Gutes tun will, kämpft er wie ein Berserker gegen sanfte Hände um die Herausgabe seiner Halswirbelsäule oder Schultern. Und natürlich tut ihm nichts weh.


Am schlimmsten allerdings gebärdet er sich beim Autofahren. Heute wollte er auf dem Heimweg AC-DC, "Highway to Hell" hören und hielt es für eine gute Idee, das auch umzusetzen.

Bevor es weitergeht, muss ich noch einen meiner Anteile vorstellen: Sie ist eine Frau, sie ist souverän, und wenn sie sich ins Auto setzt, geht es ihr nur und ausschließlich darum, von A nach B zu gelangen. Das Auto wird weder gewaschen noch gehegt, und ob es schnell ist oder untermotorisiert, interessiert sie nicht. Sie ist empathisch, lässt schwächer Motorisierte vor und hört während der Fahrt Paulo Cuelho.

Normalerweise fährt sie.


Er fährt bei AC-DC, Techno oder Scooter.

Heute abend stand er neben einem anderen Cochonnesschaukler an der roten Ampel. Sie musste hilflos zusehen, wie er Gas gab, sobald die Ampel auf "Grün" schaltete und das Gaspedal des ungewaschenen Diesel bis zum Bodenblech durchtrat. Der andere gab auch Gas. Das nützte aber nichts. ER war stärker. ER ist ein Kerl. ER würde auf der linken Spur bleiben.

ER bin ich.

SIE auch.

Meine innere Schiedsrichterin scheint schon zu schlafen.

Mann, bin ich viele!

18 August 2009

Tod unter der Badewanne - Frisch ausgebuddelt.

Vor ein paar Tagen habe ich Dich unter der Badewanne eingemauert. Falls Du Dich dort nicht wohlfühlst, darfst Du gern wieder raus.
Ich habe nämlich nicht Dich eingemauert, sondern mich. Und seit ich das erkannt habe, möchte ich Dir auch nichts Böses mehr tun. Also: Ich bewaffne mich jetzt mit Stemmeisen und allem, was man sonst noch so zum Badewannenkaputtmachen braucht und hole Dich/mich da wieder weg. Wo doch auch so schönes Wetter ist im Moment.

Für meine geschätzten LeserInnen: Nein, ich bin nicht bekloppt! Ich habe einen Vortrag gehört von Herrn Robert Betz. Er vertritt die (für mich sehr gut nachvollziehbare) Theorie, dass alles, was uns an Gutem oder vermeintlich Schlechtem getan wird, nichts anderes ist als der Spiegel dessen, was wir uns selbst an Gutem oder Schlechtem tun.

Da ich das Gefühl der Bewegungslosigkeit kenne und lange genug geübt habe, werde ich es in mir behalten als eine Fähigkeit, die irgendwann einmal nützlich sein kann. (Nein, ich spinne immer noch nicht!) Aber ich werde nicht ein nichtsahnendes Gegenüber einmauern und mir einbilden, das wäre nicht ich.

Natürlich werde ich trotzdem weiter Kriminalgeschichten schreiben - ich kann gar nicht anders!

Da war zum Beispiel heute dieser elende Mistkerl, der mir die Vorfahrt genommen hat. Und die blöde Kuh, die glaubte, sich über meine geöffnete Tür beschweren zu müssen, bloß, weil sie nicht parken konnte! Und bei aller Spiegelung ist ein gesundes Maß an Mordlust bei meinem Beruf durchaus nützlich. Finde ich.

Aber DU darfst unter der Wanne weg! Ehrlich! Musst auch keine Sorge mehr haben, dass ich mit einem Messer über Dich herfalle. Immerhin habe ich Dich ja einmal geliebt... Und damit habe ich mich geliebt. Über mich würde ich auch nicht mit einem Messer herfallen. Aber über diesen Mistkerl, der ....

Ich muss einen Moment meditieren gehen.

Vielleicht esse ich auch gleich etwas. Ist ebenfalls ein aggressiver Akt - immerhin muss ich ein sehr altes Vollkornbrot kauen. Und möglicherweise reicht das ja schon aus.

Sie glauben immer noch, ich hätte nicht alle an der Schüssel? Da ich viele bin, gibt es garantiert auch die eine oder andere, auf die das zutrifft. Aber ist es nicht schön, das zu können?

15 August 2009

Freak Show

Wikipedia sagt:

"Ein Freak [fɹi:k] (aus dem Englischen freak: „Krüppel, Verrückter, Unnormaler“) ist umgangssprachlich eine Person, die eine bestimme Sache, zum Beispiel ihr Hobby, über ein „normales“ Maß hinaus betreibt, diese Sache zum Lebensinhalt macht oder sich zumindest mehr als andere darin auskennt, z. B. ein Computerfreak. Ein Freak kann auch eine bestimmte, zumeist unangepasste oder „flippige“ Lebensweise verkörpern. Das dazugehörige Adjektiv ist freakig, weit verbreitet ist auch freaky."


Ich habe heute welche getroffen: Da ist dieser Typ im Tarnanzug, der immer eine Sonnenbrille trägt, so ein "Puck-die-Fliege-Modell". Er tanzt als Erster, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das, was er da tut, auf meiner Landkarte wirklich Tanzen ist. Er bewegt seinen Oberkörper rauf und runter. Wenn er einen Temperamentsausbruch hat, macht er sogar ein paar Schritte in die eine oder andere Richtung.

Dann war da eine Frau, die extremes Übergewicht hatte, sich erst in einer Ecke vorsichtig hin und her bewegt und dann richtig losgelegt hat. Ich fand sie schön anzusehen, denn sie hat ihren Körper verlassen und dem Gefühl den Vortritt gegeben.

Am allerschlimmsten allerdings fand ich dieses Paar mittleren Alters (40somethings), die es tatsächlich geschafft haben, nach Classic Rock DISCO-FOX zu tanzen. Ich weiß ja nicht, ob Bon Jovi noch gut beisammen ist, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich selbst im Zustand heftigsten körperlichen und geistigen Zerfalls wünschen würde, dass mittelalte Paare eines seiner Stücke für derartige Perversitäten missbrauchen.
Ich jedenfalls würde sie zwingen, solange nach "Radar Love" Headbanging zu machen, bis sie entweder an Entkräftung eingehen oder sich ordentlich bewegen. Headbangend eben.

Überhaupt. Die Party heisst zwar "Rock gegen Rheuma", aber bisher war die rheumalose Fraktion doch in der Überzahl. Heute habe ich (trotz eines je nach Tagesform gefühlten Alters zwischen 12 und 33 immerhin 45-jährig) mich gefragt, ob die alle zum Sterben gekommen sind!

Kurz vor 23.00 hatte ich dann auch genug gesehen und habe mich fluchtartig und ohne Zurücklassen irgendwelcher Ballschuhe auf den Heimweg begeben. Mir, dort angekommen, Kopfhörer aufgesetzt und wild herumgesprungen.

Ich hasse Disco-Fox!

14 August 2009

Welcome home

... steht auf dem Ortsschild am Eingang von Agia Galini geschrieben. Als ich das erste Mal dort war, kam ich im Dunkel, mitten in der Nacht an. Ich stand auf dem Balkon meines Hotelzimmers und sah ein paar Lichter.

Am nächsten Morgen öffnete ich die Fensterläden. Staunte, träumte, wusste: Dies würde der Ort sein, an den ich immer wieder zurückkehren würde. Mein Ort. Mein Rückzug.

In ein paar Tagen werde ich dort sein. Mein inneres Kind wird auf mich warten. Ich habe die Kleine vor Jahren am Strand zurückgelassen, weil ich glaubte, ERWACHSEN werden zu müssen.
Heute weiß ich, wer ich bin und dass ich niemals ERWACHSEN sein werde. Es auch nicht will.

Stattdessen will ich meine Finger in den Himmel strecken, mich rücklings ins Wasser legen, mit Gluckern in den Ohren, ich will strampeln, tauchen, spielen, schreien.

Ich werde nach Hause kommen.

Ich werde mich wiederfinden.

Und ich werde mein inneres Kind mit mir nehmen. Ich brauche es hier nötiger als dort.

13 August 2009

Tod unter der Badewanne

Deine Augen erinnere ich strahlend blau. "Huskyaugen" habe ich sie immer genannt. Als ich Dich kennenlernte, hätte ich bereitwillig vom Boden zu Dir aufgesehen. Später nicht mehr. Ich hätte nicht so schnell krabbeln können, wie Du geflüchtet bist, sobald es ernst wurde.

Jetzt flüchtest Du nicht mehr. Du bist auch nicht mehr so hübsch.

BlocksatzSchon vor Deinem Tod hattest Du reichlich zugelegt um die Körpermitte herum, Deine Haut war unruhig, ohne Spannung, Dein Geruch eher unangenehm, der Preis, den Du für Deine Sauferei zahlen musstest. Überflüssige Kalorien und Muttis gutbürgerliche Küche hatten Dich im Laufe der Jahre ein wenig träge gemacht. Und es mir leichter.

Ich war es eines Tages überdrüssig. Ich habe Dich angesehen und für ungeeignet befunden. Ich habe Dich auf die Waage gestellt und trotz des Rettungsrings mittschiffs für zu leicht erklärt. Zu leicht für mich. Fehlende Substanz.

Dann erinnerte ich mich an Rammstein. "Mit Deinen Füßen im Zement verschönerst Du das Fundament."
Hattest Du mir nicht von dringend notwendigen Renovierungsarbeiten in einem Deiner Mietshäuser erzählt?

Du bist jetzt das Fundament einer Badewanne. Am Ende haben Deine Augen nicht mehr gestrahlt. Möglicherweise war es unangenehm, all dieser Zement in der Kehle statt des gewohnten spanischen Brandy. Trotzdem bin ich sicher, dass Du niemals zuvor eine so sinnvolle Aufgabe hattest.

Habe ich erwähnt, dass ich Dich einst liebte?

Manche Menschen begleiten uns. Sie haben Wertschätzung verdient.

Ich danke Dir dafür, dass Du bist, wer Du bist.
Denn wenn Du jemand anderes wärest, hätte ich nicht soviel Kraft in mir entdeckt.

Ich danke Dir dafür, dass Du tust, was Du tust.
Denn wenn Du es nicht getan hättest, wüsste ich nicht, was ich kann.

Ich danke Dir dafür, dass Du liebst, wie Du liebst.
Denn wenn Du lieben könntest, hätte ich Ruhe gefunden.

Ich danke Dir dafür, dass Du glaubst, was Du glaubst.
Denn wenn Du gezweifelt hättest, hätte ich nicht versucht.

Ich danke Dir dafür, dass fliehst, wenn es ernst wird.
Denn hättest Du ausgehalten, wäre ich zum Kampf gezwungen gewesen.

Ich danke Dir dafür, dass Du mein Spiegel warst.
Denn wärest Du der, den ich in Dir zu finden glaubte, hätte ich nicht mehr gesucht.

Ich danke Dir dafür, dass Du gegangen bist.
Denn wärest Du geblieben, hätte ich mich verloren.

Alte Lyrik - aktuelle Anlässe

Beim Blättern in alten Ordnern (echten, die mit Pappdeckel aussen und Papier drin) bin ich auf ein paar alte Zeilen gestoßen. Manche Gedanken freuen sich, wenn sie wiedergefunden und erneuert werden.

1983: Die aufklappbare Frau.

Liebe
Imagepflege
die aufklappbare Frau.
Immer wieder
klappst du mich
auf und zu, auf und zu.
Sollte ich sterben
weinst du
um deinen Besitz,
erkranke ich
klappst du mich trotzdem auf
auch wenn ich schreie
vor Schmerz.

Ich bin dein Spiegel
den du liebst
wenn er dir
ein hübsches Bild präsentiert.
Zeigt er jedoch Narben,
wirfst du ihn an die Wand
und spielst mit den Scherben.


2009: Das geheime Kind.

Liebe
Offenheit
das geheime Kind
immer wieder
wende ich mich
ab von ihm.
Sollte ich sterben
stirbt es mit mir,
ungeliebt.
Erkranke ich,
gibt es mir Kraft,
auch wenn ich
es anschreie
voller Zorn.

Es war mein Spiegel,
den ich nur liebte,
wenn er mir
Unbeschwertheit zeigen konnte.
Doch jetzt
nehme ich ihn von der Wand
und das Kind
an mein Herz.

Die Frage des Monats

Warum räumen Frauen eigentlich immer auf, wenn sie sich trennen?
Vollmond?
Prämenstruelles Syndrom?
Verzweiflung?

Männer tun das selten.
Sie saufen.
Gehen in Swingerclubs und starren IHM auf den Arsch,
neidisch.
Obwohl SEIN Arsch
schrumpelt.

Warum gehen Single-Männer in Swingerclubs,
starren auf fremde Ärsche
und räumen nie auf?

Waschen können sie auch nicht.
Saufen schon.

Warum hängen Frauen ihr Herz
an schrumpelnde,
nie aufräumende,
swingerclubbesuchende,
saufende
Kerle?

Weil sie hinterher aufräumen können!

12 August 2009

Zwiegespräch

Ich höre Dich. Noch gestern war Dein Spiel weich, träumerisch; heute Stakkato, harte Anschläge. Bist Du in die Realität geworfen worden?

Musik spricht. Nicht nur für sich, auch für den, der sie ausdrückt.

Das Licht kann nicht weich genug sein, um Deine Wut zu dämpfen.

Was macht Dich so wütend?

Wessen Leben hat Deine Wege gekreuzt?

Ich fühle Dich.

Jetzt wirst Du ruhiger.

Für einen Moment.

Wer bist Du?

Wen fühlst Du?

Die Musik zum Text: http://mutzurluecke.blogspot.com/ ("Am Abend")

Todesanzeigen

Es mag morbid klingen, aber ich lese sehr gern Todesanzeigen. Nicht, weil ich so alt wäre, dass ich nachsehen muss, wer aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis das letzte Wochenende nicht überlebt hat, sondern weil manche Worte, die den Gegangenen mit auf den Weg gegeben werden, wunderschön sind.

Heute las ich solch eine Anzeige im Göttinger Tageblatt und habe mir gewünscht (wünsche es mir noch), dass es in meinem Leben eines Tages einen Menschen geben könnte, der genau das von mir sagt. Es ist ein Text voller Liebe und Achtung, und der Mensch, dem diese Zeilen gewidmet wurden, muss ein sehr reicher Mensch gewesen sein - reich an Geliebtwerden.

Sag
in was
schneide ich
Deinen Namen?

In den Himmel?
Der ist zu hoch
In die Wolken?
Die sind zu flüchtig.

In den Baum
der gefällt
und verbrannt wird?
Ins Wasser
das alles fortschwemmt?

In die Erde
die man zertritt
ind in der nur
die Toten liegen?

Sag
in was
schneide ich
Deinen Namen?

In mich
und in mich
und immer tiefer
in mich.

Er ist fort. Gut so.

Hast Du Tränen erwartet?
Flehende Rufe nach Geliebtwerden?
Wolltest Du verzweifelte Schreie hören?
Einsames Schluchzen?
Dachtest Du an Betteln und Heulen?
Verlassene Ohnmacht?

Geh.
Weit fort.

Ich bleibe hier.
Bei mir.

Tränenlos.
Meinen Blick auf Leben gerichtet.

11 August 2009

Es riecht noch immer nach Sommer,
frisch gemähtem Gras,
Ernte, Sonne.

Doch die Nächte werden kühler,
die Tage kürzer.
Herbst wartet.

Die Zeit?
Irgendwie verschwunden
auf der Suche nach Sonne,
Abkühlung,
Wärme,
Regen.

Das Leben?
Beruhigt sich.
Im Herbst muss nicht mehr
gesucht
werden.

Winter kommt
allein.

Trost

Wenn ich meinen Kopf in den Nacken lege, einen Finger in den Himmel gebohrt, kann ich Universum spüren, das Kribbeln der Sterne auf meiner Haut.

Wenn ich mit geschlossenen Augen laufe, einen Fuß vor den anderen gesetzt, kann ich Leben fühlen, die Worte der Sonne in meinem Gesicht.

Wenn ich an ihn denke, die Arme verloren im Nichts, muss ich Liebe fürchten, die Narben der Enttäuschung auf meinem Herzen.

Wenn ich Dein Spiel höre, die Hände auf meinem Herzen, kann ich Gefühle träumen, das Streicheln der Klänge in meinen Ohren.

Blaubart ist eine Frau!

Der Mann schlenderte durch die Flure der Villa. Seine Frau hatte ihm die Schlüssel für alle Räume überlassen. "Schau Dich in Ruhe um. Alles, was Du findest, gehört auch Dir." hatte sie ihm erlaubt. "Aber der letzte Raum, zu dessen Tür dieser kleine Schlüssel hier passt, muss verschlossen bleiben. Du darfst ihn auf keinen Fall betreten! Ich vertraue Dir."

So öffnete er eine Tür nach der anderen. Er fand Truhen voller Gold, wunderschöne Bilder, eine Bibliothek mit wertvollen Erstausgaben, wissenschaftlichen und philosophischen Abhandlungen, ein Musikzimmer, das keine Wünsche offen ließ, in ihrem Büro staunte er über die neuesten Errungenschaften der Technik, und in ihrem Schlafzimmer legte er sich ins Bett, vergrub seinen Kopf in ihrem Kissen und atmete ihren Duft ein.

Er liebte seine Frau, war stolz darauf, dass sie ihm vertraute und entschlossen, nicht einmal in die Nähe des verbotenen Raumes zu kommen.

Doch mit jedem Tag, den er sich in der Villa aufhielt, wurde sein Verlangen größer. Welche Geheimnisse hütete sie dort? Was hatte sie in diesem Zimmer versteckt, das er nicht sehen durfte? Wollte sie ihn nur prüfen, oder verbarg sie dort das Wertvollste, was sie besaß?
Er stand vor dem Raum, steckte den Schlüssel ins Schloss, zog ihn wieder heraus und flüchtete sich in den Garten. Sie vertraute ihm! Er wollte ihr Vertrauen nicht enttäuschen.

Doch er hielt nicht lange durch. Eines Morgens, kurz nachdem seine Frau das Haus verlassen hatte, hastete er nach oben, steckte den Schlüssel ins Schloss und öffnete die Tür.

Der Raum war leer.

Enttäuscht sah er sich um, tastete die Wände ab, ob es nicht irgendwo eine Geheimtür oder ein anderes Versteck gab, doch er fand nichts. Was gab es hier, was seiner Frau so wichtig war, das sie es vor ihm verbergen wollte?

"Meine Seele." hörte er ihre Stimme. Entsetzt drehte er sich um. Sie stand in der Tür, ein Messer in der Hand, und schaute ihn aus tränenüberströmten Augen an. "Ich habe Dir vertraut. Und ich hätte Dir auch mein tiefstes Inneres gezeigt, wenn Du mir die Zeit gegeben hättest. Doch Du konntest nicht warten. Jetzt wird dieser Raum nie mehr sein, was er für mich war."

Sie ging auf ihn zu, fasste ihn sanft mit einer Hand am Hinterkopf. "Du verzeihst mir, das ist gut." sagte er. "Nein, das kann ich nicht." antwortete sie traurig. Und er musste hilflos mit ansehen, wie sich der helle, lichte Raum in ein Meer aus Blut verwandelte. Er starb verständnislos.

10 August 2009

Ein Strand. Träume.

Schließe Deine Augen,
atme tief durch.
Siehst Du diesen wunderschönen Strand?
Spürst Du den Sand an Deinen Füßen,
im Rücken, wenn Du Dich fallen lässt?
Hörst Du das Meer?
Wärmt die Sonne Deinen Körper?

Spürst Du die Kraft dieses Ortes?
Den Wind auf Deiner Haut?

Träumst Du von Deinem Liebsten?
Teilst Du Deinen Traum mit ihm?
Fühlst Du Dich wohl und sicher in seinen Armen?

Wach auf!

09 August 2009

Fort

Einst
liebte ich.

Dann
hasste ich.

Manchmal
versuchte ich.

Meistens
scheiterte ich.

Später
verstand ich.

Heute
gehe ich.

Energiegeschenke

Eigentlich hätte ich ja schon längst im Bett sein wollen. Zaubern wollte ich auch noch... (Und das kann ich, wenn genügend Energie vorhanden ist.)

Dieser Gedanke bringt mich weg vom Zaubern und hin zum Energiethema. Da ist diese Frau, die seit fast ... Jahren (Es sind einige, und ich möchte mir nicht die Affäre mit einem knackigen Endzwanziger verderben, weil ich zuviel rechne.) an meinem Leben teil hat. Da reicht ein dreistündiges Telefonat, um mich zu fühlen. Gut zu fühlen. Aber eben auch mich. Sie hat eine unglaubliche Energie, und sie verschenkt sie großzügig.

Natürlich gibt es auch andere, die Energie verschenken. Lächeln Sie mitten auf der Straße jemanden an, und Sie werden an seiner Reaktion sehen, ob er Energiegeber oder -räuber ist. Energieräuber können nicht lächeln. Sie sind mit ihrem Tagesablauf, vermeintlichen Ungerechtigkeiten und schlechtem Wetter beschäftigt. Vielleicht auch noch mit dem Alterungsprozess.

Energieverschenker haben genug davon. Sie geben freiwillig, sie lächeln, sie leben, sie lieben ihre Tage, jeden einzelnen. Manche komponieren wunderschöne Musik, andere fotografieren, wieder andere sind beim Eisverkauf kreativ. Mindestens eine will keine fremden Brieftauben in ihrer Wohnung.

Kennen Sie E Nomine - Das Testament? Müssen Sie nicht. Aber die haben auf eine sehr interessante Art (finde ich) Texte des Alten und Neuen Testaments in Musik gefasst. Ein Refrain lautet: "Was willst Du? Himmel oder Hölle? Doch entscheide Dich im Leben..."
Irgendwie haben sie recht.

Wir alle können uns unseren eigenen Himmel schaffen, ebenso wie unsere eigene Hölle. Im Himmel finden wir Energie, in der Hölle wird sie uns genommen. Doch die Teufel in Gestalt der Energieräuber sind nicht unbesiegbar. Wir müssen nicht einmal kämpfen. Wir müssen nur in die Wärme laufen. Denn dort ist Energie.
Lassen wir die Räuber in der Kälte. Erstarrt zu Eis.

Genießen wir die Sonne auf unseren Gedanken.

Ein ganz normaler, ruhiger Sonntag?

Gegen 8.00, ich lag wach im Bett, freute mich darüber, nicht aufstehen zu müssen und plante Kaffee mit Buch im Bett, klingelte mein Telefon. Mutter war dran. Vor ihrem Fenster befände sich eine verletzte Taube. Sie hätte schon bei der Feuerwehr angerufen, aber die wären wenig hilfsbereit gewesen. Sie solle eine Stunde warten und sich dann wieder melden, wenn das Tier noch da wäre.
"Das mache ich natürlich nicht - die halten mich dann ja offensichtlich für bekloppt!" erklärte sie mir und bat mich um Rat.
"Ich schaue mal im www nach dem örtlichen Taubenzüchterverein. Vielleicht hat da ja jemand eine gute Idee." versprach ich und verabschiedete mich von Kaffee und Buch.
Nach einiger Sucherei wurde ich fündig und hatte einen sehr netten und hilfsbereiten Herrn am Telefon. "Einfangen, in einen Karton packen und auf mich warten. Ich nehme sie dann mit." wies er mich an.
Das erklärte ich meiner Mutter. "Ich glaube, die ist tot. Die rappelt und rührt sich nicht und hat sowas Grünes unter sich."
"Klopf doch mal ans Fenster, dann siehst Du, ob sie noch lebt!" schlug ich vor.
"Jetzt?" fragte sie.
"Ja. Jetzt ist genauso gut wie später. Ich warte solange." antwortete ich.
"Sie hat sich bewegt und ist auf die andere Seite der Fensterbank gegangen."
"Schön. Hast Du einen Schuhkarton?"
"Nö. Und glaub bloß nicht, dass ich das Vieh anfasse! Wer weiß, was die für Krankheiten hat!"

Ich rief also wieder den freundlichen Brieftaubenzüchter an und erklärte ihm die Lage. Der fand, wenn halb Südniedersachsen wegen einer verunfallten Taube auf den Beinen sei, könnte er jetzt auch noch einen Kollegen wecken, der näher dran wohnte und keine Angst vor kranken Tauben hatte.

Nachdem die Taube abgeholt worden war, rief meine Mutter im Abstand von einer halben Stunde zweimal an. Beim ersten Mal teilte sie mir mit, dass die Taube jetzt weg und sie immer noch sehr aufgeregt sei. Kurz nach Entfernung der Taube hatte sie noch einen renitenten Nachtfalter erschlagen müssen.
Beim zweiten Mal fragte sie mich, ob sie mir schon gesagt hätte, dass die Taube weg sei.

Da ich ohnehin wach war, konnte ich auch laufen. Nach dem gestrigen Unwetter war es noch angenehm kühl, und auf meinem Trainingsplan standen 16 Kilometer. Je eher ich loslief, desto besser. Meine Gedanken liefen mit und beschäftigten sich mit Zauberei, Wünschen, Träumen und Ent-Täuschungen. Und Schnecken. Die Wege waren voll davon.

Nach Mittagessen und Faulenzen hatte ich das Gefühl, mich noch ein wenig um den Schrumpel mittschiffs kümmern zu müssen, schnappte mir mein Fahrrad und begab mich ins nächstgelegene Fitnessstudio. Ich war gerade ein paar Minuten dort, da raste eine rotgetigerte Katze wie ein geölter Blitz und sichtlich verängstigt durch die Halle. An einem Ergometer hob sie den Schwanz und markierte das Gerät. Kurz darauf erbarmte sich dann eine Servicekraft und zeigte ihr den Weg hinaus. (Das wäre vielleicht eine neue Geschäftsidee: Tiersitting, während Herrchen oder Frauchen trainieren!)

Auf der Rückfahrt fand ein wildgewordener tiefergelgter Northeimer in seinem 3er BMW, dass ich auf der Straße nichts zu suchen hätte und raste mit gefühlten 5 cm Abstand und in einem Affenzahn an mir vorbei. Ich schimpfte ihm lautstark und völlig sinnlos hinterher. Kurz darauf kam mir eine kleine Kutsche mit zwei Miniaturpferdchen entgegen. Ein paar Kilometer vor Whausen sah ich noch eine schluchzende Frau auf einer Bank. War wahrscheinlich gerade verlassen worden. Oder ist Single, hat weder Brieftaube noch Katze und ist deswegen deprimiert.

Der Plan für den Rest des Abends: Baden, Rosé auf dem Balkon, Vögel und Sonnenuntergang gucken und früh ins Bett.

08 August 2009

Weltuntergang für Anfänger

Um mich herum geht gerade die Welt unter: Hagel, wolkenbruchartige Regenfälle, Blitz und Donner. Whausen verschwindet im Unwetter.
Und was machen die Töchter meiner Vermieter? Sie springen splitterfasernackt wie die wildgewordenen Kastenteufel durch den Garten.

Wenn das keinen Symbolcharakter hat: Ganz egal, wie das Wetter ist - Spaß haben kannst Du immer. Oder: Gleichgültig, wie dunkel der Himmel über Dir sein mag - mit etwas Phantasie wirst Du die hellen Flecken finden.


Jetzt sind sie wieder drin, die Vermieterstöchter. Ihre letzten Worte waren: "Boah, das ist ja arschkalt!" Recht haben sie. Aber ganz dahinten, direkt über der Kirchturmspitze des Nachbarortes kann ich ein Stückchen blauen Himmel erkennen.

Vorhin, beim Fahrradfahren, bin ich auch in einen Wolkenbruch geraten. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich keinen trockenen Faden mehr am Körper. Mein erster Gedanke: "Ich brauche irgendwas zum Unterstellen." Der zweite: "Ich sollte wieder zurückfahren, sonst werde ich noch nasser."

Dann habe ich beschlossen, dass ich nicht nasser als pitschnass werden kann, die Sonnenbrille nach oben geschoben und die Zunge herausgestreckt. Frischer Regen schmeckt großartig.

Ich habe nicht mehr gedacht: "Sch...wetter!", sondern "Was für ein Wetter!" und bin mit Schwung durch jede Pfütze gefahren, die ich finden konnte.

Können Sie sich daran erinnern, als Sie klein waren und bei jeder Pfütze vor Freude laut kreischend die Beine hochgezogen haben?

Leben ist Unwetter. Ein warmer Sommertag. Federball mit dem Liebsten. Verzweifelte Tränen. Hoffnungslosigkeit. Blaue Flecken am wolkenverhangenen Himmel suchen und finden. Traurige Musik hören. Oder bei "Die perfekte Welle" laut mitsingen.

Leben ist. Das muss reichen.

Und es riecht unglaublich gut nach einem Unwetter.

Ausgehalten.

Ich halte aus.
Du musst aushalten.

Ich halte aus, dass ich getroffen zu Boden gehe.
Du musst aushalten, dass Du mich getroffen hast.

Ich halte die Schmerzen aus.
Du musst meine Klage aushalten.

Ich halte inne.

Kann ich durchhalten?

Zeitgefühl

Ich bestaune
das Voranschreiten der Zeit.

Verstelle die Uhren,
mache meinen Stillstand
unsichtbar.

07 August 2009

Froschmord

Das Märchen vom Froschkönig kennen wir. Aber es gibt kreative Varianten.

Variante 1: Die Prinzessin läuft durch den Garten und trifft auf einen Frosch. "Küss mich, ich bin ein verzauberter Prinz! Ich mache Dich zu meiner Gemahlin, teile meinen Reichtum mit Dir, und wir leben glücklich und zufrieden bis an unser Lebensende!" quakt er.
Die Prinzessin bückt sich, nimmt den Frosch auf und steckt ihn in ihre Tasche.
"Hast Du mich nicht verstanden? Ich bin ein verzauberter Prinz, und wenn Du mich küsst, werde ich Dich heiraten!"
"Sei mir nicht böse, aber ich finde einen sprechenden Frosch viel spannender als einen Prinzen." antwortet die Prinzessin und geht weiter. (aus: "Wenn Märchenprinzen lästig werden; Evelyn Holst & Peter Sandmeyer)

Variante 2: Die Prinzessin läuft durch den Garten und trifft auf einen Frosch. "Küss mich, ich bin ein verzauberter Prinz! Ich mache Dich zu meiner Gemahlin, teile meinen Reichtum mit Dir, und wir leben glücklich und zufrieden bis an unser Lebensende!" quakt er.
Die Prinzessin bückt sich, nimmt den Frosch auf und trägt ihn in die Küche. Dort wirft sie ihn in einen Topf mit kochendem Wasser.
"Das hat der Letzte auch gesagt. Und dann ist er mit dem Stubenmädchen durchgebrannt. Ich falle auf keinen Frosch mehr herein!" (Wenn Märchenfrösche ermordet werden; La Guapa)

04 August 2009

Meditatives Stöckchenziehen

Am Donnerstag ist Vollmond. Ich habe michschon jetzt vollgerichtig der Völlerei anheim gegeben, meine Aubergine in all dem Olivenöl gebraten, das sie haben wollte, eine Familienportion "Andalusischer Traum" (Für Nichtvöllerer: Eis. Mit vielen Schokostückchen, Sherrysauce und Sahne. Njam.) zum Nachtisch verspeist; nach dem - kurzen - Training fand ein Omelett aus drei Eiern, Zucchini und sehr viel Käse den Weg in meinen Magen, und am Nachmittag schrie mein Körper nach Erdnussbutter und Honig. Hat er auch bekommen.

Da ich aufgrund des dauervollen Magens nicht laufen konnte (Örk.), bin ich stattdessen mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Ist ja besser als gar nichts. Dachte ich. Bis ich die ersten meditativen Stöckchenzieherinnen meines Lebens entdeckte.

Vorweg: Nordic Walking ist ein großartiger Sport! Ich finde es gut, dass ich die Nordic Walker trotz hoher Lautstärke meines iPod bereits in 500 m Entfernung akustisch wahrnehmen kann! Wo sonst kommt man in den Genuss, mitten im Wald statt dieser lästigen Naturgeräusche wie Vogelgezwitscher, Blätterrauschen oder - noch entsetzlicher - schlichter Ruhe ein mehr oder weniger rhythmisches "Klack-Klack-Klack" hören zu dürfen?

Also: Ich mag Menschen, die am Stock gehen. Sie sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, und 80% von ihnen zukünftige TeilnehmerInnen am Rehasport, weil ihnen niemand erklärt hat, wie man ein Stöckchen anatomisch korrekt mit sich führt.

Die beiden Damen, auf die ich heute nachmittag getroffen bin, haben sich dieser Gefahr nicht ausgesetzt. Zwar hatten sie Stöcker dabei, aber sie setzten diese so vorsichtig ab, als hätten sie Angst, sich bei zu großem Bewegungsradius ernsthaft zu verletzen. Meine Mutter ist mit Stockschirm und Einkaufswägelchen doppelt so schnell. Bergauf. Meine Mutter ist 86 Jahre alt. Diese beiden aber hätten, wenn nicht meine Töchter, so doch die sehr jungen Nichten sein können.

Alles in mir schrie danach, umzudrehen, ihnen die Stöcker zu entreissen, sie bei den Schultern zu packen und zu schütteln. Ihnen zu erklären: "Mädels, in dieser Geschwindigkeit werdet Ihr den Schrumpel nie los! Setzt Euch nicht dieser Hitze aus! Bleibt zuhause und esst Andalusischen Traum!"

Aber das wäre destruktiv gewesen. Sie wollten ja. Scheinbar. Sich bewegen. Keine Ahnung, wer ihnen gesagt hat, dass meditatives Stöckchenziehen Kalorien verbrennt.

Also trat ich weiter in die Pedale und kümmerte mich trotz deutlich höherer Geschwindigkeit ähnlich erfolglos um meinen eigenen Schrumpel.

Trotzdem - es ist mir ein Rätsel, wie man sich so langsam bewegen kann...

03 August 2009

Selbst-Verantwortlichkeit

Ich bin für mein Selbst verantwortlich.
Mein Selbst ist verantwortlich.

Mein Selbst will Verantwortlichkeit.

Ich verantworte mein Selbst.


Bin ich auch für anderes verantworlich?
Ist mein Selbst für mich verantwortlich?


Wo ist mein Selbst?

In mir?

Neben mir?
Vor mir?
Hinter mir?


Hat es eine Stimme?

Wenn ja, klingt sie wie meine?

Fremd-Bestimmung

Ein Fremder bestimmt über mich.
Ich bestimme mich fremd.

Ich bestimme nicht.

Ich lasse bestimmen.


Mich darf nicht bestimmen.

Mein Selbst auch nicht.

Sie sind mir nicht fremd genug.


Geht mein Selbst in die Fremde, wenn es sich nicht selbst bestimmt?

Wer ist dieser Fremde, der über uns bestimmt?


Ist er in mir?

Neben mir?

Vor mir?

Hinter mir?

Größer als ich?

Größer als mein Selbst?


Ist seine Stimme lauter als meine?

Dienstwagenaffäre und Vollbeschäftigung

... lassen sich vereinbaren!

F.-W. Steinmeier startet zur Aufholjagd und hofft, es seinem großen Vorbild, dem armanitragenden, dunkelgetönten und gazpromunterstützten Herrn Schröder nachmachen zu können. Dem gelang es vor vier Jahren, trotz schlechter Umfragewerte mit vollmundigen und gleichzeitig leeren Versprechungen an Frau Merkel heranzurücken. Allerdings disqualifizierte er sich unmittelbar nach der letzten Hochrechnung, indem er in die Kinderrolle zurückfiel, sich auf den Boden warf und schrie: "Mit der spiele ich nur, wenn ich Chef sein darf! Die ist doof! Ich will Kanzler werden!"


Aber das ist lange her, und Herr Schröder genießt den wohlverdienten Ruhestand samt Pensionszahlung und Vorstandsgehältern, während Herr Steinmeier gegen den Untergang kämpft.

Aber Vollbeschäftigung ist machbar, da bin ich sicher. Offenbar hat ja nicht nur Frau Schmidt Dienstwagen und Chauffeur im Urlaub dabei, sondern auch einige andere Damen und Herren der politischen Elite. Es ist also nichts weiter zu tun, als jedem Abgeordneten des Bundestages einen zusätzlichen Urlaubsdienstwagen samt Chauffeur zu genehmigen, und schon gibt es 613 Arbeitsplätze mehr.
Dann sind da noch Landtage und Bundesrat; jeder Abgeordnete hat diverse Assistenten, Sekretärinnen und was man sonst noch so braucht, um im Berlin des zweiten Jahrtausends ohne Bargeld zu überleben. Auch die sollten ihre eigenen Urlaubsdienstwagen bekommen - es muss ja nicht gleich die gepanzerte S-Klasse von Frau Schmidt sein, ein Phaeton, A8 oder 7er BMW tut es notfalls auch.

Das kurbelt die krisengeschüttelte Autoindustrie wieder an. Außerdem muss die Zahl der Ordnungshüter erhöht werden, da die arbeitsscheuen Harz-IV-Empfänger nicht mehr nachmittägliche Gerichtsshows gucken, sondern auf die Straße gehen, und schon sind wir dichter an der Vollbeschäftigung als wir uns jemals erträumt hätten.

Haben Sie den Denkfehler gefunden?

Bei Vollbeschäftigung gibt es keine Harz-IV-Emfänger mehr - die sind Chauffeure der neuen Urlaubsdienstwagen, putzen die Ferienhäuser der Abgeordneten oder hüten deren Kinder und haben keine Zeit zu demonstrieren.

02 August 2009

Liebeserklärung

Du ergreifst meine Partei,
ohne zu fragen.
Denn ich bin Deine Freundin.

Du bist bei mir,
ohne Kilometer zu zählen.
Denn Du bist meine Freundin.

Du verstehst, was ich sage,
ohne nachzufragen.
Denn Du bist meine Freundin.

Du bist bei mir,
ohne da zu sein.
Du bist meine Freundin.

Fotos

Geschlossene Türen;
sie sperren Hitze aus.
Und alles andere.

Verriegelte Fensterläden;
sie halten Räume kühl.
Und alles andere.

Schmale Gassen;
sie erlauben kaum Verkehr.
Aber alles andere.

Bunte Bilder;
sie zeigen Deine Sicht.
Und noch mehr.