27 April 2007

Grußwort an (einen) Hundehalter

Zunächst herzlichen Dank an den debil dreinschauenden Herrn mit sehr großem Hund und mitten in der Feldmark parkendem Geländewagen. Ohne Sie hätte ich heute Morgen möglicherweise kein Thema gehabt!

Ein Sommermorgen im April lädt zum Laufen ein, und da ich heute noch vor dem tibetanischen Kampf- und Brüllhahn der Nachbarn aufgewacht bin (Habe kurz überlegt, hinunter in den Garten zu gehen und als Erste zu krähen, den Gedanken dann aber aus Sorge, das arme Tier könnte sich erschrecken, wieder aufgegeben.), begab ich mich um 6.30 Uhr voller Enthusiasmus auf meine Laufstrecke. Der Puls war absolut im grünen Bereich, es lief sich fast von allein, meine Gedanken trieben leise vor sich hin, ich genoss den Anblick des noch leicht vernebelten Leinetals, den Geruch von Blüten und Gras und die Musik im MP3-Player.

Etwa auf der Hälfte der Strecke (mein Puls bewegte sich bei 132 Schlägen pro Minute, optimal also für Fettstoffwechsel und geistige Entspannung) enteckte ich am Ende des Feldweges einen Geländewagen und einen Menschen mit Hund. Da es üblich ist, dass Herrchen oder Frauchen das Tierchen an die Leine oder das Halsband nehmen, wenn sie eines Joggers oder einer Joggerin ansichtig werden, blieb ich entspannt. Den Hund konnte ich auch nur schemenhaft ausmachen, weil ich in die Sonne lief und nicht besonders viel sehen konnte. Etwa vierzig Meter vor dem Auto rennt das Vieh auf einmal im gestreckten Galopp auf mich zu. Ich erschrecke mich, gebe einen unartikulierten Schrei von mir und laufe weiter, natürlich davon ausgehend, dass Herrchen seinen Hund im Griff hat. Hund läuft zurück zu Herrchen, kehrt um, rennt wieder auf mich zu. Ich bin inzwischen sehr ungehalten, schreie den Hund an "Verpiss Dich, blödes Vieh!" (und ich kann laut schreien, wenn es darauf ankommt). Hund verpisst sich.

Als ich an Herrchen vorbeikomme, schenkt der mir das oben bereits erwähnte debile Grinsen. Hätte ich meiner inneren Stimme nachgegeben, dann wäre ich zu Herrchen gegangen, hätte ihn bei den Schultern genommen und ihm mit einem ordentlichen Kniestoß die Familienplanung der nächsten Wochen zerstört, ihm außerdem mit einem gezielten Ellbogenschlag Nasenbein oder Kiefer gebrochen und weitere Gegenwehr mit einem letzten Tritt in die Rippen verhindert.

Das war die freundliche Version. Eigentlich hatte ich Äxte und Kettensägen vor meinem inneren Auge.

Ich habe weder innerer Stimme noch innerem Auge nachgegeben, sondern bin an Herrchen vorbeigelaufen, habe ihm noch ein "Herzlichen Dank!" zugerufen und ein hörbar gebrummeltes "Schwachkopf!" hinterhergeschickt. Als ich kurz darauf einen Blick auf meinen Pulsmesser warf, zeigte er mir eine Frequenz von 152 - und ich hatte mich schon wieder beruhigt. Blöder Mistkerl.

Und darum zum Schluß noch ein Wort an mitlesende HundebesitzerInnen: Wenn Sie bei Ihrem täglichen Gassigang auf laufende Menschen treffen, wären die Ihnen sehr verbunden, wenn Sie Ihren kleinen oder großen Liebling für die zwei Sekunden, die ein durchschnittlicher Jogger braucht, um einen Spaziergänger zu passieren, am Halsband nehmen würden. Denn dann bleibt der Puls des laufenden Menschen in einem herz- und kreislaufschonenden Bereich und erreicht keine ungesunden Spitzen wie etwa beim Achterbahnfahren.

Falls Ihnen jedoch fremde Menschen und deren Wohlbefinden vollkommen gleichgültig sind, kann ich Sie vielleicht mit dem folgenden Hinweis mehr beeindrucken: Ich übernehme keinerlei Garantie dafür, dass ich beim nächsten Treffen mit auf mich zuspringendem Hund meine innere Stimme wieder ignoriere. Eigentlich bin ich nicht besonders pazifistisch veranlagt, und wenn ich wütend bin, melden sich kriegerische Anteile, die zu kontrollieren mir überaus schwer fällt.

Und möglicherweise gehen Sie ja an einer meiner bevorzugten Laufstrecken Gassi?

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