28 September 2010

Das Wetter ist wunderschön!

Wirklich! Man kann ohne auch nur den Hauch eines schlechten Gewissens im warmen Wohnzimmer sitzen und stundenlang lesen. Oder DVDs gucken. Yogitee Schoko trinken mit Sojamilch und Ahornsirup - das hat so etwas Vorweihnachtliches. Lesen ist auch okay. Was ich gar und überhaupt nicht rate, ist der Gang vor die Tür. Da ist es doof. Kalt. Nass. Neblig. Glibschig auf der Straße.
Und diejenigen, die trotzdem da draußen sind, haben scheinbar ihr Gehirn gegen etwas Einzelliges getauscht. Da wird mitten auf der Straße eine Vollbremsung vollführt, weil der Vordermann in ca. 3 km Entfernung auch gebremst hat. Doch das ist nur eine mögliche Ausprägung von regenbedingter Verblödung. Diese kann sich auch in unvorhersehbarer Raserei äußern: Ein wildgewordener Vertreter im schwarzen Passat beschloss ca. 20 Meter, bevor sich die Straße von zwei- auf einspurig verschmälert, dass jetzt ein guter Zeitpunkt sei, um für die Rallye Dakar zu üben.
Die Freude daran habe ich ihm mit einer zugegeben nicht ganz angemessenen Aggressivität ausgetrieben, indem ich mich am Kofferraum meines Vordermannes orientiert habe. Der elende Mistkerl hätte schon Ameise sein müssen, um sich dazwischen zu quetschen! Ne, nicht mit mir! Wenn ich bei so einem Schietwetter draußen bin, ist mit mir auch nicht gut Kirschenessen!
Dann, auf der Autobahn, hat sich sogar ein Polizeiwagen am galoppierenden Schwachsinn beteiligt: Er befand spontan, dass es auf der dritten Spur netter sein würde und ignorierte, dass ich meinen Peugeot gerade mit aller Kraft auf schwindelerregende 172,4 km/h beschleunigt hatte. BLÖDMANN! Aber zeigen Sie mal einem Polizeiauto den Stinkefinger!

Irgendwann stand ich auf dem Laufband, und alles war gut. Es ist zwar grottenlangweilig, 45 Minuten lang zu rennen, ohne voran zu kommen, aber es ist auf jeden Fall besser als nass zu werden und drei Lagen Klamotten übereinander ziehen zu müssen. (Irgendwie war es auf Kreta ja doch schöner zu laufen, auch wenn es immerzu bergauf oder durch Tiefsand ging...)

Egal. Ich bleibe dabei: Das Wetter ist großartig! Für fast alles. Man verpasst einfach nichts. Und kein Mensch mit gesundem Verstand würde verlangen, dass man jetzt Fahrrad fährt. Und das ist doch schön, oder?

26 September 2010

Warten auf den Geist

Es gibt da diese sehr schöne Geschichte: Der Indianer steigt aus dem Stählernen Ross und setzt sich auf die Schienen. Man fragt ihn, warum er dort sitzt. Er erklärt: "Ich warte darauf, dass mein Geist ankommt."

Mein Geist sitzt gerade am Kommos Beach, schaut sich den abnehmenden Mond an, hört den Wellen zu und bohrt seine Füße in den Sand.
Der Rest von mir ist etwas überdreht, in Whausen angekommen und mitten in der Planungsphase: Waschen wir zuerst das, was ganz schlimm stinkt, wir aber vor dem nächsten Jahr nicht wieder anziehen werden, oder stopfen wir die 60°-Wäsche in die Maschine? Woher bekommen wir die Milch für den ersehnten Milchkaffee, und was essen wir morgen? Im Kühlschrank befindet sich Sauerkraut, Cottage Cheese, ein paar Eier und Bier. Und Sanddornsaft.

Während wir uns hier den Kopf über Alltäglichkeiten zerbrechen, hat sich mein Geist gerade auf den Rücken gedreht und guckt Sterne. Da sind genau zwei, die scheinbar den gleichen Abstand zum Mond haben. Die Geschichte, die ich im Kopf habe, beginnt mit "Es war einmal ein glückliches Liebespaar, das auf einem Planeten gleich neben dem Mond lebte..." Der Rest ist in Arbeit. Aber dazu brauche ich meinen Geist.

Ich sollte ins Bett gehen. Vielleicht kommt er ja an, während ich schlafe...

24 September 2010

Pitsidia, Platia, zuviel Mythos aus der Flasche.

Ein paar griechische Gesprächsfetzen hinter mir; ich verstehe wieder viel mehr als vor drei Wochen. Kaum habe ich den Gedanken zuende gedacht, fragt es in mir, wo die Zeit geblieben ist.
Langersehnt, generalstabsmäßig vorbereitet, große Verabschiedung zuhause, angekommen, am Anfang lange Tage, zwischendrin ein bisschen Urlaubsroutine, jetzt fast vorbei.
War ich bewusst? Bei mir? Habe ich alles gesehen, was es zu sehen gab? Alles wertgeschätzt, was mir begegnet ist? Jeden Hund, jede Katze ausreichend mit Streicheleinheiten versorgt? Das Gedankenkarrussel gestoppt? Kurz, hatte ich einen "ordnungsgemäßen" Urlaub? Oder hätte ich mehr, anderes tun können? Mehr Begegnungen haben sollen? Mich verlieben vielleicht?

War wirklich alles, alles gut?
Nur gut? Oder war es so perfekt, wie ich es mir erträumt hatte in den Monaten zuvor?

Darf ich jetzt nach Hause?
Will ich nach Hause?
Nach Hause??

23 September 2010

Wir waren beieinander

für einen Augenblick.

Manchmal kann das Leben
zaubern.

Magie
für einen kurzen Moment.

Alberne Tricks
bei Tageslicht.

Du warst an meiner Seite,

Geredet hast Du,
wasserfallartig.
Meine Nähe suchtest Du,
doch ich suchte das Weite.
Jetzt bist Du irgendwo.
Ich bleibe hier.
Mag meine Seite lieber
ohne Dich.

Ich war nirgendwo.

Ich hätte nach Dir suchen,
Deine Spur verfolgen können;
stattdessen bin ich geblieben,
wo ich war.
Denn dort war es wunderschön.
Nichts fehlte.
Und niemand.

Kommos, Sonnenuntergang, vorletzter Abend.

Da rast ein Kitesurfer durch die Brandung, jetzt weitgehend unbelästigt von Schwimmern. Gestern hat es ihn manchmal weit nach oben gezogen. Stürmisch war es auf Kreta, heftiger Nordwind, der Strandspaziergang wurde zum Kampf gegen einen göttlichen Sandstrahler.
Jetzt frischt der Wind wieder auf, rechts von mir sitzt jemand mit Altherrenparfum, das sich mit dem Duft des letzten Burgers vermischt, der gerade von der Kantina herüberweht. (Der Duft, nicht der Burger, leider...)
Das Orange wird intensiver.
Dieser Urlaub ist bestimmt von Nichtstun und Paximadia. Die Inseln sehen morgens, in der Mittagshitze und beim Sonnenuntergang ganz anders aus.
Links von mir ragt der Felsen aus dem Meer, den der Zyklop nach Odysseus geworfen haben soll.
Sonst ist es still.

21 September 2010

Fotosessions. Durch die Linse betrachteter Sonnenuntergang.

Ich habe das Gefühl, dass eine Menge Eindrücke verloren gehen, während man versucht, die beste Position für ein Foto zu finden.
Möglicherweise bleiben eher die Bilder, die mit dem Herzen gesehen werden, schärfer. Verweilen dort länger.
Mir ist schon wieder nach Weinen. Glücksweinen. Euphorietränen.
Zu allem Überfluss stöhnt es jetzt "Je t'aime!", und ich fühle mich in den Partykeller des Jugendfreizeitheims versetzt, meine Hände um seinen Nacken gelegt, eng aneinander, händchenhaltend und knutschend. Im Dunkeln.

Was so ein südkretischer Sonnenuntergang doch für ein absolut wirbeliges Gedankenkarussell auslösen kann!

Bin dankbar für jede Umdrehung.

Pitsidia, Sonnenuntergang im Café mit den vielen Motorrädern

Ich wurde nett begrüßt mit den Worten: "You are running every time? And now you like to have a beer?" "How did you know this?" "I'm your friend!" Okay, jemand, der mir freiwillig ein großes Mythos aus seinem Eisschrank kredenzt, darf mein Freund sein; jedenfalls, wenn es derartig schnell geht. Zusammen mit meinem Bier ging ich auf die Suche nach dem Logenplatz. Ich musste mich dreimal umsetzen. Doch dann:

Langsam taucht die westliche Bergkette aus dem Dunst auf, weichgezeichnet. Die Sonne steht direkt über den Paximadia-Inseln; ohne diesen leichten Nebel würde sie glühen wie das Feuer in Hephaistos' Schmiede. Heute zeigt sie sanftes Orange, wirkt fast schon pastellig.
Aus dem Lautsprecher hinter mir höre ich erst "Brothers in Arms", gefolgt von "Am Fenster". Für Menschen meiner Generation: "Am Fenster" ist nicht die Musik, die man im Süden Kretas erwartet! Im Norden noch viel weniger...

Heute sieht Paximadia aus wie ein zur Hälfte im Wasser stehendes Nilpferd.
Ich sitze in zweiter Reihe, aber meine Mitgucker sind freundlich und lassen mir freie Sicht. "Die Sonne ist für alle da!" sagt eine Dame mit Sonnenbrille.

Ich bin gefangen.

Heute wurde ich gefragt, was ich für den Sinn meines Lebens halte. Meine erste Antwort lautete "42", dann begann mein Gesprächspartner einen Streit mit mir, weil er den Anhalter nicht gelesen und keine Ahnung hatte, wovon ich sprach. Wir vergnügten uns mit einem kurzen Disput über Landkarten, die nicht das Gebiet sind, bevor ich mein Heil im Wasser suchte - und den Sinn fand: Sein. Sein im Moment. Wild umhergewirbelt werden von einer Riesenwelle, schnaufen und "Scheiße!" schreien, gegen die nächsten Wellen anschwimmen, um sich dann von den übernächsten wieder zurücktragen zu lassen.

Mein Bauch sagte mir, dass mein Sinn genau dieser Augenblick und ein Streit darüber müßig ist.

Verdammt! Da hat jemand die Regeln nicht begriffen und hält seinen Kopf in MEINEN Sonnenuntergang! Malaka!

Gibt es Masseure in Pitsidia?

Wenn ja, ich bin die, die relativ weit vorn am Strand liegt auf einem gelben Handtuch, das nach knapp drei Wochen von allein steht, und die sich mit schmerzverzerrtem Gesicht aus der Horizontalen in die Vertikale wöltert, um dann die Strecke nach Kalamaki im Stechschritt zurückzulegen.

Irgendwann während der vorletzten Nacht habe ich mir ein paar blaue Flecken und Schrammen geholt; das kommt davon, wenn sich frau nach Genuss von zuviel Sonnenuntergangsfeierbier durchs Gesträuch kämpft, um dem Bier in romantischer Stimmung bei Zelt und Lagerfeuer (glücklicherweise ohne Gitarre) noch ein paar Rotwein beizumischen.

Um also auf meine ursprüngliche Frage zurückzukommen: Falls also ein Masseur, Physiotherapeut oder einfach ein Menschenfreund heute einen sozialen Tag hat: Zögern Sie bitte nicht, mich anzusprechen! Ich bin die...

17 September 2010

Pitsidia, Platia, abends. Gedanken über das www und Sickergruben.

Ich bin zu einer Hochzeit eingeladen. 650 Personen werden kommen. Soviele wohnen in Whausen. Und die Kirche ist nur halb so groß wie "unsere". Puh.

Außerdem bin ich heute an die Grenzen des www geraten. Wenn ein PC das Rentenalter erreicht hat, sch... er auf Globalisierung und Web 2.0. Er stürzt einfach ab und schert sich nicht um unvollendete Mails und geplante Posts.

Kreta ist eine Insel, die mich immer wieder Geduld und einen gesunden Pragmatismus lehrt, nicht nur, was das Funktionieren von PCs betrifft. So habe ich zum Beispiel noch nie hinterfragt, warum man hier das Toilettenpapier auf gar keinen Fall in die Toilette werfen darf, sondern in die auf jeder Toilette herumstehenden Eimer, ich habe es einfach als gegeben hingenommen und so gemacht. Es gibt keine Kanalisation auf Kreta! Sie ist zwar schon sehr lange in Planung, aber ich könnte mir vorstellen, dass es noch ein paar Jahre dauern wird. Die Autobahn von Nord nach Süd ist auch noch nicht fertig - glücklicherweise.

16 September 2010

Möwen, Fluggeräte, Wind und anderes Getier.

Heute habe ich zwei Möwen gesehen. MÖWEN! An einem Strand der kretischen Südküste! Eine ließ sich im wahrsten Sinne des Wortes herab und stolzierte am Strand herum, das Gefieder durchgepustet vom starken Südwind. Sie schien mir irritiert.
Ich dachte kurz darüber nach, ob sie sich auf dem Weg von Norddeich nach Juist verflogen haben könnte, verwarf diese Idee aber nach kurzer Zeit.
Wie ich überhaupt darauf gekommen bin? Wäre ich Möwe, könnte mir das passieren; vorausgesetzt natürlich, dass das Schicksal mir für meine Wiedergeburt als Federvieh meine menschliche Orientierungslosigkeit mitgegeben hätte.

Paraglider gab es auch, die schienen allerdings zu wissen, wo sie längs müssen: Erst ein bisschen nackte Haut gucken, dann ab in die Berge zum Abkühlen.

Kerlchen war heute nicht am Strand. Ich hörte allerdings, dass es ihn sogar bis nach Matala verschlägt auf seiner Suche. Vielleicht war er dort.

Auch vier Pferde fanden heute ihren Weg an den Strand. Auf dem ersten saß die einzige Person, die reiten konnte. Aber die anderen Tiere machten einen sehr geduldigen Eindruck.

Geschenke habe ich bekommen: Das eine oder andere Lächeln, haufenweise Muscheln und glattes Holz und einen wunderschönen Anblick. Ich darf alles behalten.
Danke!

Kommos Beach. Sonnenuntergang.

Ich bade in teerschwarzem Meer,
berauscht vom Hin und Her der Brandung,
betrunken vor Glück.
Das Licht der untergehenden Sonne kriecht langsam auf mich zu.
Ich lasse mich einfangen.

15 September 2010

Pitsidia, Platia, irgendwann abends ins Unreine gedacht..

Ich beginne zu verstehen. Ich muss nur sitzen und das Leben geschehen lassen, dann riecht es mitten im kretischen Sommer nach Waffeln, Stimmen umkreisen mich, ein kleines, dunkelgelocktes Mädchen schreit "Papa!" mit Betonung auf der zweiten Silbe und Schnuller im Mund, hinter mir "More than a feeling", rechts zwei braungebrannte, grauhaarige Herren, die sich im Verurteilen üben.
Bin froh, dass ich gerade nicht rede und nehme mir fest vor, gut auf meine Worte zu achten, sobald mich die Sprache wiederfindet.
Wenn Autos führen, würde ich sie jetzt beobachten. Es kommen nur wenige, und ich beschränke mich auf Sein.

Es ist sehr, sehr ruhig hier, kaum ein Tisch ist besetzt. Die Läden werden gleich schließen.

Was, zum Donner, heißt "Yella!"???

Man erledigt hier fast alles motorisiert, scheint mir.

Ein neuer Wunsch: Ich hätte gern eine In-Pension in Pitsidia, mit unterschiedlich eingerichteten Zimmern, einer Designerküche und haufenweise Kandinsky, Franz Marc und Yves Klein an den Wänden. Oder selbstgemachten Mobiles. Oder so.

Es ist schon recht kühl abends - nur noch 18°. (Möglicherweise mache ich mich in Deutschland gerade unbeliebt?)

Neben mir sitzt Michalis. Ich habe ihn vor 11 Jahren zum ersten Mal gesehen. Meine Haare sind gewachsen. seine haben graue Strähnen. Er erkennt mich nicht.
Ich erinnere einen sehr leckeren Frappé mit dem Liebsten auf Michalis' Terrasse, wo wir die Wartezeit auf den Bus überbrückt haben. Außerdem sah ich ihn während der nächsten Jahre mit wechselnden Damen auf seiner Enduro herumfahren und war manchmal ein bisschen eifersüchtig. Michalis ist ein sehr attraktiver Mann.
Eine der Damen hat er geheiratet. Es gibt zwei Kinder. Die Pension und die Terrasse gibt es auch noch.
Heute trinkt er Campari-O. Ich war sicher, dieses Getränk sei in den 80ern gestorben.

Da ist gerade wieder ein Auto weggefahren.

Der Wirt nimmt den Roller zur ca. 120 m entfernten Kneipe.

Seltsam.

Unten lachen sie und haben eine Show. Das sind die Dauerresidenten. Dennis, der Ire, ist schon wieder "oben ohne" und in Bermudas. Dafür trägt er eine Sonnenbrille. (Hi, Dennis! Thanks for a lot of fun!)

13 September 2010

Der Hund

Da rennt seit gestern ein relativ junger Hund am Strand herum, viel zu dünn und viel zu ängstlich, aber sehr triebig. Heute hat er versucht, eine Retrieverdame zu vernaschen. Sie hätte auch mitgespielt, aber die Menschen am Ende der Leine hielten Sex on the Beach - zumindest was bepelzte Vierbeiner betrifft - für keine gute Idee.

Auch wenn das ein nettes Erlebnis war, ich mich gestern und heute recht ausgiebig mit "Kerlchen" (So habe ich ihn genannt, um ihn irgendwie ansprechen zu können. Freundlicherweise hat er nicht protestiert.) unterhalten und ihm ein paar Streicheleinheiten verpasst habe, macht er mich ein bisschen traurig. Offensichtlich hat er keine Familie, vielleicht ist er sogar ausgesetzt worden, er wirft sich viel zu schnell auf den Rücken und zeigt seinen Bauch, läuft mit jedem mit, der ihn kurz beachtet.
Und selbst, wenn ich jetzt versuche, auf gar keinen Fall ein Tier mit menschlichen Attributen zu behängen, bleibt noch genug für Traurigkeit: Wenn er nicht gefunden oder aufgenommen wird, droht ihm am Ende der Urlaubssaison der Tod entweder durch Erschießen oder Gift. Und im Vergleich zu den normal oder sogar überernährten deutschen Hunden ist er so unglaublich mager.

Wäre ich mit dem Auto auf Kreta, würde ich mich jetzt ein paar Tage damit beschäftigen, wie ich ihn nach Deutschland geschmuggelt bekomme.
Da das nicht so ist, versuche ich, möglichst wenig von meinem Herzen an diesen Hund zu hängen. Wenn ich in knapp zwei Wochen Richtung Heimat geflogen bin, werde ich ihn nie wiedersehen.

08 September 2010

Liebelos

Ich könnte Dich lieben.
Glücklicherweise
lässt Du
mich
nicht.

Das Zauberwort

Sag das Zauberwort,
und ich werde Dir gehören
für den Rest der Zeit.


Mein Versprechen wiegt leicht,
denn ich weiß,
Du hast es vergessen.

Und so
bleibe ich bei MIR.

Kein Zauberspruch

Herzaubern könnte ich Dich,
auf der Stelle.
Es bräuchte ein paar Worte,
ein Stück Papier
und das Wissen,
dass ich niemandem mit meinem Zauber
Schaden zufüge.

Deshalb
lasse ich Dich,

wo Du bist.

Mutterliebe?

Warum müssen Mütter
ihre Kinder
immer aufhalten,
wenn diese die
Freiheit
suchen?

Und warum bannen Väter
diese Gefangennahme
auf DVD?

07 September 2010

Sternenliebe

Sein.
Über mir Sterne, unbekannt.
Sichtbar,
wenn ich mich weit genug
von Lichtern
entferne.

Zusammen.
Sein.

Du bist nicht hier,
bleibst fern,
gleichgültig,
wie nahe ich
Dir
zu kommen versuche.

Stern. Du?

Herzlichen Gruß aus Pitsidia!

Das ist ein sehr netter, kleiner Ort im Süden Kretas. Dort gibt es ein unglaublich nettes Café, das sich in einer umgebauten Ölmühle befindet, "Traumfabrik" heißt es. Und dort gibt es einen Internetzugang. Hm. Bin zwar etwas in Sorge, mich jetzt als Onlinejunkie zu outen, aber da muss ich durch. Wenigstens twittere ich Blocksatznicht.

Außerdem habe ich eine amtliche Entschuldigung: 31° um 9.30 Uhr! Das ist einfach zu warm, um draußen zu sitzen; außerdem habe ich drei Blasen am Fuß, die mich daran hindern, die zwei Kilometer zum Strand zu laufen. Und überhaupt. Habe Mitteilungsbedarf.


Es gibt hier unglaublich intensiv duftenden Jasmin, wobei der weiße besser riecht als der blaue, der blaue dafür hübscher aussieht. Ausgleichende Gerechtigkeit wahrscheinlich.

Vor der Pension wohnt eine Katze, die beschlossen hat, sich von mir adoptieren zu lassen. Muss bei Gelegenheit Katzenfutter kaufen; meine Frühstücksreste verweigert sie. Naja, sind ja auch fleischlos... Und ich kenne keine vegetarischen Katzen.

Kennen Sie dieses Gefühl, da zu sein, aber nicht so richtig? Sie fühlen die Sonne auf Ihrer Haut, hören das Meer, die einerseits fremden, aber schnell wieder vertrauten Geräusche, der Tagesrhythmus wird auf einmal ein ganz anderer. Und doch... Da sind immer noch viel zu viele Gedanken. In mir denkt es jedenfalls wie verrückt, ganz egal, was ich gerade tue. Es denkt beim Schwimmen, und ich erlaube die Gedanken in der Hoffnung, dass sie dann gehen. Tun sie aber nicht. Sie wechseln nur die Drehrichtung.

Halt. Einen Moment gab es: Im Schneidersitz am Wassersaum, die Augen geschlossen, habe ich den Wellen zugehört. Und die waren laut genug, um alles andere in meinem Kopf zur Ruhe zu bringen.

Bin wieder weg. Zum Strand. Sch.. auf die Blasen; ich muss nichtdenkengehen!

P.S.: Rechnen Sie trotzdem damit, dass ich nicht drei Wochen lang die Klappe werde halten können.

06 September 2010

Happy Birthday, Kampfzwerg!

Beim Armdrücken gewinnst Du gegen mich,
obwohl ich die Fitnesstrainerin bin.
Deine Ratschäge treiben mich manchmal zur Weißglut,
und meine schlägst Du in den Wind.
Du bist erfreulich unanstrengend;
da, wenn ich Dich brauche,
akzeptierst Funkstille.

An Geburtstagen schaut "man" ja gern einmal zurück:

Ich erinnere einen 1.000-Meter-Lauf, den wir als Erste und Zweite beendet haben, obwohl wir schon damals geraucht haben und Sport völlig überflüssig fanden. Trotz und Freundschaftsgefühle können ein starker Antrieb sein...

Die Brücke... Anschließend wilde und ungehemmte Lachanfälle im Chemieunterricht.

Schwofen zu "Hotel California", knutschen auf der Tanzfläche.

Gestritten haben wir uns auch. Einmal so sehr, dass wir ein paar Jahre Funkstille hatten.

Glücklicherweise waren die guten Gefühle stärker.

Ein Wochenende bei Dir ist für mich wie zwei Wochen Urlaub.

Was ich Dir wünsche? Nichts, was Du Dir nicht auch wünschen würdest: Jeden Tag zwei bis drei Stunden Sport, glücklich um 4.00 Uhr aufstehen, einen Kühlschrank voller vegetarischer Bioware und das nötige Kleingeld, um (nicht nur) den Lieferservice zu bezahlen.

"In echt": Sei glücklich. Jeden Tag. Jede Minute. Das ist der einzige Sinn unseres Lebens. Und 42.

04 September 2010

Melde mich ab...

... auf die Insel. Wahrscheinlich werden Sie ein paar Wochen nichts von mir hören. Ich muss meine Füße in den Sand bohren, Wellengeräusche interpretieren, Sonnenflecken auf meine Haut malen lassen, mit dem Wind rennen und mit Poseidon spielen.

Habe mir fest vorgenommen, auf das Allerkonsequenteste nur zu tun, wonach mir gerade ist, meine Uhr in den Koffer zu verbannen, zu essen, wenn ich Hunger habe und zu schlafen, wenn ich müde bin. Leben werde ich die ganze Zeit.

Wird eine gute Übung sein für gutes Leben überall.

Bleiben Sie mir gewogen - vielleicht komme ich wieder!

03 September 2010

Kompliment an ein Dorf

Als ich vorhin nach Hause fuhr, habe ich den Weg sehr deutlich wahrgenommen: Neuerdings ist auf der Landstraße ein Tempo-70-Schild auf Höhe der Ortseinfahrt, was ich inzwischen nicht mehr ignoriere, sondern wahrnehme.

Ich biege links ab, vorbei am Abzweig zu Sporthalle (meine Wirkungsstätte an zwei Abenden in der Woche) und Fußballplatz, vorbei am Haus der ehemaligen Waldorfschulenlehrerin, blicke nach rechts auf die Weide, auf der normalerweise zwei Pferde stehen, Mutter und erwachsenes Kind, zur Zeit aber eine größere Schafherde grast. Wahrscheinlich kamen die Pferde nicht mit dem Fressen hinterher. Links der Gutshof, dann die Kurven hinauf. Überall Blumen, Steine, Grün, Kopfsteinpflaster in den Seitengassen.
Es fühlt sich wohlig an, jeden Abend auf's Neue. Ich darf hier leben.
Rechtskurve. Links der Briefkasten, der täglich (außer Sonntags) um 8.00 Uhr geleert wird; auf der Ecke wohnt die Frau, die immer weiß, was im Dorf gerade geschieht, gegenüber ein sehr netter Herr, der das ehemals verfallene Haus langsam zum Schmuckstück macht.
Volksbank mit viel Grün.
Die Straße schlängelt sich weiter. Ich komme immer mehr an und bin noch immer unglaublich dankbar.

Beschließe wieder einmal, bleiben zu wollen. Für immer.

01 September 2010

Unfreiwilliger Freitod einer Schnake

Heute früh ist etwas sehr, sehr Trauriges passiert: Ich habe einer Schnake beim Sterben zugesehen und ihren Tod nicht beschleunigt, was mir ein unglaublich schlechtes Gewissen macht.

Es war so: Da es morgens inzwischen ja wieder dunkel ist, zünde ich nach dem Laptopeinschalten und HerdplattefürMilchkaffeeanmachen auch eine Kerze an. Ist gemütlicher als Kunstlicht, finde ich.
Ich sitze da also mit meinem morgendlichen Milchkaffee und schreibe. Und schaue dieser Schnake zu, die da immer wieder Richtung Kerze (weil einzige Lichtquelle in dunkler Wohnung) fliegt. Erkläre ihr, dass ihr Tun erstens gefährlich ist und mich zweitens nervt, weil so ein Schnakenschatten im Kerzenlicht einfach viel zu groß für einen Mittwochmorgen ist.

Zu spät. Das blöde Vieh tangiert die Kerze und bleibt im Wachs stecken.

Ein schneller Flammentod wäre ja okay gewesen. Aber jetzt saß ich da, Auge in Auge mit Kerze und Schnake. Die hatte nämlich nur zwei ihrer sechs Beine im Wachs, und der Rest zuckte wild vor sich hin. Also lebte sie noch.

Ich hätte nur beherzt zufassen müssen, um sie endgültig und ohne weitere Folter in den Schnakenhimmel zu befördern.
Aber ich habe Angst vor Schnaken! Naja, nicht wirklich Angst, die hatte ich früher, als ich klein war und so lange gekreischt habe, bis meine Mutter sämtliche 6-Beiner aus meiner Nähe entfernt hatte.
Heute finde ich Schnaken nur eklig, kann aber mit ihnen meine Wohnung teilen.
Aber anfassen könnte ich sie nicht. Nicht einmal im allergrößten Notfall, wenn nämlich eine dabei ist, einen grausamen, langsamen, schmerzhaften Tod zu sterben.

Dieses verdammte Bein zuckte länger als fünf Minuten herum, und ich konnte meinen Blick nicht abwenden. Die Schnake tat mir unglaublich leid, aber mein Ekel war größer.

Jetzt ist sie natürlich tot, aber noch nicht kerzenfeuerbestattet. Ich sitze also immer noch Auge in Auge mit meiner grausamen Missetat. Habe noch immer ein schlechtes Gewissen.

Ich wünsche der Schnake einen friedlichen und erfolgreichen Aufstieg in den Schnakenhimmel. Anfassen werde ich sie trotzdem nicht.