28 Dezember 2011

Romantik, unerwünscht.

Gerade habe ich Bilder im Kopf von gemeinsamen Weihnachtsfeiern, Aufeinanderwarten, gegenseitigen Besuchen, Gemeinsamkeiten, Liebe eben.

Wir alle, die wir bereits mehrfach vor die Wand gelaufen sind, wissen: Das alles ist völliger Blödsinn! Es ist so realistisch wie ein Politiker mit Ehre!

Es gibt keine Liebe ohne Ent-Täuschung.

Es gibt keine Gemeinsamkeit ohne Ent-Zweiung.

Und doch... Wir wünschten so sehr, dass es anders wäre. Wir wünschen uns Sex ohne Reue, Berührung ohne Schmerzen, Liebe ohne Konsequenzen.
Wir suchen uns, doch finden werden wir Fremde.
Wir sehnen uns, doch wir sehen ein fremdes Spiegelbild.
Wir wollen lieben, doch alles, was uns begegnet, ist
SEHNSUCHT.

27 Dezember 2011

Angriff oder Flucht

Beim Autofahren lassen sich ja all diese archaischen Erbstücke unserer im besten Fall mammutjagenden, im eher schlechten säbelzahntigerflüchtenden Vorfahren ganz wunderbar beobachten.

Auch heute: Es sind Ferien. Die meisten Menschen werden erst gegen 9.30 Uhr ihre Höhle verlassen, um Geschenke um- und Gutscheine einzutauschen.

Der eine oder die andere muss oder will arbeiten und begibt sich zur üblichen Zeit auf die Straße. Frei könnte sie sein, diese Straße... Wäre da nicht dieser Billig-SUV, dessen Fahrerin ausnahmsweise einmal den Wetterbericht für Mecklenburg-Vorpommern gehört hat, der Sturmböen und Blitzeis voraussagt. Oder der ältere Katasteramtbeamte, der seinen KIA Sportage (was mag ihm wohl beim Kauf durch den Kopf gegangen sein?) mit rasanten 90 km/h über die mehrspurige Bundesstraße steuert.

Doch immer an Einfahrten kommen sie durch, die in uns wohnenden Neandertaler! "Nö, DICH lasse ich hier nicht rein, ich bin ERSTER!!!" denkt es im KIA, der flugs auf schwindelerregende 110 km/h beschleunigt, als er ein anderes Fahrzeug auf der Beschleunigungsspur entdeckt. (Dies scheint einer der wenigen Momente zu sein, in dem AutofahrerInnen modellunabhängig bemerken, dass sie doch nicht allein auf der Welt sind. Und dieser andere Mistkerl wird nicht vorgelassen!)
Ich definiere dieses Verhalten als eine Form von Futterneid. "Da will jemand das haben, was ich doch schon habe! Die Straße! Nicht mit mir!!!" (Gilt auch für Sonderangebote bei einschlägigen Discountern.)

Kurz danach durchfährt man einen Tunnel. Kurz. Jeden Tag. Man darf 80 km/h. Aber irgendwo in diesem Tunnel muss ein Säbelzahntiger sitzen, den ich noch nicht entdeckt habe. Oder sonst etwas extrem Gefährliches. Denn all diejenigen, die noch eben dem Einfahrenden aber auch keinen Meter Platz gemacht haben, fahren jetzt 50 km/h.
Ich würde so unglaublich gern ergründen, was dieser Tunnel mit Herrn Schmidt auf dem Weg zur täglichen Arbeit macht. Herr Schmidt fährt jeden Tag durch diesen Tunnel. Mit 50 km/h. Herr Schmidt ist immer vor mir.

Und an jedem neuen Arbeitstag frage ich mich, warum es strafbar ist, Herrn Schmidt zu rammen. (Das muss mein innerer Säbelzahntiger sein - ich habe keine Angst im Tunnel! Aber wer hat Herrn Schmidt vor mein Auto gesetzt???)

26 Dezember 2011

Es weihnachtet sehr...


Während der Oberkrawallbruder von der anderen Seite des Zaunes den Zeitpunkt für günstig erachtet, ein paar Sperrholzplatten zu spalten, es leise an mein Dachfenster nieselt und ich ein ganz schlechtes Gewissen habe, weil ich am PC sitze, statt mich in der Kirche von alten Sünden freisprechen zu lassen, lese ich bei Google News:

Privatkredit-Affäre: Gabriel: Wulff-Rücktritt wäre nahe an echter Staatskrise

Weltraumschrott verursachte offenbar Lichtschweif

IWF-Warnung vor Abschwung 2012 "Wir sind in einer gefährlichen Lage"

Große Mehrheit an den Feiertagen beruflich erreichbar

Das ist eine kleine, nur für mich repräsentative Auswahl der heutigen Schlagzeilen. Unsere Demokratie ist in Gefahr, wenn der Bundespräsident zurücktritt, weil es ja nicht geht, dass innerhalb von zwei Jahren dann der zweite Bundespräsident zurücktritt. Hm. Mir stellt sich eher die Frage, was an unserer Demokratie noch der sicher wohlüberlegten Überschrift eines Buches des betreffenden Herrn entspricht. Ich meine das Buch, dessen Werbeanzeigen vom zweitbesten Freund Maschmeier finanziert wurde.

Und bin nach wie vor (und seit dieser Affäre sogar noch viel stärker) der festen Überzeugung, dass diejenigen, die an Integrität und Unabhängigkeit von PolitikerInnen glauben, von einer nahezu herzerfrischenden Naivität sein müssen.

Wahrscheinlich sind das dieselben, die glauben, dass ein durch die Atmosphäre rasender Lichtschweif am Weihnachtsfest, das gerade unter dem Baum entschieden wurde, irgendetwas mit dem Stern von Bethlehem zu tun haben muss - dabei war es wahrscheinlich nur Weltraumschrott. Aber hübscher.

Trotzdem lohnt es sich, angesichts des leuchtenden Technikwunders auf die Knie zu fallen und zu beten, dass die Wirtschaftskrise, die über uns hereinbrechen wird, weil so unglaublich viele dieser sehr engagierten und unabhängigen PolitikerInnen erst jetzt ihre Köpfe aus den Enddärmen ziehen, verwundert um sich schauen und feststellen müssen: "Verdammt, das hat sich ja immer noch nicht von allein geregelt!", nicht allzu schlimm wird und nur Griechenland und Italien noch tiefer in den Bankrott treibt.

Und deswegen ist es auch besser, während irgendwelcher Feier- oder Urlaubstage beruflich erreichbar zu sein. Wer schon einmal einen dieser unrasierten und übergewichtigen Hartz-IV-Empfänger bei Vera am Mittag oder Richterin Salesch gesehen hat, wie er da rülpsend und furzend und ohne Zähne kundtut, dass er nicht arbeiten will oder gerade seine Olle abgemurkst hat, weil die ihn nicht ranlassen wollte, unterbricht doch gern das festliche Auspacken des neuen Smartphones, um noch rasch einen letzten Termin ins alte einzugeben.

24 Dezember 2011

Leben lieben.

Gerade habe ich beschlossen, dass heute ein guter Zeitpunkt ist, meinen anderen Blog, http://liebezumleben.blogspot.com/ wieder aufleben zu lassen. Gegen Ende hatte ich ja gedacht, jetzt sei alles gut, war sicher, dass ich jetzt wieder so tun könnte, als sei nie etwas gewesen.

Das Leben hat mir ein knappes Jahr später gesagt, dass es nicht so ist. Ganz im Gegenteil: Es hat mir eine Art von Roter Karte gezeigt, mich für viele Spiele gesperrt.
Ich habe eine Ahnung, wozu das gut gewesen sein könnte. Und wünsche mir von ganzem Herzen, dass ich mir diese Botschaft merken können werde.

Andererseits - wenn ich sie wieder vergesse (wie schon so oft), wird das Leben neue Wege finden. Vielleicht muss ich sogar wiederkommen und neu lernen; solange, bis ich nicht nur verstehe und einsehe, sondern auch fühle.

Ich hatte das schon einmal gepostet; für mich trifft es (noch) nicht zu. Auf dem Grabstein von Nikos Kazantzakis' Grab auf Kreta steht: "Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei."

Ich fürchte mich immer noch.

Frohe Weihnachten!

Das kommt mir - ehrlich geschrieben - nicht wirklich aus tiefster Seele, und wenn ich mir all die leeren, genervten und gestressten Gesichter ansehe, die Supermarktkassen, Fußgängerzonen und Ein-Euro-Shops bevölkern und Staus erzeugen, frage ich mich, wie sie es bis heute Abend schaffen wollen, froh zu werden.
Und dann noch all dieses High-Tech-Zeugs - "Weihnachten wird unterm Baum entschieden!" schreit einer dieser Elektrodiscounter. Ja, ist denn Weihnachten ein Wettkampf? Wer gegen wen? Schokoweihnachtsmann gegen iPad? Da hat der Weihnachtsmann doch jetzt schon verloren!

Verdammt, ich wollte ausnahmsweise ja mal nicht zicken, ich wollte Grüße losschicken. Entschuldigung!

Also nochmal: Allen MitleserInnen, FreundInnen, BegleiterInnen, Mitleidenden, Doppelkopfbrüdern und -schwestern und ganz besonders dem großartigen Team auf der Unfallstation des Ev. Krankenhaus Weende wünsche ich wunderschöne Weihnachten, harmonische und erholsame, vielleicht sogar auch besinnliche Tage, verbracht auf genau die Art, wie Ihr/Sie es wünschen würdet!

Und bei allen, die in diesem doch sehr durchwachsenen Jahr 2011 an meiner Seite waren oder mir (manchmal im wahrsten Sinne des Wortes) den Rücken gestärkt haben, sage ich an dieser Stelle: Dankeschön! Ihr wart hilfreich!

Mein besonderer Dank gilt dem Leben dafür, dass es nichts verschenkt, was keinen Sinn hat und für geöffnete Fenster, wenn mal die eine oder andere Tür zugeschlagen wurde.

23 Dezember 2011

Senile Bettflucht statt Jahresrückblick

Ja, jetzt ist es soweit: Während andere Menschen noch auf der Jagd nach Geschenken durch überfüllte Geschäfte taumeln, am Bratwurst- und Glühweinstand größere Mengen schwerverdienten Geldes ausgeben oder schon einmal den schönsten Stau für die Weihnachtsreise suchen, liege ich im Bett, mehr oder weniger selig schlummernd. Geweckt wurde ich um kurz nach Mitternacht vom Gedanken an das, was vor dem verlängerten Wochenende noch zu erledigen ist.
Nach viermal Hin- und Herdrehen habe ich aufgegeben und meinen seltsamerweise gut erholten Körper aus dem Bett bewegt.
Eigentlich könnte ich jetzt die Wohnung putzen, dann ist das schonmal erledigt. Aber möglicherweise schlafen meine Vermieter noch und könnten sich von "Apocalyptica plays Metallica" und meinem Staubsauger gestört fühlen.

Ich könnte auch den traditionellen "Randbemerkungen-Jahresrückblick" schreiben. Aber dann bekomme ich möglicherweise Depressionen, und das würde meinem Bedürfnis nach einem schönen Freitag entgegenwirken. Ganz davon abgesehen, dass ich mich an vieles nicht erinnern kann (was entweder mit beginnender Demenz oder Gerstensaftmissbrauch zu tun hat).

Obwohl... Einen kurzen Rückblick könnte ich doch versuchen und mich dabei auf die kleinen Wunder konzentrieren. Also: Vor ziemlich genau sechs Monaten lag ich dauerheulend in einem Krankenhausbett, war der festen Überzeugung, dass mein Leben, wie ich es liebe und kenne, zuende ist und versuchte verzweifelt zu verstehen, warum das niemand verstanden hat und woher die Menschen all diese albernen Allgemeinplätze und RatSCHLÄGE nehmen, wenn sie mit dem Häufchen Elend vor ihnen nichts Besseres anzufangen wissen.
Der nächste Schritt war ein kurzer Spaziergang im Flur, bis zum Fenster. Und das waren garantiert mindestens 15 Meter!
Den Weg bis gestern spare ich mir. Wichtig ist nur, dass ich gestern knappe 10 Kilometer gelaufen bin. GELAUFEN!!! GERANNT sogar zwischendrin. Dabei gegrinst habe wie die gleichnamige Katze aus Alice im Wunderland.

Okay, die Feuerwehrchallenge habe ich von meiner To-Do-Liste gestrichen. Aber der Halbmarathon steht wieder drauf. Fragen Sie mich nächstes Jahr im August danach.

Ich bin immer noch oft traurig, denke viel an diejenigen, die in diesem Jahr gegangen sind und verstecke mich hin und wieder unter meinem Tisch. Aber gleichgültig, was noch kommen mag, solange ich dabei laufen darf, kann ich es aushalten!

Zum Schluss eine Bitte an die Besserwissenden und Wohlmeinenden: Ja, Ihr habt mir vor einem halben Jahr prophezeit, dass es genau so werden würde! Trotzdem: Empathie ist in der Regel hilfreicher als Durchhalteparolen; eine Schulter und ein schlichtes "Ja, ich fühle mit Dir!" trösten mehr als der Hinweis darauf, dass es anderen noch schlechter geht. Das nächste Häufchen Elend, mit dem Ihr zu tun bekommt, wird es Euch danken.

22 Dezember 2011

Kinderpflichten, gar nicht weihnachtlich.

Was tun, wenn höchst erstaunt festgestellt wird, dass die Person, die von Recht und Moral gesehen geliebt werden sollte, gar nicht geliebt wird?
Was tun, wenn nur so getan wird, als ob? Wenn die Feststellung, dass es mit den Blutsbanden nicht so weit her ist, wie immer behauptet wird, sich ins Gehirn bohrt wie das gefürchtete Zahnarztgerät?

Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich voller Überzeugung sage: "Das, was ich bin, bin ich TROTZ Dir, nicht durch Deine Hilfe!"?
Muss ich mich schlecht fühlen, wenn ich den Generationenvertrag nicht unterschreibe?
Muss ich mich schämen, wenn ich mich nicht hinreichend sorge?

Darf ich denken: "Ich war Zufall; irgendwie war ich auf einmal da."
Darf ich das denken, obwohl ich weiß und fühle, dass es keine Zufälle gibt?

Sind wir wirklich in der Pflicht den Menschen gegenüber, die uns in diese Welt geworfen haben?

21 Dezember 2011

Prekäre Weihnachtsbeleuchtung. Update vom Update.

BLÖD!!! Das grausliche lila Geleuchte blinkt wieder. Wahrscheinlich waren die dazugehörigen Geschmacksverirrten nur damit beschäftigt, irgendein Geblinker im weihnachtlichen Wohnzimmer zu installieren und haben vergessen, das Ding anzuschalten.
Aber die haben eine Menge Geleuchte auf ihrem Gelände - wenn alles gut geht, sollte spätestens am zweiten Weihnachtstag das Stromnetz zusammenbrechen; immerhin sind wir ja auf dem Dorf!

Manchmal lieben wir.

Manchmal gibt es eine Verbindung.
Manchmal in die Welt. Das Universum.
Manchmal woandershin.

Manchmal bleiben wir allein.
Manchmal wollen wir das.
Manchmal nicht.

Immer ist da eine Form von Liebe. Heisst es.
Doch
manchmal können wir sie nicht fühlen.

Gewaltfreie Kommunikation

Sauna. Mein Wunsch nach zehnminütiger Ruhe kollidierte mit dem Bedürfnis eines Herrn mittleren Alters, der seine ruhende Bekannte entdeckte und mit einem sonoren "Teuerste, ich habe Sie überall gesucht!" begrüßte. (Das hat er wirklich gesagt. Genau so.)
Das wäre auch nicht schlimm gewesen, wenn sie sich wohlig geräkelt und ihm mit leiser Stimme ein "Guten Abend, Teuerster!" entgegengehaucht hätte. Aber mit Hauchen hatten die beiden es nicht so, ganz im Gegenteil, es schien ihr dringendes Interesse zu sein, die beiden anderen Herumliegenden über ihre Tagesgeschäften zu informieren.

Nach ein paar Minuten hatte ich mir ein paar Sätze zurechtgelegt, von denen ich hoffte, dass sie die Kriterien der Gewaltfreien Kommunikation erfüllen würden. "Entschuldigen Sie bitte!" wandte ich mich dem polternden Herrn freundlich zu, "Ich habe gerade ein sehr großes Ruhebedürfnis. Wäre es für Sie in Ordnung, Ihr Gespräch nach dem Saunagang fortzusetzen?"

Und was antwortet mir dieses verdammte A...loch, den bitte sämtliche ekelhaften Krankheiten inklusive Pickel und Ausschlag schnellstmöglich heimsuchen mögen? "Dann gehen Sie doch in eine andere Sauna. Wir werden uns weiter unterhalten."

Wäre ich auf den Wegen der Gewaltfreien Kommunikation geblieben, hätte ich geantwortet: "Aha, es ist Ihr Bedürfnis, sich mitzuteilen! Wie können wir da auf einen gemeinsamen Nenner kommen?"
Ich habe mich dafür entschieden, ihm in gemäßigter Lautstärke zu erklären, dass die elementaren Höflichkeitsregeln offensichtlich nur für Menschen mit Intelligenz Gültigkeit haben und die Sauna gewechselt.

Mein Bedürfnis allerdings war ein ganz anderes: "Sie dämlicher Wich.... glauben tatsächlich, Sie dürfen mit Ihrer hässlichen fetten Plautze samt dazugehöriger missgebildeter Visage MEINEN Feierabend stören? Nehmen Sie gefälligst Ihre Schrumpfeier und verpissen Sie sich, bevor ich sie Ihnen abreiße!"

Hach, was wäre das schön gewesen! Nicht wirklich gewaltfrei, okay, aber manchmal muss frau den dringlichen Bedürfnissen nachgeben - meines in diesem Fall bestand darin, mir eine nackte, übergewichtige und eierlose Leiche anzusehen. Und dann die Ruhe zu genießen.

Nein, ich bin nicht gewalttätig! Naja, nicht so oft... Und ein paar erbauliche Bilder im Kopf sind doch erlaubt, oder???

20 Dezember 2011

Sei!

Mit mir.
Bei mir.

In meinem Arm.

Bleib.

Geh nicht.

Bitte bleib bei mir. Mit mir. Schenk mir Deinen Arm.

Schenke Dich, wenn Du kannst.

Danke für die Blumen!

Ich danke Dir
für die Rosen!

Du hast Dich verschenkt
an mich.

Doch ich habe Dein Geschenk
verschmäht.

Geh.

Nimm Deine Rosen mit!

Es geht nicht.

Wie sollte ich Dir vertrauen,
wenn Deine Worte nicht
Deine Taten spiegeln?

Wie könnte ich mit Dir sein,
wenn Deine Umarmung
virtuell bleibt?

Wie könnte ich Dich lieben,
wenn Deine Liebe
im Nirgendwo versinkt?

Prekäre Weihnachtsbeleuchtung. Update.

Das Lila Geleuchte ist weg. Entweder haben die Besitzer ihre Stromrechnung nicht bezahlt, oder diese grausliche Lichterkette war so billig, wie sie aussah und hat beim ersten stärkeren Wind beschlossen, nicht mehr leuchten zu wollen.

Was auch immer der Grund war - ich bin jeder nicht mehr leuchtenden Billiglichterkette dankbar!

By the way: Meine günstig vor vielen Jahren erstandenen Lichterketten leuchten immer noch.

Ab und zu macht man (oder frau) etwas richtig....

Illusion

Einst glaubte ich,
ich sei wichtig.
Einst hoffte ich,
ich sei geliebt.
Einst dachte ich,
Du wärest bei mir.

Das Leben
hat mich
eines Besseren
belehrt.

Ich bin es nicht.

19 Dezember 2011

"Edel sei der Mensch,

hilfreich und gut!" schrieb einst ein gewisser Herr Goethe.

Das sollte sichtbarer gemacht werden als die medial ausgeschlachteten Gegenbeispiele. Ich wünsche mir eine Tagesschau, die all die Menschen vorstellt, die nicht einmal darüber nachdenken, ob sie edel sind oder nicht, sondern einfach handeln: Die Feuerwehrleute, die ihren Jahresurlaub in Haiti verbracht haben, um zu helfen, die Demonstranten, die in eisiger Kälte und auf höchst kreative Weise einen Atommülltransport zu behindern versuchen, KommunalpolitikerInnen, die noch daran glauben, was auf ihren Wahlplakaten stand, Menschen, die irgendwo auf der Welt Krankenhäuser aufbauen, die pensionierte Lehrerin, die ehrenamtlich Deutsch als Fremdsprache unterrichtet - die Liste ließe sich endlos fortführen.

Es gibt edle und gute Menschen. Es gibt sie auch unter den Wohlhabenden; nicht jeder Unternehmer oder Banker ist daran interessiert, den einen oder die andere PolitikerIn per Privatkredit für die eigenen Zwecke einzuspannen, nicht jeder Bundeskanzler hat auf Kosten "befreundeter" Unternehmer geurlaubt, nicht jeder Wirtschaftsminister winkt erst eine Steuerermäßigung für die Branche durch, in der er sofort nach seiner Amtszeit einen Aufsichtsratsposten erhält.

Aber möglicherweise sind diese Menschen nicht interessant genug, um von ihnen zu berichten. Vielleicht brauchen wir diese schlechten Beispiele, um uns selbst etwas besser zu fühlen. "So etwas würde ich nie tun!" sagt sich der Schwarzarbeiter angesichts der Steuerhinterziehungsdimension eines Herrn Zumwinkel, "Die eine Briefmarke ist ja wohl kein Verbrechen." denkt die Sekretärin, die ihre Privatpost über den Arbeitgeber abwickelt, während in den Abendnachrichten von Privatflügen in der Regierungsmaschine berichtet wird.

Gut ist: Wir haben die Wahl. Wir müssen uns diesen Scheiß nicht anhören. Wir können in dem klitzekleinen Bereich, den wir im Universum bewohnen, ein kleines Bisschen edel sein. Und wenn die Zeit reicht zwischen Weihnachtseinkäufen und Osterdekoration, könnten wir es auch mit dem Gut-Sein versuchen.

Und wenn Sie jetzt sagen, dass ich klinge wie eine schlechte Mischung aus Jürgen Fliege, Ulrich Wickert und Margot Käßmann: Warten Sie ab, bis ich meine ersten Segenssprüche bei ebay versteigert, mein erstes "Die Welt muss anders"-Buch verkauft und meine zweite Trunkenheitsfahrt durchgeführt habe!

14 Dezember 2011

Danke, Mutter!

Wir suchen uns unsere Mütter nicht aus. Sie gebären uns, aus welchen Gründen auch immer.
Wir passieren ihnen, geplant, ersehnt oder ungewollt.
Manchmal gibt es eine Bindung, die bleibt.
Viel zu oft ist "Mutter" gleichbedeutend mit "lebenslänglich", Verlust, Nichtgesehenwerden.
Sie machen das nicht mit Absicht, unsere Mütter. Sie wollten uns, irgendwie.
Aber manchmal können sie nichts anfangen mit diesen Fremdlingen, die sie unter Schmerzen in die Welt gepresst haben, manchmal taucht die Frage auf, ob dieser Mensch, der etwas völlig anderes tut als Mama sich gewünscht hätte, nicht vielleicht doch in der Klinik vertauscht wurde.

Und wir? Wir, die wir Kinder bleiben unserer Mütter? Sind wir verpflichtet zur Dankbarkeit? Dürfen wir stinksauer sein auf dieses fehlgeschlagene Experiment namens "Erziehung"? Dürfen wir Mama in die tiefste Hölle wünschen, weil sie uns alleingelassen hat?

Sie musste uns alleinlassen, irgendwann; sie hat uns alleingelassen in dem Moment, als unsere Augen von grellem Kreisssaallicht geblendet wurden, wir gezwungenermaßen unseren ersten Schrei von uns gegeben haben.

Wir waren fühlende, liebende Wesen am Anfang. Wir hatten Urvertrauen. Wir waren.

Und eines Tages, manche früher, andere später, stürzten wir ein zweites Mal in die Welt. Der Tag, an dem wir geschrieen haben und niemand kam, vielleicht an dem Abend, als Mama nicht da war für unsere Gute-Nacht-Geschichte, spätestens aber, als wir die Erfahrung machen mussten, dass wir so, wie wir sind, nicht gut genug sind. Nicht für Mama, manchmal noch weniger für Papa.

Sie wollten unser Bestes. Und stießen uns in ein Leben, das uns mit der Einsamkeit der Zurückweisung konfrontierte.

Manche nahmen die Herausforderung an und wurden glücklich mit dem, was ist. Das sind die Starken unter uns.
Andere trinken, nehmen Drogen, sind depressiv, auf der Suche, seit sie aus Mamas Paradies verstoßen wurden.
Wir sind in der Mehrzahl.
Doch irgendwann werden auch wir eine Art von Glück finden, eines Tages, wenn wir den Weg der Sehnsucht gehen, an dem unser inneres Kind auf uns wartet.

13 Dezember 2011

Bei mir. Mit mir. Fühlend in die Welt.

Klingt esotherisch. Ist es auch irgendwie.
Wenn nicht gerade ältere Herren mit Raucherhusten im Ruheraum schnarchen, meine Vorderfrau das Gaspedal nicht findet oder ein Ortsfremder mitten auf der Durchfahrtsstraße eine Volbremsung macht, weil Susi sagt: "Sie haben Ihr Ziel erreicht!", bin ich bei mir.
Und fühle seit längerem wieder eine Verbindung mit dem Rest des Universums. Sehe den Vollmond, fühle den Regen auf meinem Hut, liebe meine KollegInnen, stehe neben dem einen oder anderen sehr liebenswerten Menschen und schneide Paprika, lasse mir meine Tasche tragen und fühle einen Verlust, wenn einer dieser sehr liebenswerten Menschen an der roten Ampel aussteigt.
Auf einmal fühle, höre und sehe ich das Leben.
Zugegeben, ich bin immer noch viel zu häufig betrunken, finde die Frau im Spiegel nicht sonderlich liebenswert und habe das Bedürfnis, abnehmen zu wollen, soviel, wie irgendwie geht; weil ich dann schneller laufen kann. Hoffe ich.
Natürlich muss mein Rücken mitspielen. Und natürlich sollte ich im Hinterkopf haben, dass ich nicht ganz bin, "versehrt", wie ich in einem Forum zum Thema "Bandscheiben-OP" las.

Aber ich will. Ich werde. Und ich kann, wenn ich will!

Und vielleicht kann ich mich eines Tages in ein Gefühl stürzen. Vielleicht kann ich eines Tages meine Tasche abgeben und mir die Tür aufhalten lassen, ohne mich zu fragen: "Was will der von mir?" Vielleicht kann ich eines Tages nicht nur meine Tasche, sondern auch mich fallenlassen. Vertrauen.

Nein, nicht Dir - wir kennen uns zu lange!

Aber vielleicht Dir - Du kennst mich noch nicht.

Doch erst einmal will ich mir reichen.

Gedenken an einen besonderen Menschen

Zuviele Nachrufe für ein Jahr, finde ich. Doch dieser sehr besondere Mensch hat einen besonderen Nachruf verdient.

Die Fakten: Er ist 81 Jahre alt geworden, besaß und nutzte iPhone und PC, ging regelmäßig ins Fitnessstudio, hat in Gemeinschaftsproduktion mit seiner Frau einen wunderbaren Sohn in die Welt gesetzt, und der gebürtige Hamburger war ihm deutlich anzuhören. Widder war er, ein klassischer, einer von der polternden Sorte.

Jeder Mensch produziert in seinem Leben Geschichten, Anekdoten, Sinnsprüche. Mir ist eine Situation im Gedächtnis geblieben, in der ich ihn am liebsten geknutscht hätte, weil er in widdernder, kaufmännischer Kurzform ausgedrückt hat, was ich in diesem Moment dachte. Denken Sie sich zwei Künstler, nämlich einen Maler und einen Pianisten mit einem gemeinsamen Auftritt: Konzertmalerei. Der eine improvisierte am Klavier, der andere bemalte dazu eine riesige Leinwand. Nach ca. zwei Stunden waren sie fertig.
Im Anschluss besuchte man mit den näheren Freunden und Angehörigen ein Lokal. Dort wurde der Auftritt noch einmal besprochen. "Ich habe genau gehört, als Du Blau gespielt hast!" säuselte der Maler, angehimmelt von einigen mitgebrachten Groupies in den Wechseljahren. "Nein, ich sah Violett, während ich spielte!" antwortete der Pianist.
Die Zuhörer schwiegen ehrfurchtsvoll. Nur der Papa des Pianisten trommelte mit einer Hand auf der Tischdecke, die Augen gen Zimmerdecke gerichtet.
Eine Weile ging der Austausch weiter. Man hatte Grün gehört, während Gelb gespielt wurde, man hatte Oscar Peterson im Ohr, während der Maler Cole Porter empfand.

Der Papa des Pianisten trommelte lauter. Ich sah ihm an, dass er GENAU JETZT etwas sagen musste. Und das tat er: "Das ist ja alles ganz großartig. Aber was ist denn finanziell dabei herausgekommen?" war seine Frage.

Pianist, Maler und Malergroupies schwiegen.

Lieber Wolfgang, falls Du Dein iPhone mitgenommen hast: Für diese Unterbrechung künstlerischer Selbstbeweihräucherung werde ich Dir ewig dankbar sein!

Das Leben schenkt Momente, Zeit mit den Lieben. Wir hatten einen harmonischen, gemeinsamen Sommernachmittag, begleitet von Deinem kühlen, erfrischenden Humor.

Ich bin dankbar für diese Zeit, dafür, dass Du mir in vielen Dingen Vorbild bist und für die Seelenverwandschaft zwischen Widdern, die ich im Zusammensein mit Dir immer sehr deutlich gespürt habe.

Ein großartiger Mensch ist fort. Doch wer in unseren Herzen lebt, ist nicht tot. Er ist nur fern. Tot ist, wer vergessen wird. Du wirst nicht vergessen werden. (Den Mittelteil habe ich von Kant geklaut, nur für den Fall, dass Du da, wo Du bist, googeln kannst.)

Eins. Sein.

Ver-ZWEI-felt war ich, denn
ZWEI-fel kamen auf am Lebenssinn.
Darum vereinzelte
ich
und ent-ZWEITe mich mit meinen Lieben.


ALLEIN war ich. Mit mir.

Allein bin ich immer noch.

Doch gleichzeitig EINS. Mit allem.

11 Dezember 2011

Prekäre Weihnachtsbeleuchtung

Zum ersten Mal seit langer Zeit bin ich heute Abend durch das Dorf gestreunt. Eigentlich wollte ich Vollmond gucken und Chinakohlpfanne verdauen. Aber in der Vorweihnachtszeit kann der Blick überhaupt nicht anders als an den unterschiedlichsten Dekorationen hängen zu bleiben.

Ich habe ein paar unterschiedliche Theorien entwickelt. Die letzte sprang mir zusammen mit einem quietschlila blinkenden Busch förmlich ins Auge: Haben die in den letzten Jahren immer häufiger werdenden Blink-, Wander- oder sonstwie grellen Lichter möglicherweise etwas mit der ebenfalls immer größer werdenden Hektik zu tun, die so viele Menschen spätestens mit dem Auftauchen der ersten Schokoweihnachtsmänner im Supermarkt (also etwa ab Ende August) befällt? Dieses Geblinke hat ja nichts Besinnliches oder auch nur Freundliches, ganz im Gegenteil, es tut in den Augen weh und macht zumindest mich auch ein Stück weit aggressiv. Der Impuls, das lila blinkende Ding mitsamt den Wurzeln herauszureißen war jedenfalls vorhanden.
Meiner bescheidenen Meinung nach passt diese Beleuchtung ganz wunderbar zu den Inhabern der leeren Augen und genervten Gesichter, die volle Tüten aus den Läden nach Hause tragen und dort von demselben Geblinke begrüßt werden wie sie es in den Geschäften noch störend empfanden.

Die andere Theorie hatte ich früher schon. In meiner Geburtsstadt zumindest fiel es auf, dass ausgerechnet in den Gegenden, in denen erfahrungsgemäß das heute so genannte bildungsferne Prekariat beheimatet war, besonders wilde Dekorationen das Straßenbild beherrschten. Da waren Vorgärten und Balkons taghell erleuchtet, es gab Rentiere, an der Hauswand kletternde Weihnachtsmänner und "Merry-Chrismas-Blinkleuchten" in den Fenstern. Schon damals habe ich mich gefragt, ob die Inhaber der Weihnachtsbeleuchtung einen Ratenzahlungsvertrag mit ihren Stromlieferanten haben, zumal sie sich meist auch lange nach den Festtagen nicht von ihren Lichtspielen trennen mochten. Da lagen die Weihnachtsbäume schon seit Wochen verrottend auf der Straße, weil der Sammelplatz zu weit weg war, aber im Garten blinkte es munter weiter.

Die bildungsferne Großfamilie auf der anderen Seite des Zauns jedoch straft meine Theorie gerade Lügen - die haben überhaupt kein Licht an. Wahrscheinlich wurde das gesamte Jahresbudget während des Sommers in Würstchen und Bier investiert, da muss man dekotechnisch eben Abstriche machen.

Ich habe mich jedenfalls über den dezent und in freundlichem Licht leuchtenden Stern an meinem Küchenfenster gefreut und gleich meine dritte Adventskerze angezündet. Glücklicherweise blinkt in meinem Blickfeld nichts.

Einen schönen dritten Advent wünsche ich Ihnen!

Und falls Sie weitere Theorien über den Zusammenhang zwischen Weihnachtsbeleuchtung, IQ, Bankkonto und Schichtzugehörigkeit haben, lassen Sie mich doch bitte daran teilhaben.

Vollmond. Wolfsnatur.

Ich kehre zurück vom Nachtspaziergang. Habe den Mond angeheult und darauf gewartet, dass sich meine Sinne schärfen, dass mir Pfoten und Fell wachsen und ich mit einem großen, schwarzen Wolf an meiner Seite hinauslaufe in fremdes Leben. Habe mich zwischen vorweihnachtlichen Vorgärten verloren, deren grelles Licht die Sterne verdunkelte. Bin langsam gegangen, einen Fuß vor den anderen, vorsichtig, um nicht zu stolpern.

Es ist gut, sich hineinfallen zu lassen in ein Gefühl. Die Sehnsucht nach Wasauchimmer fühlt sich lebendig an, nagt an mir wie die fortschreitenden Tage am Mond.

Wenn ich meine Augen schließe, kann ich die seinen sehen, gelb und leuchtend in der Dunkelheit, kann schwarzes Fell unter meinen vorsichtig tastenden Fingern spüren. Wenn ich still bin und konzentriert lausche, kann ich ihn atmen hören, ganz in meiner Nähe.

Wenn ich meinen Tränen freien Lauf lasse, wird er sie riechen. Dann wird er an meine Seite kommen und mit mir gehen.

Heute Nacht jedoch bin ich noch einmal allein gegangen.

10 Dezember 2011

Es reicht!

Mein Lieblingspsychologe und -autor Robert Theodor Betz behauptet in einem seiner vielen Vorträge, dass viele Menschen eine entscheidende Änderung in ihrem Leben mit den Worten "Es reicht!" einläuten.

Etwas Ähnliches habe ich heute morgen der Frau im Spiegel gesagt. Die hat so depressiv geschaut, dass mein Gehirn allein bei ihrem Anblick Falten bekam.

Also habe ich meinen Blick von der depressiven Dame abgewendet und aus dem Dachfenster geschaut. Da draußen tobte bestes Aprilwetter: Blauer Himmel, Sonne, rabenschwarze Wolken, Hagelschauer, Regen, blauer Himmel...

"Komm, wir machen erst sauber und dann Sport!" habe ich der Frau im Spiegel vorgeschlagen. Wir haben gestaubsaugt, Blumen gegossen, Wäsche gewaschen und das Clo geputzt. Danach ging es uns schon wesentlich besser.

Eine Wolkenlücke haben wir dann genutzt, um loszulaufen. Wind war, Sonne und Regen. Und auf einmal fühlte sich das Leben wieder lebendig an, eine Verbindung war spürbar zu irgendetwas Ganzem "da oben".

6,18 km sind wir gerannt, die inzwischen nicht mehr depressive Dame und ich. Gegrinst haben wir und laut mitgesungen, als Madonnas "Die another day" lief.

Das erste Mal seit längerer Zeit war da ein Gefühl von Einheit mit allem. Ein gutes Gefühl.

08 Dezember 2011

Hinter dem Regenbogen

Ich wünsche mir,
dass es die Wiese gibt,
diesen Platz hinter dem Regenbogen,
an dem sich all die wiederfinden,
die sich einst geliebt haben,
die mit uns waren für eine Zeit.

Ich hoffe,
dass auch ich eines Tages
über diesen Regenbogen laufe,
auf den Spuren meiner Lieben;
dass ich sie finden werde,
mit ihnen sein darf,
als wäre da niemals eine Trennung gewesen.

Ich glaube fest daran,
dass sie dort sein
und mich liebevoll begrüßen werden.

Without you.

Mariah Carey singt "Can't live without you!" Das ist Blödsinn. Wir alle können leben ohne die Menschen, die wir einst geliebt haben. Wir alle haben den Überlebensinstinkt, der uns hilft, ohne "you" zurecht zu kommen.
Menschen gehen. Andere Menschen sterben. Wieder andere leben ohne uns.
Wir lassen zurück.
Wir bleiben zurück.
Wir verursachen Abschiedstränen.
Wir weinen Abschiedstränen.

Aber wir werden überleben.

Und irgendwann werden wir uns fragen, wann das Bild des einst so geliebten Menschen in unserem Herzen verblasst ist.

07 Dezember 2011

Sei!

Stell Dir vor, wie es sich anfühlen würde, wenn das, was Du tust, reichte!
Tu einmal so, als wärest Du gut, so, wie Du bist!
Erlaube Dir den Traum, dass Du wertvoll bist ohne Leistung, einfach, weil Du bist.
Glaube daran, dass Du einen Wert hast!

Du musst sein, nichts sonst.
Du musst nicht müssen.
Du musst nichts darstellen.
Du musst nichts zeigen.

Sei.
Bei.
Dir.

Und wenn dann noch Raum bleibt:
Sei mit mir.


Nur für den Fall, dass der Adressat sich nicht angesprochen fühlt: Er ist ein nahezu ununterbrochen arbeitender Mensch, BVB-Fan und Bowling-König.
Alle anderen dürfen sich gern wiederfinden.

03 Dezember 2011

Ich und Du ohne Wir

Ich wünschte Dich.
Ich hielt Dich.
Ich liebte Dich.

Ich gab mich.
Ich fiel in Dich.
Ich hoffte auf Dich.

Ich halte mich.
Ich bleibe.
Ich weiche nicht von meiner Seite!

Ich

Es fällt mir schwer, mit mir zu sein.
Doch ich strenge mich an.
Bin trotzdem nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte.
Ich bin ich.
Hier.

Spiegellos mag ich mich.

Ich. Jetzt. Hier.

Bin nicht, wer ich sein sollte.

Bin nicht die Frau meiner Träume.

Bin. Mehr nicht.

Wir?

Du kämpfst.
Ich ergebe mich.

Du hältst durch.
Ich erkranke.

Du suchst Dir Aufgaben.
Ich schlafe.

Du tust.
Ich beobachte.

Du bist.
Ich war.

02 Dezember 2011

Augen auf und durch!

Sonntag. Ich erhole mich. Oder, um Anett Louisan zu zitieren: "Ich bleib' präzis hier liegen. Das muss ich heute fertig kriegen."
Es funktioniert. Karen Slaughter wäre stolz auf mich; ich habe ihren neuesten Thriller an einem Nachmittag gelesen und es geschafft, mich dabei so wenig wie möglich zu bewegen.

Montag. Guter Start. 20 Minuten Yoga, sogar ein wenig meditiert. Nur ganz kurz über den Schwachkopf vor mir geschimpft und die dusselige Kuh hinter mir angebrüllt. Bis unter den Haaransatz voller guter Vorsätze.
Blöd. Eine Kollegin hat Kekse mitgebracht.
Noch blöder: Ich habe irgendwie gar keine Lust auf die Muskelbude. Dabei müsste ich, ich war ja gestern schon so faul.
Egal. Bin müde.

Dienstag. Mein Bett fesselt mich, und es gelingt mir nur schwer, mich zu lösen. Keine Zeit mehr für Frühstück oder gesundes Essen, Kaffee und Banane müssen reichen.
Blöd. Ein Kollege spendiert Frühstück. Mit Brötchen und Camembert und Kuchen.
Noch blöder: Ich habe heute nachmittag Kochkurs, aber jetzt schon Hunger.
Am Allerblödesten: Men Trainingspartner hat mir abgesagt. Wie soll ich allein den Weg in die Muskelbude finden?
Egal. Gute Nacht!

Dienstagnacht. Wadenkrampf. Wo, zum Teufel, kommt der denn her? Ich habe mich doch überhaupt nicht bewegt!! AUA!!!

Mittwoch. Ich kann nicht auftreten. Und da meine Kupplungswade zickt, auch nicht zur Arbeit. Noch viel weniger zum Sport. Blöd. Muss ich also schon wieder bewegungslos auf der Couch herumliegen und mir beim Zunehmen zugucken. Wenigstens ist die zweite Staffel von "True Blood" angekommen.
Noch blöder: Ich habe noch eine Tafel Weihnachtsschokolade gefunden, die ich im Küchenschrank versteckt hatte, damit ich sie nicht finde.
Ganz besonders blöd: Gleich daneben liegt eine Tüte Nachos.
Ist jetzt auch schon egal. Reicht ja, wenn die Vampire hübsch und schlank sind.

Donnerstag. Jetzt aber! Ich habe noch vier Tage Zeit, um diese Woche zu nutzen, und ich fange gleich heute damit an!
Es gibt Tomatensuppe ohne alles, viel Obst und noch mehr Kräutertee.
Blöd. Da steht schon wieder Kuchen in der Küche. Na gut, ein Stück.
Habe die Kurve gekriegt. Und nach Feierabend die Muskelbude gefunden. So schlimm sehe ich gar nicht aus. Angezogen. Im Verhältnis zu... Naja, allen möglichen Anderen. Und wenn ich ausgezogen bin, kann ich die Augen zumachen. Man muss sich nicht alles genau angucken. Frau schon gar nicht.

Freitag. Vielleicht wird doch noch alles gut. Glücklicherweise hängt mein Spiegel ganz hinten links in der Ecke, und ich muss mich richtig dünn machen, um mich überhaupt im Ganzen sehen zu können.
Glücklicherweise verhält sich mein Gewicht umgekehrt proportional zum Mond: Er nimmt zu, ich ab. Naja, ich nur 100 Gramm, der Mond um fast ein Viertel. Aber das ist immerhin ein Anfang!
Also Guapa - Du hast noch drei Tage, um eine richtig nette Woche gehabt zu haben. Augen auf und los!