28 Februar 2010

Wäschewaschen, innere Stimmen und Sturmtiefs

Was tun, wenn die innere Stimme sagt: "Schreib etwas! Sofort!", die innere Kritikerin kommentiert: "Lass mal gut sein, kommt ohnehin nur Geschwafel.", und das innere Faultier bestätigt mit "Genau! Lass uns einfach auf dem Baum bleiben, hier ist es sehr schön ruhig!"
Und dann ist da noch Xynthia (oder so). Xynthia (oder so) ist ein fieses Sturmtief, das harmlosen Joggerinnen Äste an den Kopf wirft oder Spaziergängern Bäume in den Weg. Hinterher sind beide tot.
Heute morgen war von Xynthia noch keine Spur zu entdecken, da wehte nur ein leichter Wind.
Auf der Rückfahrt vom geistigen Fortbilden fing mein Auto auf einmal an zu schlingern und befand sich selbst als zu leicht. (Was ich, nebenbei gesagt, auch gern von mir sagen würde. Leider steht immer noch Moppel neben mir auf der Waage. Obwohl das Nutellaglas noch originalverschlossen ist und ich nur ein bisschen Karamelleis gegessen habe. Und ein oder zwei Scheiben Brot. Nach dem Karamelleis.) Aber ich war beim schlingernden Auto. Was ich extrem anstrengend fand. Außerdem habe ich mich jedesmal erschreckt, wenn etwas gegen meine Scheibe geflogen ist.

Aus all diesen Stimmen habe ich nur eines heraushören können: Bleib ruhig! Und häng Deine Wäsche auf!

22 Februar 2010

SCHNATTER!!!

Am Samstag ist die Heizung ausgefallen. (Ich glaube, das erwähnte ich bereits.) Gestern bekam ich freundlicherweise ein kleines Heizlüfterchen von meiner Vermieterin, das ich seitdem mit mir herumtrage, um es immer genau dort aufzustellen, wo ich mich gerade aufhalte. So ein Heizlüfterchen schafft es nämlich nicht, 95 qm aufzuwärmen.

Wesentlich effektiver als das Lüfterchen waren allerdings die Flasche biologisch angebauten Glühweins und ein größerer Schluck "Yukon Jack". Letzterer ist ein unverschämt leckerer Whiskylikör mit 50%. Die machen ordentlich warm. (Und Sie wissen glücklicherweise nicht, wie oft ich während der letzten Sätze meine Finger umsortieren musste...)

Als ich heute nachmittag nach Hause kam, war ich voller Vorfreude. Es hatte geheißen, dass die Handwerker das defekte Teil heute einbauen würden. Alle meine Heizungen waren auf "3" gestellt, und ich erwartete eine wohlige Wärme.

Schnatter.

Draußen war es nicht wesentlich kälter als in meiner Wohnung. Später erfuhr ich, dass die offensichtlich mit herzerfrischender geistiger Schlichtheit gesegneten Handwerker zwischen Samstag und heute vergessen hatten, dass die ausgekühlte Wohnung im 1. Stock bewohnt war. Und wenn meine Vermieterin nicht erstens bereits schlechte Erfahrungen gemacht und zweitens mitgedacht hätte, müsste ich wahrscheinlich bis zum Sankt-Nimmerleinstag in meiner a...kalten Wohnung sitzen bzw. liegen.
Nach ihrem Anruf beim Installateur (oder welcher Amateur auch immer für Heizungen zuständig sein mag) befand dieser, doch noch heute das fehlende Teil bestellen zu müssen. Es soll dann schnellstmöglich eingebaut werden.

Jetzt treiben mich zwei Gedanken um: 1. Hoffentlich bin ich bis dahin nicht erfroren, und die Nachbarskatze frisst meine Füße. 2. Warum haben eigentlich die Menschen Arbeit, die zu blöd dazu sind?

Und schon sind wir wieder bei Guido Westerwelle.

Wussten Sie übrigens, dass der Schaden, der der deutschen Volkswirtschaft durch Steuerhinterziehung entsteht, etwa so hoch ist wie die gesamten ALG-II-Zahlungen?

Prost!

21 Februar 2010

Viel Schnee und ein Storch

Als ich heute morgen aus dem Fenster sah, erblickte ich - eigentlich nichts, weil Schnee drauf lag. Angefrorener Schnee, weil seit gestern meine Heizung kaputt ist. Die Vermieter haben mir zwar netterweise einen Heizlüfter überlassen, aber den mag ich nicht einschalten, weil die ja soviel Strom verbrauchen.

Egal. Nach den gestern doch berechtigten Frühlingsgefühlen war es heute damit wieder vorbei.

Als ich das erste Mal wach wurde, war es zwar noch nicht hell, aber schon sehr verschneit. Das verstärkte sich im Laufe des Morgens.

Mein erster Gedanke beim Anblick der weißen Pracht: "Scheiße!". Nach einer kleinen Kaffeepause dachte ich nicht anders. Sofort meldete sich mein Schweinehund zu Wort und erklärte: "Bei DEM Wetter willst Du doch wohl nicht laufen!" "Nö." dachte ich und stieg auf die Waage.

Zehn Minuten später stand ich in winterfester Arbeitskleidung auf der Straße, fragte mich kurz, warum ich nicht mehr im Bett war und lief los. Und wusste nach ein paar Kilometern, warum ich durch den Schnee stapfte statt kaffeetrinkend im Bett zu sitzen: Es ist ein großartiges Gefühl, durch Schnee zu laufen, wenn außer dem einen oder anderen Reh, Hasen oder Fuchs noch niemand unterwegs ist! Man hinterlässt Spuren. Die sind zwar nach ein paar Minuten wieder weg, aber das Gefühl "Ich war die Erste heute!" bleibt.

Leider fand sich später der eine oder andere Hundebesitzer ohne Plan auf dem jungfräulichen Feldweg, und ich musste mich mit der Erziehung der befellten Terroristen beschäftigen. Was nicht mein Job ist, sondern der dieser von einer unglaublichen Schlichtheit gesegneten HundesteuerzahlerInnen. Oder gibt es eine andere logische Erklärung, dass Herrchen seinen wild kläffenden Pitbull von der Leine lässt, ihm den Rücken zudreht und an den nächsten Baum pinkelt in der Hoffnung, das Tier würde schon niemanden fressen?
Jedenfalls stand ich gefühlte 3 Jahre (Es waren wahrscheinlich nur 3 Minuten.) Auge in Auge mit dem kleinen Racker, der ja nur spielen will. Und obwohl ich mich nicht bewegte, turnte mein Puls bei 140 Schlägen pro Minute.


Der Racker war nett. Herrchen war Sch...!

Nach 21,2 km und gefühlten 131.000 Begegnungen mit marodierenden Hundchen war ich wieder zuhause. Leider war die Heizung immer noch kaputt.

Und dann war da noch dieser Storch... Möglicherweise gehört er zu den sich selbst überholenden Lebewesen; jedenfalls war er viel zu früh dran. Andererseits - vielleicht weiß er ja, wie begehrt das Wolbrechtshäuser Storchennest ist und will schon einmal reservieren?

19 Februar 2010

Würmer und Westerwelle haben den gleichen Anfangsbuchstaben, aber das hat nichts mit dem folgenden Text zu tun!

Heute morgen hatte ich eine zwei Zentimeter dicke Eisschicht auf meinem Auto. Später sah ich sieben Wildgänse in Formation Richtung Süden fliegen und fragte mich: "Kommen die gerade wieder, oder hauen die ab?", und zur Sekunde zwitschert vor meinem Dachfenster wie verrückt ein Vogel, der anscheinend beschlossen hat, dem Winter ein Ende setzen zu wollen. Oder eben trotzdem zu zwitschern.

Beim Zuhören musste ich feststellen, dass ich in den letzten Wochen nicht sehr aufmerksam war - meine "Draußen-Läufe" ausgenommen. Schade eigentlich. Dieses Zwitschern klingt absolut verheißungsvoll.
Und heute morgen, als sich die Sonne im Fenster des gegenüberliegenden Büros spiegelte und freundlicherweise meines erleuchtete, fand ich das Leben ziemlich großartig. Fragte mich sofort darauf, warum uns eben dieses Leben ein so römisch dekadentes A... wie den Vizekanzler vor die Füße schmeißt. Von der Theorie ausgehend, dass wir nur bekommen, was wir (bewusst oder unbewusst) bestellen, wüsste ich gern, was es in mir gedacht hat, als...

NEIN, ich werde das Gezwitschere außen nicht durch Gemotze innen übertönen! Aber ich glaube, er ist jetzt eingeschlafen, der Vogel. Oder er nimmt sein Abendbrot ein - Wurm on Ice.

16 Februar 2010

Winterlicher Sternenhimmel

Gehören Sie zu den vielen Menschen, die die Nase voll haben von Schnee, Kälte und Winter? Wollen Sie nicht mehr morgens an ihrem Auto kratzen? Endlich in kurzen Hosen durch die Welt laufen?

Dann ziehen Sie sich doch bitte rasch etwas Warmes an und gehen Sie vor die Tür. Schauen Sie nach oben. Sehen Sie all diese Sterne? Den wunderbar klaren Himmel? (Das funktioniert allerdings nur, wenn Sie nicht in der Großstadt wohnen und überall Kunstlicht scheint.)
Atmen Sie aus. Ist dieser warme Hauch nicht wunderschön anzusehen? Wie fühlt sich Atmen an, wenn man in eine frostklare Nacht atmet? Und wie unglaublich geborgen sind wir, wenn wir in die Wärme unserer Wohnungen zurückkehren!
Sie denken nur an Ihre Heizkosten? Ziehen Sie noch eine warme Jacke mehr an und gehen Sie wieder nach draußen. Werfen Sie sich in den Schnee. Machen Sie den Engel. Bauen Sie einen Schneemann. Bewerfen Sie Ihren Nachbarn mit Schneebällen. Oder üben Sie zunächst an seiner Garagenwand.

Und wenn Sie morgen einmal nicht auf Mobiles, Timer, Laptop oder iPhone schauen: Sehen Sie die vielen tausend Diamanten zu Ihren Füßen, die es nur dann zu sehen gibt, wenn die Sonne genau im richtigen Winkel darauf scheint?

Das alles ist Leben! Und es blüht, dieses Leben. Unter dem Schnee. In Ihnen, wenn Sie die Sterne, die Sie gerade bestaunt haben, mit in Ihre Träume nehmen.

Hören wir auf zu jammern. Leben ist.

Und Leben ist eben auch Winter.

15 Februar 2010

Frühmorgendliches Schlagzeilenpuzzle

Guido Westerwelle, wider besseres Wissen (Jede siebte Sonnenbank gefährdet Gesundheit) scheinbar sonnengebräunt, gab bei seinem Interview mit einer großen deutschen Boulevardzeitung nicht nach: "Westerwelle will Neuanfang des Sozialstaats" . Vor allem aber hat er entschieden: "Hartz-IV-Reform soll nichts kosten".

Das Interview gab er am Rande der Berlinale, als er mit seinem Lebensgefährten - ohne nennenswerte Resonanz seitens des Publikums - auf dem roten Teppich posierte. (Lesen Sie hierzu auch: "Berlinale: Hollywood-Stars und wenig Beifall".

Noch während Westerwelle sich am kalten Buffet labte, wurde enthüllt, dass er bei diversen undurchsichtigen Geschäften seine Finger im Spiel hatte: Nicht nur das Drama in Köln (Pfusch beim Kölner U-Bahn-Bau - Verdacht auf systematischen Betrug), sondern auch Unregelmäßigkeiten bei der Raumfahrt (Internationale Raumstation Klemmende Verschlüsse, auslaufendes Ammoniak) gehen auf das Konto des gleichermaßen ambitionierten wie umtriebigen FDP-Chefs.Während seiner kurzen Amtszeit als Außenminister soll er sogar Gewinn aus der griechischen Finanzkrise gezogen haben. Heute wurde bekannt, dass er seit Oktober 2009 Anteile einer großen amerikanischen Bank hält: Krise in Griechenland: US-Banken halfen Athen beim Tricksen
Tragisch jedoch sind die ersten Auswirkungen seiner pauschalen Verurteilung aller ALG-II-Empfänger. Eine verzweifelte Rentnerin, die bereits all ihr Erspartes aufgebraucht hatte und jetzt ihr Häuschen verkaufen muss, um empfangsberechtigt zu werden, wußte sich nicht anders zu helfen als mit dem Griff zur Waffe: Zwei Tote bei Amoklauf in Neubausiedlung!
Sie hatte geglaubt, den Außenminister zusammen mit dem hessischen Ministerpräsidenten Koch auf Wahlkampfreise vor sich zu haben.

Westerwelle selbst verweigerte jeden Kommentar.

07 Februar 2010

Langer Nebellauf

Auf dem Trainingsplan stehen 19,2 km. Ich war gestern auf einer Faschingsparty, zwar nicht lange, aber recht intensiv. Neblig ist es auch. Und Mittags bin ich bei Mutti zum Essen eingeladen. Für 19,2 km brauche ich ca. 2 Stunden. Ich sollte langsam loslaufen. Aber es ist so doof neblig. Und glatt, jedenfalls auf den Feldwegen. Auf der Straße ist es auch nicht schön. Egal. Ich habe mir ja etwas dabei gedacht, als ich meinen Trainingsplan geschrieben habe. ("Sonne!" habe ich gedacht und "Wärme!" und an kurze Hosen und einen Marathon im Frühling.) Ich habe nicht "Arschkalt und feucht und neblig!" gedacht. Egal. Ich muss da jetzt durch. Also Pulsmesser, BH, lange Unterhosen und Unterhemd plus winterfestes Gedöns angezogen, Mütze auf, Getränkegürtel mit heißem Tee geladen.

Die Luft ist unglaublich gut, und meine Füße laufen fast von allein. Der iPod spielt "In cosa della vita". (Oder so.) Nach einer knappen Stunde euphorisiert mich das Runners High. Oder anders: Der Endorphinausstoß funktioniert und lässt mich über das glatteisbedingt erzwungene Geeiere hinwegschweben.

Da vorn sind Stöckchenzieher! Die kriege ich!

Und wenn ich genau hinsehe, gibt es etwas Sonne hinter den Wolken. Der Fluss macht schöne Geräusche, die Krähen sehen unglaublich gut aus auf dem Weiß. Laufen ist erhebend und gibt mir ein Bewusstsein für die Natur und den ganzen Rest. Gut, dass ich mich aufgerafft habe!

Boah, was sind meine Beine auf einmal schwer! Ich will nach Hause! Unter die Dusche! Und ich habe so Hunger!

Aber Eines ist sicher: Laufen ist großartig!

ICH ärgere MICH

... und suche trotzdem nach einem Schuldigen.

ICH ärgere MICH
... und fauche DICH an.

ICH ärgere MICH
... und niemand kann MICH ändern.

ICH.
Vielleicht.
Später.

Alles, was ich brauche

Ich schließe die Augen
höre Deinen Fingern zu,
die meine Töne treffen.

Lächle in Dich hinein.

06 Februar 2010

Sau-nah oder Wo ist kein Aufguss?

Die meisten Menschen haben Gründe für das, was sie tun. Manchmal kennen sie die allerdings nicht. Fragt man beispielsweise die Besucher einer Sauna nach ihrer Motivation, werden viele antworten, dass sie sich entspannen wollen, wieder andere betreiben schlichte Erkältungsprophylaxe, die nächsten suchen in der kalten Jahreszeit etwas Wärme.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand antworten würde: "Ich will mit meiner Freundin quatschen, am liebsten in der Sauna oder im Ruheraum.", "Im Solebecken kann man so gut Finazierungstipps austauschen und die Fondsentwicklungen vergleichen.", "Ich liebe es, im Ruheraum ungestört schnarchen zu können!" oder "Ich will fremden Frauen auf den Hintern und die Brüste starren, und das ist in der Sauna billiger als im Nachtclub."

Gestern war wieder einer dieser Tage, an denen ich mir wünschte, auf irgendeinem sehr weit entfernten und einsam gelegenen Stern gäbe es eine Saunalandschaft, und nur ich hätte die Möglichkeit, mich dorthin zu beamen. Oder einen Scotty, der das für mich erledigt. Oder der die Störenfriede einfach auf die nächstgelegene Wiese befördert. Nackt. Dann läge die dicke Dame, die sich den Platz genau neben meinem Kopf ausgesucht hat und deren Hintern immer breiter wurde, direkt neben dem schnaufenden Herrn und den beiden unausgesetzt schnatternden Sozialpädagoginnen. Die beiden Möchtegernbroker würden die aktuellen Charts vom nächsten Maulwurfshügel aus besprechen, während die vier Fußballfans knietief im morastigen Geläuf herumplatschten.

Da ich weder Scotty noch Beamer zur Hand hatte, habe ich mich darauf beschränkt, mir die unterschiedlichsten Todesarten auszudenken; das hat es zwar nicht ruhiger gemacht, aber mir ein wohliges Gefühl. Und Jack the Ripper wäre erblasst vor Neid.