27 Februar 2012

Tag 6

... hätte völlig unspektakulär sein können, wenn ich ihn gelassen hätte. Habe ich aber nicht. Ich habe getan, was ich Montags immer tue und es umbewertet.

Das morgendliche Aufstehen kann zum Fest werden mit Kerzen und einem Getreidemilchkaffee, Schreibtisch und PC haben sich zur Kreativwerkstatt vebündet, die Kolleg/innen sind auf einmal ALLE unglaublich liebenswert und das Mittagessen wird wie ein mehrgängiges Menü zelebriert.

Ist immer noch derselbe Tag, aber viel länger und spannender.

Nach Feierabend rief die Muskelbude. Und wo ich in den letzten Wochen nach einer vergeblichen Parkplatzsuchrunde erbost wieder abgedreht und nach Hause gefahren bin, habe ich heute die Lücke gefunden. Und gegen Ende meiner Trainingseinheit noch ein längeres Schwätzchen mit einer alten Bekannten gehalten. Zugegeben, wir haben gelästert wie Else Kling in ihren besten Zeiten (für die jungen Menschen: Else Kling war die fiese Nachbarin aus der Lindenstraße, und die Lindenstraße gibt es, seit ich denken kann, Sonntagabends. Der Entzug war hart, aber ich bin jetzt seit 7 Jahren ohne.). Aber Lästern macht Spaß, großen Spaß.

Zuhause empfingen mich frisch aufgeblühte Osterglocken und eine Amaryllis, dazu gab es grünen Jasmintee.

Klingt unspektaklulär, nicht wahr? Trotzdem war Tag 6 mindestens genauso schön wie die Tage 4 und 5. Ich bin auf dem Weg.

26 Februar 2012

Immer noch Tag 5 - Fotoshooting

Wenn Sie mich jetzt sehen könnten! Nix mit zu großem Herrenschlafanzug, Wohlfühlklamotten und zusammengeprummeltem Haarschopf!

Nein, ich hatte heute ein Fotoshooting. Das hat alles in allem nur 15 Minuten gedauert, aber das Schminken, Frisieren und Aufbrezeln etwas mehr als 2 Stunden. Dafür sehe ich jetzt aber auch aus wie meine schöne Zwillingsschwester. Wirklich, Sie würden mich vom Fleck weg heiraten! Und ich würde "Ja!" sagen, wenn Sie alt und reich genug wären.

Ist schon faszinierend, was so ein paar Löckchen, schwarzgemalte Augen und knallroter Lippenstift aus einer Alt-Emanze machen können...

Ich war sogar in Versuchung, diese komischen Stöckelschuhe, mit denen ich von der Umkleide zum Fotografen gestolpert bin, anzubehalten und einen Stadtbummel zu machen. War ja auch irgendwie zum Frühlingsgefühle kriegen heute.

Das habe ich gelassen - die Spritpreise, Sie verstehen? - und bin stattdessen mit meinen frisch ondulierten Löckchen Trampolin gesprungen. Ohne High Heels. War auch nett. Ich bin unglaublich gespannt auf die Fotos und werde Sie natürlich gern daran teilhaben lassen, wenn Sie mögen.

Überhaupt war ich heute nahezu hyperaktiv: Yoga und Meditation frühmorgens (okay, Meditation und Hperaktivität schließen sich gegenseitig aus, das gebe ich zu), vormittags im Regen losgelaufen, auf den letzten paar Kilometern fiesem Gegenwind getrotzt und trotzdem für eine übergewichtige Ex-Rückenkranke eine ganz akzeptable Zeit, dann zum Friseur, wo gedröhnt und geföhnt und fotografiert wurde, Gemüse geschnippelt, Suppe gekocht, meinen Geburtstagskurzurlaub gebucht. (Liebste Janine, keine Sorge - Südtirol steht fest auf meinem Terminkalender!) Ich werde eine Mörderkohle in drei Tagen ausgeben und mich nochmal aufhübschen lassen. Immerhin gehe ich jetzt auf das Ende der ersten Lebenshälfte zu, bin glücklicherweise meine eigene Personaltrainerin, habe eine irre gute Therapeutin und gedenke, all die operierten Damen in den Schatten zu stellen mit meinem natürlichen Faltenwurf. Und da ist ein Wellnessurlaub mit Ganzkörpermassage und Gesichtsbehandlung de Luxe genau das, was mein Herz und ich begehren.

Und jetzt ist schon wieder so spät... Dabei wollte ich noch etwas für die Arbeit lesen, Spazieren gehen, Meditieren, Trampolin springen (das Ding steht jetzt übrigens seit drei Wochen in meinem Schlafzimmer, aber ernsthaft entdeckt habe ich es erst gestern.) und vielleicht noch "Willkommen bei den Schti's" gucken.

Wie bin ich jetzt bloß von "Ich sehe einfach großartig aus!" zu meinen heutigen Heldinnentaten gekommen? Ist wahrscheinlich die Hyperaktivität in meinem Gehirn. Oder in dem Körperteil, der gerade wie verrückt Endorphine ausschüttet, Melatonin irgendwo verbuddelt hat und mich im Kreis grinsen lässt.

Tag 5... Wie mag das erst an Tag 10 aussehen? Wie mag ich erst an Tag 10 aussehen???

Ich gehe jetzt spazieren. Ist zwar dunkel draußen, aber vielleicht kann ich ja die Whausener Schafe zu einem anerkennenden Blöken animieren. Oder ein alter, todkranker Millionär hat sich verfahren...

Huch - schon Tag 5!

Es geht leichter, als ich dachte. Und seit Tag 3 ist da auch ein gewisses Maß an Euphorie. Gut, sie steckt noch in den Kinderschuhen, die Euphorie, aber wenn sie sich mit der Zuversicht zusammentut, haben beide sehr gute Überlebens-, wenn nicht gar Wachstumschancen.

Natürlich gibt es die wohlmeinenden Stolpersteine auf zwei Füßen, die mir entweder ein kleines Leckerli überreichen oder mir weismachen wollen, dass nichts im Leben leicht ist - so etwas schon gar nicht! Wohlgemeint und fehl am Platz schließen sich nicht zwangsläufig aus.
Aber ein herzliches Dankeschön an die Stolpersteine: Mein Ehrgeiz ist geweckt! Und mit genau diesem Ehrgeiz habe ich bereits als unsportliche rauchende 16-jährige den 1000-m-Lauf gewonnen. Ein hörbar gerauntes "Das schafft die nie!" hat für meine persönliche Bestzeit gereicht.

Tag 2 war ähnlich unspektakulär wie Tag 1, allerdings habe ich den Abend mit sehr schönen Kontakten gewürzt und mir Verbindung zu anderen gegönnt. Und ich habe Wind unter meinen Flügeln geschenkt bekommen, in unterschiedlicher Form - Danke dafür! Es hat mir Aufschwung gegeben.
Vor dem Schlafengehen noch ein Telefonat, das mich in meinem Vorsatz bestätigt hat.

Tag 3 ging deutlich in die richtige Richtung. Zuversicht, Kraft, gute Gefühle mir selbst und dem Rest der Welt gegenüber (ist ja auch nicht immer leicht). Abends habe ich mich todesmutig an einen Ort begeben, an dem ich "es" immer getan habe. Und war glücklich und stolz, dass ich "es" lassen und mich trotzdem wohlfühlen konnte.

Tag 4 hat mich gegen Ende ein wenig in Versuchung führen wollen. Die Rettung fiel mir leicht. Denn es ist leicht! Alles ist leicht, wenn eine Entscheidung getroffen wurde.

25 Februar 2012

Samstagnachmittage

Ich liebe Samstagnachmittage! Falsch: Ich habe Samstagnachmittage schon immer geliebt.

Als Kind durfte ich bei meinem Lieblingsonkel sitzen und ihn dabei bewundern, wie er gleichzeitig die Bundesliga im Radio, eine seiner Schallplatten gehört und dabei irgendeinen Trickfilm im Fernsehen gesehen hat. Ja, auch Männer können Multitasking!
Wenn dann noch seine diversen Uhren um die volle Stunde herum alle möglichen Geräusche von sich gaben, war das auditive Abenteuer perfekt.
Wir waren beide Fans von Borussia Mönchengladbach. Ich bin es immer noch. (Mein Onkel bestimmt auch, nur von woanders.) Sozialisation nennt man das.

Noch ein paar Jahre früher war Samstag Badetag, und ich durfte das Feuer im Ofen mit anzünden helfen. Die Wärme hat dann für eine Badewanne voll gereicht, und ich durfte als Erste.

Zeitsprung. Als Trainerin hatte ich Samstags um 13.30 Uhr einen Kurs im Studio A und musste um 15.00 Uhr in Studio B, das 25 km entfernt lag, sein. Auf dem Weg dorthin habe ich im Autoradio (das ich natürlich niemals besaß und das nur ein Auswuchs meiner gestörten Phantasie war, liebe GEZ-Fahnder!) immer die Bundesligavorberichterstattung gehört, und auf dem Rückweg gab es die Konferenz. Wie habe ich diese Hektik geliebt, die da verbreitet wurde! Wahrscheinlich war das Zuhören spannender als das Live-Erlebnis.

Meine Begeisterung für die Bundesligakonferenz ist mir erhalten geblieben, auch wenn sich die für die Bundesliga im Allgemeinen in eher engen Grenzen hält. Gut, ich weiß, wer gerade wo steht in der Tabelle, kenne die Ergebnisse des vergangenen Spieltages und liebe noch immer jede Mannschaft, die dem FC Bayern München eine Niederlage beibringt, aber eigentlich interessiert mich das alles nicht.

Besonders schön an den Samstagnachmittagen ist aber die Tatsache, dass ihnen noch ein von mir zu gestaltender Abend und ein ganzer Sonntag folgen. Alles ist fertig, die Wohnung geputzt, die Einkäufe erledigt (mit meinem häuslichen Arbeitsplan bin ich konservativ; und wenn mir das Aussehen meines Autos nicht so egal wäre, würde ich mich wahrscheinlich in die Riege derer einreihen, die Samstags ihr Auto polieren und grundreinigen), es wartet entweder ein Buch oder eine DVD oder eine Verabredung mit lieben Freund/innen.

Verstehen Sie mich nicht falsch - wenn ich nicht gerade zutiefst schlechte Laune habe oder in melancholischer Stimmung bin, liebe ich jeden Tag und jeden Moment der Woche. Meistens jedenfalls. Okay, den Mittwochnachmittag mag ich nicht so gern. Da kann aber der Mittwochnachmittag nichts dafür; ich habe mir einen regelmäßig stattfindenden Termin noch nicht ausreichend schön geredet.

Dieser Samstagnachmittag jedenfalls war perfekt. Und morgen gibt es einen perfekten Sonntag.

Schönes Wochenende allerseits!

23 Februar 2012

Tag 1

... war gestern. Ging gut. Unspektakulär. Jetzt warte ich auf Euphorie, Energieschub und Überschwang.
Kommt vielleicht noch. Später. "Man" muss ja nicht gleich am ersten Tag schon überschwänglich werden. Und dann ist da ja noch der Tag, den man nicht vor dem Abend loben soll. Und das Fell des Bären, das man nicht aufteilen sollte, bevor man den Bären erlegt hat.

Der Kreativitätsschub scheint auch auszubleiben.

Die gute Nachricht: Bayern München hat in Basel verloren. Weiter so!

21 Februar 2012

Tag 0

Ich habe Angst. Angst davor, dass ich nicht schaffe, was ich mir vorgenommen habe. Angst vor meinen Gedanken, meinen Zwängen.

Joachim Gauck wird Bundespräsident. Das ist immerhin ein Zeichen dafür, dass auch nach einem Verlust noch Großes möglich ist.

Gladbach steht an Platz 3 in der Bundesliga. Noch ein Zeichen. Letzte Saison bewegten sie sich ein paar Zentimeter vor dem Abstieg. Sie haben es geschafft. TROTZDEM.

Otto Rehagel trainiert Hertha BSC. Alter findet wahrscheinlich nur im Kopf (dem eigenen oder dem der anderen) statt.

Alles Belege dafür, dass all das funktioniert, woran wir glauben.

Trotzdem habe ich Angst.

Wie sollte ich mich noch im Spiegel ansehen, wenn ich DAS nicht schaffe? Wie kann ich jemals die werden, die ich sein will, wenn ich jetzt nicht die Ausfahrt finde, diese spezielle Ausfahrt namens "Selbstvertrauen"?

Wenn ein sehnlicher, ein großer, ein Herzenswunsch den Weg zum Erfolg zeigt, kann ich es schaffen - es gibt keine anderen Wünsche im Moment.

Ich bin auf dem Weg. Jetzt und hier bitte ich alle, die hilfreich sein könnten, um Unterstützung. Jetzt und hier fühle ich, dass ich es schaffen kann. Jetzt und hier wünsche ich mir SELBSTVERTRAUEN. Jetzt und hier wäre ich Ihnen/Euch für gute Gedanken dankbar.

Ich brauche etwas Wind unter meinen Flügeln.

20 Februar 2012

Kreisverkehr II

Es geht auch kurz:
Ich hätte ankommen können.
Ich hätte einen Traum leben können.
Ich könnte in der Sonne liegen.
Ich könnte mich laufend fühlen.
Ich hätte lieben können.

Laufen kann ich.

14 Februar 2012

NEIN!

Du glaubst,
ich wäre bei Dir?

Du bist sicher,
dass ich Dich brauche?

Du fühlst Stärke
aufgrund eines niemals gegebenen
Versprechens?


Du glaubst,
dass ich Dich liebe?

Du träumst.

Kreisverkehr

Wann ich losgefahren bin, kann ich heute nicht mehr sagen. Es gab eine Auffahrt, und ich habe sie genommen. Damals war ich abenteuerlustig; eine Handtasche mit Bikini und einem 10-DM-Schein reichten mir, um aufzubrechen.

Diese erste Fahrt ging geradeaus in die falsche Richtung: Statt wie geplant mit meinem Bikini in Italien anzukommen, landete ich in Hannover-Buchholz. Ich hatte die falsche Auffahrt genommen und meinen Daumen dem falschen Auto entgegen gestreckt.

Kurz darauf war ich wieder zuhause und um die Erfahrung reicher, dass dunkle Straßen, von denen aus man in erleuchtete Fenster schaut, ein Gefühl tiefster Einsamkeit hervorrufen und dass man viel zu häufig von den falschen Menschen abgeholt wird.

Die nächste Auffahrt führte mich in eine gefühlt bessere Richtung. Keine. Murphys Law sagt: "Wenn es Dir egal ist, wo Du bist, kannst Du auch nicht verloren gehen." Das ist gelogen. Auch wenn die scheinbar richtige Auffahrt gefunden wurde, die Freude darüber, Andere, Langsamere abgehängt zu haben, groß ist, heißt das noch lange nicht, dass die höhere Geschwindigkeit auch zu einem Ziel führt.

Egal. Ich war mitten drin im Kreisverkehr. Möglicherweise hatte ich das nicht geplant, ganz sicher hatte ich keine Karte. Ich fuhr. Das musste zunächst reichen.

Die nächste Abfahrt hieß "Liebe". Ich bog nach 300 m. rechts ab und fand nichts als einen leeren Parkplatz und volle Mülleimer. Trotzdem blieb ich. Es hätte ja sein können, dass der Sinn in goldener Rüstung und auf einem weißen Pferd herbei galoppiert wäre. Den wollte ich nicht verpassen.
Nach einem halben Jahr - der Inhalt der Mülleimer konnte mich nicht mehr nähren - fand ich mich auf dem Kreisel wieder, rasend.

Glücklicherweise hatte ich genug zu trinken dabei.

Nach einigen Runden, in denen ich nicht in der Lage war, eine Ausfahrt zu erkennen, las ich ein Schild. "Berufung" stand darauf. Das klang großartig, ich setzte den Blinker und bog ab. Die Raststätte war klein, gemütlich, es gab genügend Kaffee und Bier.
Ich setzte mich an einen freien Tisch, trank und schrieb und vergaß, dass draußen mein Auto stand.
Die Kellnerin war freundlich: Sobald mein Becher leer war, schenkte sie neu ein; morgens Kaffee, abends Bier. Ich trank und schrieb.
Irgendwann schloss die Raststätte, ich setzte mich in mein Auto und fuhr wieder los, keine Idee, wohin es gehen sollte, wie auch, ich war ja immer noch mitten drin in meiner unvollendeten Geschichte.

Dieses Mal hatte ich allerdings keine Lust, nur sinnlos im Kreis zu fahren. Ich hielt an, wenn es Schönes zu sehen gab, entdeckte kleinere Abfahrten, feierte Dorffeste und fand Gleichgesinnte. Hier, im Nirgendwo, hätte ich bleiben können, doch die Infrastruktur erlaubte keine langfristigen Pläne.

Dann wechselte ich das Auto. Aus einem VW Käfer, selbst bemalt und mit riesigem Frauenzeichen auf der Motorhaube wurde ein geleaster, vernünftiger Kleinwagen. Der VW war einfach nicht zuverlässig genug.

Mein vernünftiger Kleinwagen fand eine weitere Abfahrt. Der nächste Ort hieß "Sicherheit". Hier blieb ich nicht lange.

Für kurze Zeit hatte ich sogar einen Beifahrer. In diesen Tagen fuhr ich angeschnallt. Sicher ist sicher.

Die letzte Ausfahrt, deren Name mich verlockte, nannte sich "Vertrauen". Ich fuhr ab, fand eine Haarnadelkurve und stand ohne fahrbaren Untersatz da. Irgendjemand hatte das Schild "Die Straße endet hier!" weggenommen.

Seitdem bin ich zu Fuß unterwegs und bevorzuge Kurzstrecken.

12 Februar 2012

One Moment In Time

Irgendwie sterben sie erschreckend früh, diese KünstlerInnen, die mein Erwachsenwerden begleitet haben.

Ich möchte mich hier nicht in die Schar der Nachrufer einreihen, und ich war nie ein "echter" Fan von Whitney Houston. Aber ich finde es tragisch, wie die ganze Welt der (Selbst-) Zerstörung eines großen Talents zugesehen hat (zusehen musste?). Es macht mich traurig, dass ein Mensch, gleichgültig wie berühmt, so einsam gestorben ist, vielleicht voller Verzweiflung, vielleicht aber auch mit der Idee, dass es irgendwann demnächst noch einmal schön werden könnte.

Meine Talente sind nur durchschnittlich, aber ich habe eine Vorstellung von Einsamkeit - und die wird möglicherweise aussichtsloser, je größer der Kontrast zwischen dem Leben "da draußen" und dem eigenen Inneren ist.

Möge sie Frieden finden.

Ab aufs Schiff!

Schiffsunglück

Amateurvideo zeigt Fehler von "Concordia"-Kapitän

In Italien ist ein Amateurvideo aufgetaucht. Es zeigt die Schiffsbrücke eine halbe Stunde nach dem Auflaufen der "Costa Concordia". Auffällig ist das Verhalten des Kapitäns.

Google-Anzeigen
Komm an Bord Kreuzfahrt
Exklusive Kreuzfahrten - Buchen Sie jetzt Ihren Traumurlaub 2012! www.kommanbord.de

Genauso war das auf der Website der Berliner Morgenpost zu lesen!

Ich bin ja nicht das ganz ängstliche Modell, und ich glaube auch nicht daran, dass nach einem Flugzeugabsturz tagelang jeder dritte Flug problembehaftet ist (sondern dass dies ausschließlich mit der Suche der nach Anzeigenkunden gierenden Medien und der darin begründeten Ausschlachtung eines Themas zu tun hat), genauso wenig wie ich daran glaube, dass in absehbarer Zeit das nächste Kreuzfahrtschiff sinken wird.
Aber diese Anzeige zeugt schon von sehr großen Vertrauen in die Vergesslichkeit der LeserInnen! Immerhin müssen die ja schon vergessen haben, dass gerade vor der italienischen Küste ein Riesenschiff havariert ist. Und dass sie zur Sekunde den Text zur Katastrophe lesen.
Ob dann wohl jemand denkt: "Jupp, das klingt spannend - ich buche jetzt mal eine Kreuzfahrt!"?

Ich bin mir da nicht so sicher, beglückwünsche aber die Werbenden zu einer gehörigen Portion... Zynismus? Ignoranz? Schlichter Blödheit???

09 Februar 2012

Aus gegebenem Anlass,

weil Kreta meine einzige Liebe ist, ich eigentlich nicht politisch bin, aber mir die Verhaftung eines ganzen Volkes unter Besichtigung des Rests der Welt unglaubliche Angst einjagt und mit herzlichem Dank an Xenos, der mir den Text geschickt hat:

MIKIS THEODORAKIS

An die empörten Bürger Griechenlands und Europas

Wir begrüßen die Zehntausenden, sogar Hunderttausenden von Bürgern, vor allem junge Menschen, die sich auf den Plätzen aller großen Städte versammelt haben, um ihrer Empörung Ausdruck zu verleihen im Gedenken an das Memorandum (Rahmenvereinbarung zwischen der griechischen Regierung, EU, IWF und der EZB, seit Mai 2010 unterzeichnet und dann regelmäßig erneuert), und den Abschied der Regierung der Schande und aller politischen Mitarbeiter zu fordern, die dem öffentlichen Wohl dienen sollten und denen es gelungen ist, Griechenland zu zerstören, zu plündern und zu versklaven. Anstatt ins Parlament gehören diese Leute alle ins Gefängnis.

Wir begrüßen die ersten Generalversammlungen, die in den Zentren unserer Städte stattfinden, und die direkte Demokratie, die die neuartige Bewegung der Jugend zu entdecken sucht. Wir begrüßen die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes, welche Demonstrationen, Streiks und Besetzungen begonnen haben, um einen Staat zu verteidigen, der, statt einer Auflösung im Rahmen des IWF, eine Verbesserung und eine radikale Reform verzweifelt benötigt. Durch ihre Proteste verteidigen die Arbeiter der Hellenic Postbank, der National Elektrizitäts-Regie und der Gesellschaft der öffentlichen Lotterie- und Sport-Wetten, das Erbe des griechischen Volkes, das die ausländischen Banken, mittels ihrer Marionetten-Regierung in Athen, zu plündern gedenken.

Der beispielhafte Pazifismus dieser Demonstrationen hat gezeigt, dass, wenn Polizei und Provokateure keinen Befehl erhalten, einzugreifen, das Blut nicht fließt. Wir appellieren an die griechische Polizei nicht die Instrumente der dunklen Kräfte zu werden, die auf alle Fälle versuchen wollen, zu einem gewissen Moment die Jugendlichen und Arbeitern blutig zu unterdrücken. Ihr Platz, ihre Pflicht und ihr Interesse ist es, an der Seite des griechischen Volkes, der Proteste und der friedlichen Forderungen, an der Seite Griechenlands zu stehen, und nicht an der jener dunklen Kräfte, die ihre Politik der jetzigen Regierung diktieren. Ein Jahr nach der Abstimmung über das Memorandum, scheint alles sein Scheitern zu beweisen.


Nach dieser Erfahrung ist nicht mehr die geringste Illusion gestattet. Der Weg, den die Regierung eingeschlagen hat und auch weiterhin einschlägt, unter der Aufsicht von Banken und ausländischen Unternehmen, von Goldman Sachs und seinen Mitarbeitern in Europa, führt Griechenland in die Katastrophe. Es ist unerlässlich, dass dies sofort aufhört, es ist unerlässlich, dass sie das Land sofort verlassen. Tag für Tag offenbaren ihre Praktiken, wie gefährlich sie für dieses sind. Es ist erstaunlich, dass der Generalstaatsanwalt noch nicht gegen den Minister für Wirtschaft und Finanzen, nach dessen jüngsten Aussagen über die drohende Insolvenz und das Fehlen von Haushaltsmitteln, eingegriffen hat. Warum hat er nicht eingegriffen in Reaktion auf die Äußerungen des Präsidenten des Bundesverbandes der Arbeitgeber der Industrie und der griechische EU-Kommissarin Mari Damanaki über ein Verlassen des Euro? Warum hat er nicht gegen den Massenterrorismus eingegriffen, mit dem eine bankrotte Regierung unter dem Diktat der Troika [EU - IWF - EZB], wieder einmal versucht, das griechische Volk zu erpressen? Durch ihren Katastrophismus, ihre tragischen Anspielungen und alles, was sie erfinden und quasseln, um die Griechen aufzuschrecken, ist es ihnen gelungen, unser Land in der Welt zu demütigen und es tatsächlich an den Rand des Bankrotts zu bringen. Wenn ein Geschäftsmann in der gleichen Weise spräche, wie dies der Premierminister und seine Minister tun, wenn sie von Griechenland reden, würde er sich sofort wegen schwerer Unterschlagung hinter Gittern wiederfinden.

Wir wenden uns auch an die europäischen Völker. Unser Kampf ist nicht nur der Griechenlands, er strebt ein freieres, unabhängigeres und demokratischeres Europa an. Glauben Sie Ihren Regierungen nicht, wenn sie behaupten, dass euer Geld dazu dient, Griechenland zu helfen. Glauben Sie nicht die groben und absurden Lügen der kompromittierten Zeitungen, die Sie überzeugen wollen, dass das Problem von der sogenannten Faulheit der Griechen herkommt, währenddessen nach den Daten des Europäischen Statistischen Instituts diese mehr arbeiten alle anderen Europäer! Die Arbeiter sind nicht verantwortlich für die Krise; der Finanzkapitalismus und die Politiker in ihrem Boot, sie sind es, die sie verursacht haben und sie ausnutzen. Ihre Programme "Rettung von Griechenland" helfen nur den ausländischen Banken, und gerade denjenigen, die mittels Politikern und Regierungen in ihrem Sold, das politische Modell aufgezwungen haben, das zur aktuellen Krise geführt hat.


Es gibt keine Alternative zu einer radikalen Umstrukturierung der Schulden, nicht nur in Griechenland, sondern in ganz Europa. Es ist undenkbar, dass Banken und Kapitaleigner, die die Verantwortung für die gegenwärtige Krise tragen, nicht einen Cent zahlen, um den Schaden den sie angerichtet haben, gutzumachen. Es darf nicht sein, dass Banker sein, der einzige sichere Beruf auf der Welt ist!


Es gibt keine andere Lösung als das aktuelle europäische Wirtschaftsmodell zu ersetzen, das entwickelt wurde, um Schulden zu erzeugen, und zu einer Politik der Ankurbelung der Nachfrage und der Entwicklung zurückzukehren, zu einem Protektionismus, der mit einer drastischen Kontrolle der Finanzen versehen ist. Wenn die Staaten sich nicht auf den Märkten durchsetzen, so schlucken diese sie auf, zusammen mit der Demokratie und den Errungenschaften der europäischen Zivilisation.


Die Demokratie wurde in Athen geboren, als Solon die Schulden der Armen gegenüber den Reichen stornierte. Man darf heute nicht zulassen, dass die Banken die europäische Demokratie zerstören, um riesige Summen aus ihnen herauszupressen, die sie selbst als Schulden generiert haben. Wie kann man vorschlagen, dass ein ehemaliger Mitarbeiter von Goldman Sachs die Europäische Zentralbank führen soll? Welche Art von Regierungen, welche Art von Politikern haben wir in Europa?

Wir bitten Sie nicht, unseren Kampf aus Solidarität zu unterstützen, nicht, weil unser Land die Wiege von Platon und Aristoteles, Perikles und Protagoras, der Konzepte von Demokratie, Freiheit und Europa war. Wir bitten Sie nicht um eine besondere Behandlung, weil wir als Land eine der schlimmsten Katastrophen in Europa in den 1940er Jahren erlitten haben und wir vorbildlich gekämpft haben, dass der Faschismus sich nicht auf dem Kontinent etabliert hat.

Wir bitten Sie, es in Ihrem eigenen Interesse zu tun. Wenn Sie heute die Opferung der griechischen, irischen, portugiesischen und spanischen Gesellschaft auf dem Altar der Schulden und der Banken zulassen, wird bald die Reihe an Ihnen sein. Sie werden nicht auf den Ruinen der europäischen Gesellschaften gedeihen.


Unsrerseits sind wir spät dran, aber wir sind aufgewacht. Lasst uns zusammen ein neues Europa bauen; ein demokratisches, wohlhabendes, friedliches, das seiner Geschichte, seinen Kämpfen und seines Geistes würdig ist. Widerstehen Sie dem Totalitarismus der Märkte, die drohen, Europa zu zerschlagen und in eine Drittwelt zu verwandeln, die die europäischen Nationen gegeneinander aufwiegeln und unsern Kontinent zerstören, indem sie die Rückkehr des Faschismus fördern.

Deutsche Übersetzung: Guy Wagner (Hervorhebungen von mir)


By the way: Sie müssen kein/e Griech/in sein, um zu denken!

08 Februar 2012

Geschlossene Psychiatrie

Manchmal denke ich,
das bessere Schauspiel
unterscheidet die "draußen"
von denjenigen, die medikamentensediert
hinter Krankenhausmauern
dahindämmern,
beraubt ihres klaren Verstandes,
den es drogenfrei gäbe.

Doch wer von uns hier "draußen"
ist drogenfrei?

Wer wagt es,
die erste Pille zu werfen?

Frühlingserwachen

Einstellige Minustemperaturen! Mein Auto sprang heute früh anstandslos an und hinterließ keine schwarzen Wolken, die mich als Umweltsau und meinen kleinen, unschuldigen Diesel als Dreckschleuder in Verdacht brachten, als es noch etwas kühler war.

Nein, heute war es nahezu kuschelig warm! Ich habe meinen Mittagsspaziergang mit offenem Mantel gemacht (okay, dieser Mantel lässt sich bei meinem winterbedingten Übergewicht einfach nicht schließen - aber wenn man begeistert guckt, halten einen alle für extrem kälteresistent). Was ich auch bin, kälteresistent. Im Büro hatte man sich für eine von zwei möglichen Heizungsvarianten - Eisschrank oder Sauna - entschieden, und ich entschied, dass ärmelfrei die adäquate Bekleidung für diese brüllende Hitze sei.

Warten Sie auf eine Botschaft? Es gibt keine. Mir ist nicht mehr kalt, mein Auto springt an, ich mag meine Arbeit, und ich mag mein Feierabendbier, solange es nicht gefroren ist. Ich mag Klavierimprovisationen zur Entspannung, und ich kann mir gerade beim Dickwerden zusehen. Was mir vollkommen gleichgültig ist - ich schaue mir nämlich gleichzeitig beim Nettzumirsein zu. Das ist zugegebenermaßen noch ausbaufähig. Aber Dickwerden ist doch ein guter Anfang, finden Sie nicht?

Und was den erwachenden Frühling betrifft: Da sind immer noch Schneeglöckchen, die nicht erfroren sind! Direkt neben dem gefrorenen Flussufer!

06 Februar 2012

Lebenstänze

Ich tanze.
Ich TANZE!
Ich kann tanzen!
Es ist dunkel,
und ich kann tanzen!

Ich lebe!
Ich LEBE!
Ich fühle mein Leben!

Es ist Vollmond,
ich war sicher, dass ich "es" nicht schaffen werde,
doch ich lebe!

Leben will,
Leben muss,
Leben soll
getanzt werden.

Winter. Wie jedes Jahr.

Okay, es ist kalt. Es ist arschkalt. Es ist Winter.

Vor drei Jahren bin ich im Januar bei -22° mit dem Zug nach Hannover gefahren, um von dort aus Richtung verregnetes Fuerteventura zu fliegen. Es hatte im November damit angefangen, arschkalt zu sein und irgendwann Ende März wieder damit aufgehört. Mit Schnee.

Letztes Jahr bin ich recht viel zu Fuß unterwegs gewesen. Ab November war es arschkalt. Geschneit hat es auch. Wie verrückt.

2006 war ich mit einem Eisdielenzubehörgroßhändler liiert. Der hatte ernsthafte Existenzängste, weil es bis April arschkalt war. Mit Schnee. Und Frost an Himmelfahrt. Himmelfahrt ist im Mai. Oder später. Meistens ohne Schnee. Aber arschkalt.

Soweit, so gut. Seit letzter Woche ist es arschkalt. Cooper war's. Batterien geben ihren Geist auf, Seen frieren zu, die Elbe ist unbefahrbar, und von Juist und Wangerooge kommt man schwer bis gar nicht weg.
Das kommt vor. Immer im Winter. Wenn es arschkalt ist.

WIR LEBEN! ES IST WINTER! VOLLMOND! Vollmond passiert einmal im Monat, Winter einmal im Jahr, kürzer oder länger und manchmal eben arschkalt. Leben passiert immer, wenn es gut läuft. "Leben ist das, was passiert, während Sie gerade andere Pläne machen." sagte einst der offensichtlich hellsichtige Andy Warhol.

Anders: Die Sonne scheint! Der Vollmond brüllt vom Himmel. Klare, kalte, blaue Luft schreit uns an, verlangt, dass wir nach draußen gehen, Schlittschuh laufen, in Eispfützen springen, mit quietschroten Nasen nach Hause kommen, um dort - je nach Suchtpotential - heiße Schokolade, Glühwein, Kaffee oder Bier zu trinken.

Es lebt da draußen! Und was auch immer es ist - es sieht wunderschön aus.

Und wenn Sie für einen Moment damit aufhören würden, den Radiomoderatoren zu glauben, dass Sie sich erstens mitten in einer Naturkatastrophe namens "Winter" befinden und zweitens noch 4 Tage bis zum Wochenende durchhalten müssen, könnten Sie die kalte Luft auf Ihrer Haut genießen, einen Spaziergang machen und kalorienfreie Eiszapfen lutschen.

05 Februar 2012

Da habe ich
den ganzen Tag
darüber nachgedacht,
was ich Dir sagen,
wie ich Dir erklären
soll,
dass ich nicht mit Dir sprechen will,
Dir nichts zu sagen habe.


Doch Du
hast
mich
nicht
angerufen.

ARSCHLOCH!

Schau. Auf. Dich.

Was bleibt,
wenn Du auf Dich
schaust?

Wer bleibt,
wenn Du nur Dich
siehst?

Was kommt,
wenn Du zu Dir
gehst?

DU.

Flutwelle

Weit hinten am Horizont kann ich sie sehen, die Welle. Sie baut sich während des Tages auf, und ich kann mein abendliches Ertrinken ahnen. Sie tut so, als sei sie eine Belohnung für meine Bemühungen, und nur zu gern glaube ich, was sie mir einflüstert.

Ja, Wellen können flüstern! Sie gurgeln, sanft, fordernd, locken mit gischtigen Kronen, scheinen ungefährlich, berechenbar.
Und nur, wer einmal in ihren Sog geraten ist, weiß, mit welcher Kraft sie ihre Opfer in die Unendlichkeit ziehen, welche Macht sie haben, eine Macht, gegen die es kein Aufbegehren gibt.

Vor vielen Jahren bin ich einmal an einem Strand auf Lanzarote schwimmen gewesen, der im Reiseführer als gefährlich eingestuft wurde. Ich war eine gute Schwimmerin, stark, sportlich, also habe ich mir keine Sorgen gemacht, sondern mich der Herausforderung gestellt.
Ich stand gerade hüfttief im Wasser, als eine Welle heranbrandete, die mich mitriss. Ich konnte mich nicht auf den Füßen halten, es drehte mich in einer höllischen Geschwindigkeit unter Wasser, keine Orientierung mehr, das Wasser war überall, um mich herum, in meiner Nase, meinen Atemwegen, und obwohl ich verzweifelt kämpfte, hatte ich keine Chance.
Als ich auftauchte, hatte mich die Welle weit hinausgezogen ins Meer. Ich schwamm mit aller Kraft zurück, zwei Züge Richtung Ufer, drei wieder hinaus.
Doch irgendwann kam ich an, erschöpft, verängstigt, schwindelig. Ich hätte stolz auf mich sein können, weil ich es geschafft hatte, doch in mir war nur Überdruss. Wieder einmal hatte ich mich gefährdet aus Mutwillen, einfach, weil ich nicht glauben wollte, was viele vor mir als wahr erkannt hatten.

Die Flutwelle in meinem Inneren kann ich nicht schwimmend bezwingen, nicht mit Willenskraft, nicht mit Kampf, nicht mit all meinen Erfahrungen.

Ich kann nichts weiter tun, als mir dabei zuzusehen, wie ich hinausgezogen werde, wie ich ertrinke.

Und all meine Hoffnung auf Wiedergeburt setzen.

04 Februar 2012

Die Bundesliga-Show

Die gute Nachricht: Es steht 1:0 für Hamburg gegen den Klassenfeind! Jupp Heinckes trägt eine rote Pudelmütze und sieht wahrscheinlich aus wie Rotkäppchen.

Ganz ehrlich: Eigentlich interessiert mich die Bundesliga und sämtlicher anderer bezahlter Fußball ja überhaupt nicht mehr. Trotzdem liebe ich die Bundesliga-Show. Das ist so schön hektisch, es fängt jeden Samstag gegen 15.10 Uhr an, man redet sich warm (heute zum Beispiel wurde dem genialen, äußerst sympathischen und fähigen Gladbach-Trainer Lucien Favre von solch einem NDR2-Praktikanten unterstellt, er könnte den Wunsch haben, nach Bayern zu wechseln. BAYERN!!! Wenn er das täte, wäre er genau so ein elender Verräter wie Lothar Matthäus, der ja in den 80ern auch gewechselt hat, nicht ohne vorher noch im Elfmeterschießen gegen die Noch-Mannschaft und für den Klassenfeind seinen Elfmeter gefühlte 30 m oberhalb des gegnerischen Tores zu placieren. Und wir wissen ja alle, was aus ihm geworden ist... Er hat eine Doku-Soap bei Vox, viel zu junge Freundinnen oder Exfrauen und ist noch immer so strotzdoof, dass man sich vor lauter Fremdschämen kaum vor die Tür traut. "Mailand oder Madrid, die Hauptsache Spanien!" ist einer der Sätze, die diesem verräterischen Intelligenzbolzen zugeschrieben werden.) Uups - das war mal eine echt lange Klammer...

Aber ich schweife ab. Das passiert manchmal, wenn man über Fußball redet. Den ReporterInnen vor Ort auch immer mal wieder.

Also. Samstag, 15.30 Uhr. Hektik. Konferenzschaltungen. Frau Töpperwien brüllt. Und ich bin völlig aufgeregt, obwohl mir das ja eigentlich alles völlig egal ist. Erstaunlich, oder?

Und wenn da nicht diese Musik- und Werbeunterbrechungen wären, würde ich wahrscheinlich ununterbrochen Fußball hören am Wochenende. Das ist einfach so viel netter als diese Dauerwerbesendung mit Kurzberichtsunterbrechungen, die sich "Sportschau" nennt. Oder so.

Im Radio gibt es auch keinen (ich habe seinen Namen gerade nicht präsent) Talkmaster, der früher im Unterschichtenfernsehen sein Unwesen getrieben hat. Beckmann - jetzt habe ich's! Würg! Mit dem wäre ich ja gern mal in einem schalldichten Raum und hätte einen Baseballschläger dabei! (Nein, ich habe niemals behauptet, ich sei friedfertig - nicht, wenn es um Fußball und nichtsnutzige Moderatoren geht!)

Übrigens dürfen Sie mich gerade Denken lesen; nehmen Sie es als Kompliment - normalerweise bekommen Sie nur fertige Sätze von mir! Naja, Sie können auch beschließen, diesen Scheiß nicht länger lesen zu müssen. Das wäre okay. Es wird wahrscheinlich nicht anspruchsvoller in absehbarer Zeit.

Merken Sie, was für seltsame Anwandlungen ich fußballhörend bekomme? Dabei hielt ich mich immer für eloquent...

Wir fassen zusammen: Bayern sollte gegen den HSV verlieren (und gegen alle anderen), Beckmann Pickel und Ausschlag, gern auch die Pest bekommen, die ARD von der Bundesliga-Show lernen, wie man eine anständige Berichterstattung macht und St. Pauli Deutscher Meister werden (ich bin nunmal ein Fan von Underdogs!).

Achja, und macht Otto Rehagel zum Bundespräsidenten - DER kommt schlimmstenfalls im Trainingsanzug zum Neujahrsempfang!

01 Februar 2012

Ich glaube Dir!

Sein.
Soll ich.
Vertrauen.
soll ich.

Denn Du stehst hinter mir,
Deine Arme halten mich,
sagst Du.
Und flüsterst mir
aufmunternde Worte
ins Ohr.

Doch wenn ich Dir glaube,
wenn ich mich anlehne,
mich fallen lasse
in Dein Versprechen,
bekomme ich nichts als

Hämatome.

Unbehandelt.

Nächte. Erwachen.

Was will diese Nacht von mir?
Will sie, dass ich diesen klaren Sternenhimmel wahrnehme?
Den zunehmenden Mond sehe und die Schatten, die er auf die gefrorene Erde wirft?
Will die Nacht, dass ich schlafe? Oder habe ich sie falsch verstanden, und sie braucht mich wach, wach bis zum Morgen, und Scheiß auf die Gleitzeit?

Was will diese Nacht von mir?
Will sie meine Seele?
Meine Träume?
Hätte sie mich nüchtern mehr lieben können?
Will die Nacht, dass ich denke?
Oder mag sie mich
lieber fühlend?

Was will der Morgen?
Will er meine nächtlichen Mühen sehen?
Erkennt er die Reste meiner Träume?
Will der Morgen mich finden?
Oder braucht er einfach nur jemand,
der seine gefrorenen Scheiben
frei kratzt?

Wann fragen meine Tage, was ich will?