22 März 2011

Was es ist

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Erich Fried

Das musste ich dringend räubern - es passt. Unglaublich gut passt es!

20 März 2011

Schein, nichts sonst!

Du siehst Stärke,
ich verstecke mich.
Du hörst meine Worte,
fühlst meine Waffen,
denn Angriff ist die beste Verteidigung.
Du glaubst, ich sei spannend,
doch ich bin müde.
Du siehst all meine Gesichter
und ahnst nicht,
dass ich keines habe.
Du liebst mich,
doch Du weißt nicht,
wer ich bin.

19 März 2011

Hänsel und Gretel

Manchmal bin ich Gretel:
Ich lege all meine Schätze auf den Weg,
damit Hänsel mich findet.

Doch der
liegt längst bei der
Hexe.

Schau hin!

Sieh, wer ich bin!
Sieh, wer ich sein könnte!
Sie, wer ich war!

Schau hin!
Sieh, was ist!
Sieh, was wird!
Sie, was war!

Schau mich an - ich bin.

Ich war.
Vielleicht bleibe ich.

Da hängt ein Mond am Himmel,

unglaublich rund, riesig groß, beeindruckend!

Gleichzeitig höre ich im Radio, dass französische Truppen in Libyen gegen Ghaddafi vorgehen, Fukushima 1 möglicherweise gekühlt werden kann, die mir extrem unsympathischen Bayern gewonnen haben und dass Knut gestorben ist.
Und das ist neben dem Mond der einzige mich beeindruckende Eindruck des Tages (neben einer sehr spannenden Fortbildung): Knut hat mich schon eine Zeitlang begleitet, und ich habe mir mehr als nur einmal die Frage gestellt, ob es wildtiergerecht, dem menschlichen Wissensdrang geschuldet oder altruistisch ist, ein Tier, dass im "freien Leben" gestorben wäre, aufzupäppeln und zum Medienstar zu machen. Ich habe mir keine Antwort geben können. Auch ich fand Knut "unglaublich süß".

Der Mond. Er ist wirklich riesig, fast orange, mystisch. Wenn es nicht so arschkalt draußen wäre, würde ich jetzt zaubern gehen. (Naja, wenn ich ehrlich bin, wüsste ich gerade nicht, was ich herzaubern würde...)

Aber auf eine Anhöhe steigen und den Mond anheulen wäre jetzt schon nett...

Blöderweise bin ich erstens zivilisiert und zweitens gerade für den Öffentlichen Dienst tätig...

Manchmal wäre ich schon gern Knut...

18 März 2011

Vielleicht kann ich mich ergeben..

Vielleicht darf ich jetzt ruhig sein,
vielleicht erlaube ich mir Vergebung.
Vielleicht wage ich es,
eine Hand zu nehmen,
die sich mir
entgegenstreckt.
Vielleicht wird es gut mit Dir.

Vielleicht
kann man über Wasser gehen.

Heute war gestern.

Ich habe mein Heute verloren.
Bin nicht sicher,
ob ich im Gestern suchen
oder besser
das Morgen finden sollte.

16 März 2011

Aufgabe

Irgendwann gibt es diesen Moment des Erkennens. Dann gilt es nur noch, die Augen zu schließen und zuzulassen. Vielleicht stiehlt sich ein Lächeln ins Gesicht, vielleicht wird aus einem Moment des Erkennens ein Moment des Akzeptierens. Und vielleicht wird aus dem Akzeptieren Tatendrang, das Gefühl, über Akzeptieren hinaus zu wollen.
Vielleicht wird aus dem "Darüber-hinaus-wollen" ein Traum.
Vielleicht wird der Traum Realität, wenn nur viele darüber hinaus wollen.

Was wäre, wenn...

Was wäre, wenn es ein Schicksal gäbe?
Was wäre, wenn das Leben schickte, was es zu verschicken wichtig findet?
Was wäre, wenn Du Dich nicht wehren könntest gegen das Geschickte?
Was wäre, wenn Deine Energie all die Menschen in Dein Leben zöge, die zu Deinen Gedanken passen?
Was wäre, wenn...?

Was wäre, wenn es nur diesen einen Menschen in Deinem Leben gäbe?
Was wäre, wenn diese Liebe hoffnungslos wäre?
Was wäre, wenn...

Was wäre, wenn Du Dein Spiegelbild erkennen könntest?
Wäre dann Frieden?
Ruhe?
Oder bliebe
Aufruhr?

15 März 2011

Der Baggerfaktor

... gleitet in meinem Fall irgendwo in Bodennähe vor sich hin.

Und nach einigen schlaflosen Nächten und vielem Nachdenken habe ich herausgefunden, woran das liegt.

Baggerparadies Nr. 1: Die Muskelbude

Ich schminke mich nicht vor dem Training. Ich benutze auch vor dem Training kein blumig duftendes Deo. Ich richte mir vor dem Training nicht stundenlang die Haare, sondern stülpe mir eine Baseballkappe über und gut ist.
Während des Trainings trainiere ich. Das ist nicht selbstverständlich. Wollte ich Chancen haben, müsste ich mich auf die Nachbarhantelbank setzen und IHM fasziniert und in höchstem Maße beeindruckt beim Training zusehen. Oder wenigstens den Fahrradsitz desinfizieren, auf dem er seinen Glutaeus Maximus geparkt hat.
Erst gestern rannte eine nicht besonders sportlich wirkende junge Dame wie ein wildgewordener Kastenteufel durch das Studio und reservierte IHM die gerade frei gewordene Hantelbank.
(Ihnen kann ich es ja sagen: Wäre das meine Tochter, dann wäre sie nicht in der Muskelbude, sondern im Keller. Eingesperrt bei Wasser, Brot und Simone de Beauvoirs "Das andere Geschlecht". Rauslassen würde ich sie erst, wenn sie das Buch verstanden hat und boxen kann.)

Stylische Klamotten tragen müsste ich außerdem und den Eindruck erwecken, dass ich nicht beim Training, sondern in der Disko bin.

All das tue ich nicht. Ich schwitze. Ich stinke. Ich atme. Tief ein und aus. Manchmal mache ich Geräusche, weil ich mich gerade anstrenge.


Baggerparadies Nr. 2: Die Disko

Da gehe ich nicht hin, weil ich erstens zu müde bin und zweitens keine Chance gegen die High-Heels-Fraktion habe - ich kann auf den Dingern allenfalls dekorativ herumstehen. An Tanzen oder auch nur vorsichtiges Hin- und Herbewegen ist da gar nicht zu denken.


Baggerparadies Nr. 3: Die Arbeit.

Bisher habe ich noch niemanden gefunden, der meine Begeisterung für Rohrbombenbau, subversives Verhalten und Straßenkampf teilt.


Baggerparadies Nr. 4: Die Hundewiese.

Isch abbe keinen 'und...

14 März 2011

Montag

... ist heute, und bereits beim Weckergebrüll musste ich feststellen, dass mein Wochenende mich irgendwie erst überholt und dann vor mir versteckt hat; wie sonst wäre es zu erklären, dass ich mich doch eben erst auf Freitagabend und weitere zwei freie Tage gefreut habe und diese jetzt weg sind?
Ich kann mich noch erinnern, dass ich meine Fenster geputzt habe. Das war am Samstag.
Kurz darauf hat mein Wecker geklingelt. Das war Montag. Also heute.
Jetzt sind es noch 4 Tage bis zum nächsten Wochenende...

Können Sie sich erinnern, dass ich diejenige war, die gar fürchterlich auf diese Wochenendwarter und Bergfestfeierer geschimpft hat?

Können Sie sich an Konrad Adenauer erinnern? Ja? Dann sind Sie so alt, wie ich mich gerade fühle. Nein? Herzlichen Glückwunsch! Sie sind entweder jung genug, um verstorbene Ex-Kanzler ignorieren zu können oder vernünftig genug, sich nicht um Politik und deren Betreiber zu scheren.

Wie auch immer. Was Sie über Konrad Adenauer wissen sollten, um mich zu verstehen, ist ein überlieferter Satz, den er angesichts der Tatsache, dass irgendwelche Pläne, die er gehabt hat, irgendwie schiefgegangen waren, abgesondert hat: "Was schert mich mein Geschwätz von gestern!"

Recht hatte er! Und befindet sich in bester Gesellschaft mit Guido Westerwelle, Angela Merkel, Gerhard Schröder, Oskar Lafontaine, Joschka Fischer, KT von G und La Guapa. (Sie fragen sich, warum ich mich in diese illustren Persönlichkeiten einzureihen wage? Ich lüge, betrüge, saufe, lasse mich von Zeit zu Zeit aushalten, habe bei meiner Diplomarbeit abgeschrieben und rede unglaublich viel blödes Zeugs.)

Vergessen Sie also, was ich jemals zu Bergfesten, Wochenendwartereien und Montagsphobie geschrieben haben könnte - jetzt ist alles ganz anders! Und könnte sich morgen wieder geändert haben.

13 März 2011

Ich bin es nicht!

Ich träume Dich
in meine Nähe.
Ich wünsche Dich
zu mir.
Ich sehne mich
nach Dir.

Doch ich zeige Dir nichts
als
mich.

Ich kann es nicht sein.
Ich bin es nicht.

03 März 2011

Ohne Perspektive.

Komm zu mir!
Nimm Deine Sachen
und GEH!

Landkarten.

Ich habe versucht,
Dich in meine Welt zu holen,
Habe Deine Hand genommen und
Dir die Wege gezeigt,
die zu mir hätten führen können.

Du bist nicht mitgegangen.

02 März 2011

Frühlingserwachen. Oder so ähnlich.

Gerade läuft der Tag noch einmal an mir vorbei. Was war schön? Wo war Sonne? Leben? Gibt es Dankbarkeit für eine Menge Geschenke?
Ich habe ausgeschlafen. Mir den Luxus gegönnt, mich nach dem Weckerklingeln noch eine ganze Weile im Bett hin- und her zu drehen und tagzuträumen.
Mein Schweinehund durfte Marzipankugeln essen. Mehr als er durfte...
Sonne gab es und Papardelle mit Sahnespinatsauce.
Ein Tetesept-Aztekenschokoladen-Vollbad. Meine Wohnung riecht immer noch danach.
Funktionierende Kommunikation bekam ich auch geschenkt - und das ist ein sehr, sehr seltenes Geschenk!
Gerade jetzt schenke ich mir Blank & Jones und Hasseröder. In ein paar Minuten vergrabe ich mich zwischen weichem Bettzeug.
Irgendwann demnächst ist Frühling - die blühenden Primeln auf meinem Schreibtisch zuhause, die Narzissen und die Hyazinthe, die mein Büro beduften, gleichzeitig der Anblick der sich selbst zerstörenden Weihnachtssterne vom letzten Jahr beweisen, dass es aufwärts geht. Heller wird. Bunter. Schöner. Wärmer.
Frühlingsgefühle habe ich auch schon - alles in mir will laufen, rennen, Blumen pflücken.
Diesem Drang werde ich heute abend nicht mehr nachgeben - aber wer eine Blume findet, darf sie behalten! (Vorausgesetzt, sie stecken nicht gerade im Stacheldraht einer Gärtnerei fest!)

01 März 2011

Herr von Guttenberg

... ist das Thema des Tages. Nicht weiter interessant also.

Was ist interessant? Der sternenklare Himmel? Meine Unwissenheit bezüglich der dazugehörigen Bilder? Die Idee, dass es möglich sein sollte, Menschen auf den Weg zu bringen ohne Blick auf die Statistik?
Ein Esel auf Kreta, der nicht auf die Straße rennt und überfahren wird?
Eine flackernde Kerze gegen Feierabend?
Das Foto eines unschuldig dreinblickenden Hundes, der es faustdick hinter den geknickten Ohren hat?

Das sind die Dinge, die ich gerade interessant finde? Welches sind Ihre?

Oder haben Sie es ähnlich gemacht wie ich und einfach vor sich hin gelebt in der Hoffnung, dass Sie die Nacht überleben werden?
Doch was wird geschehen nach dieser Nacht? Sie wachen auf. Es gibt einen Tag.
Dieser Tag kann eine Wiederholung der letzten Tage sein oder ein Abenteuer.
Was wäre Ihnen lieber?
Alles so wie immer? Oder Ungeplantheit?

Ich habe einen neuen Begrüßungstext in meinem Handy: "Glück gehabt!" Der entlockt mir ein Lächeln. Erstens. Und zweitens macht er mich dankbar, weil ich die Nacht überlebt habe. Das ist nicht selbstverständlich.
Drittens habe ich die Idee, dass jeder neue Tag ein Geschenk ist - von wem auch immer. Und dass er es wert ist, gefeiert zu werden - wie auch immer.

Wenn Sie gerade denken, ich sei ein bisschen bekloppt: Sie haben recht!
Wenn ich Sie ein wenig inspiriert habe: Danke für die mir gegebene Chance!
Wenn Sie mich jetzt für völlig bescheuert halten: Sei haben recht!

Ist alles eine Frage der Landkarte, auf der wir herumspazieren..