23 Juni 2017

Blödmannsgehilfenanwärterauszubildende


Sie glauben, das gibt es nicht? Ich versichere Ihnen, dass die Inhalte, die zum Blödmannsgehilfenanwärter führen, in nahezu jeder Ausbildung, verstärkt allerdings im öffentlichen Dienst, bei Krankenkassen und der Agentur für Arbeit zwingender Bestandteil sind und jede der genannten Institutionen über ein Heer von Blödmannsgehilfenanwärtern verfügt, die für die Vermittlung der Inhalte zuständig sind.

Die strategische Ausrichtung wird bereits im höheren Management, von den dortigen Blödmännern, vorgegeben. Getreu dem Peter-Prinzip wird jedes Mitglied einer ausreichend komplexen Hierarchie so lange befördert, bis es das Maß seiner absoluten Unfähigkeit erreicht hat, was in der Regel die höchstmögliche Stufe der Karriere­leiter markiert und weitere Beförderungen ausbleiben lässt. Peter selbst schrieb vor ca. 46 Jahren: „Nach einer gewissen Zeit wird jede Position von einem Mitarbeiter besetzt, der unfähig ist, seine Aufgabe zu erfüllen.“
 
Die Personen, die recht weit nach oben geklettert sind, nenne ich die Blödmänner. Auf der mittleren Managementebene tummeln sich die Blödmannsgehilfen, und der normale Sachbearbeiter kann auch als Blödmannsgehilfenanwärter bezeichnet werden. Das bedeutet nicht, dass er zwingend zum Blödmann aufsteigen könnte; vielleicht ist er ja jetzt schon überfordert, und dann wird er auch als Blödmannsgehilfenanwärter in Rente gehen.

Meine Erfahrung mit diesem Personenkreis erstreckt sich mittlerweile auf unterschiedliche Institutionen. Besonders herzlich bedanken möchte ich mich heute bei den Blödmannsgehilfenanwärter/innen meiner Krankenkasse, die jetzt schon seit Anfang des Jahres und durch immer neue, interessante Rechenoperationen drei verschiedene Krankenkassenbeiträge für mich ausgerechnet haben. Inzwischen verschicke ich immer das gleiche Widerspruchsschreiben und ändere nur das Datum; ich gehe nicht davon aus, dass die das merken. Auch die als Antwort der Krankenkasse versandten Fragebögen sind jedes Mal neu und aufregend für mich und bringen mich zu der Ansicht, dass ein ordentlicher Blödmannsgehilfenanwärter Informationen nur verarbeiten kann, wenn man sie ihm in geeigneter Form präsentiert. Textaufgaben kann er nicht, und das Auffinden von Fakten in komplexeren Schriftsätzen gelingt auch nach Einhilfe nur schleppend und bleibt stets fehlerhaft.

Auch die Agentur für Arbeit bildet ein ganz wunderbares Beispiel für das Peter-Prinzip, wobei ich hier die Einschränkung treffe, dass nur solche Personen zur Ausbildung zugelassen werden, die schon im Vorstellungsgespräch unter Beweis stellen können, dass sie das Zeug zum Blödmannsgehilfenanwärter haben.

Bei der Agentur für Arbeit ist ja inzwischen das digitale Zeitalter eingeläutet worden. Die erstaunliche Leistung der dortigen Blödmannsgehilfenanwärter: Die Antwort auf eine E-Mail dauert länger, als ein berittener Postbote von Augsburg nach Schleswig brauchen würde, und dann handelt es sich nicht etwa um eine sachkundige, rechtssichere Auskunft, sondern um die schriftliche Bestätigung, dass die Mail angekommen ist und demnächst bearbeitet werden wird. Während dieses Prozesses können Sie sich gut beim Altern zusehen. Dies gilt auch, wenn Sie den Versuch unternehmen, im Call-Center der Agentur für Arbeit jemanden zu erreichen, der sich auskennt.

Kennen Sie "Rhinocéros" von Eugène Ionesco? Lesen Sie das mal, es ist ganz kurz. Dabei geht es darum, wie in einer Stadt die Nashörner immer mehr werden, bis sie schließlich in der Mehrzahl sind. So ist es auch mit den Blödmannsgehilfenanwärtern. Deswegen gibt es inzwischen ja auch keinen Neuwagen mehr ohne Navi, und das selbstfahrende Auto ist auf dem Weg unter unsere Sitzmuskulatur. Das sind Zeichen, glauben Sie mir!

Und jetzt gehe ich nach draußen und töte den Handwerker von gegenüber, der seit Mittwoch nahezu ununterbrochen so herumlärmt, dass ich mich nicht mehr denken hören kann.

Wenn Sie nichts mehr von mir hören, hat man mich erwischt.

Noch ein paar Worte zum ostwestfälischen Autofahrer:

Sie semmeln gerne in die Planken,
die leitenden, denn die Gedanken
sind bei Arminia Bielefeld.
Die sind zu blöd für diese Welt!

Der Hahnebambel im Ford Fiesta
erst überholt er, und dann bremst er.
Mann, du bist wirklich völlig dumm!
Und wieder frag' ich mich, warum

der männliche Mittdreißiger
stets leidet unter geistiger
Umnachtung, wenn er Auto fährt.
Ist sein Gehirn denn gar nichts wert?

Kommt nicht am LKW vorbei.
Was soll dann diese Raserei?
Ja, war das wirklich alles, Kerle?
Dann geh nach Haus zu Deiner Perle!

Macht neue, kleine Ostwestfalen
Und lasst sie Fahrbahnstreifen malen.
Das kann der Ostwestfale gut,
und davor zieh' ich meinen Hut.

22 Juni 2017

Ostwestfalen reloaded und poetisch aufbereitet

In Ostwestfalen ist es schön!
Ich möchte gar nicht wieder geh'n.
Die Vorgärten sind betoniert,
die Straßenführung antiquiert.

Man quält sich rein und durch und raus;
ja, haben die denn kein Zuhaus'?
Es staut sich lang und länger hier,
dafür gibt es in Herford Bier.

Jetzt quäl' ich mich durch Bielefeld,
ach, hätt' ich doch genügend Geld,
mir einen Hubschrauber zu kaufen.
Jedoch, viel lieber würd' ich laufen.

Allerdings nicht durch Bielefeld.
Nein, nicht für alles Geld der Welt!
Im nicht so schönen Wiedenbrück
kommt man voran nur Stück für Stück.

Ich stehe mir die Reifen platt,
was hab' ich Ostwestfalen satt! 
Die Menschen gucken wie in Northeim,
der Papa ist sehr oft der Oheim.

Jetzt geht es ab nach Paderborn,
die waren auch mal ganz weit vorn!
der Fußballclub ist abgestiegen - 
der Paderborner bleibt gleich liegen.

Und trotzdem gibt es Ähnlichkeiten,
das kann ich leider nicht bestreiten.
Denn schau' ich mich in Kassel um,
stelle ich fest: Die sind auch dumm.

Doch jetzt nach Hause, und zwar schnell!
Verdammt, da vorn fährt "OWL"...

Synapsen und was man damit alles machen könnte

Vielleicht zur Erklärung für alle Angestellten im öffentlichen Dienst, Sozialpädagoginnen, Versicherungsvertreter, Innen- und Verkehrsminister, AfD- und NPD-Wähler/innen:

So sieht eine Synapse aus:  Zeichnung, Nervenzelle, NeuroneSie haben eine Menge davon an allen möglichen Stellen Ihres Körpers. Wenn alles gut gelaufen ist, übertragen sie Reize von einer Nervenzelle zur anderen. Wenn es noch besser gelaufen ist, sind sie sogar in der Lage, Informationen zu speichern, wenn sie "angepasst verändert" werden.
Eine Abteilung von Synapsen heißt "interneuronale Synapsen", ihr Job ist die Verknüpfung zwischen Nervenzellen, und sie befinden sich am häufigsten im Gehirn.

Aber eben nicht immer. Ich habe inzwischen Erfahrungen mit verschiedenen Sachbearbeitern und -innen, Call-Center-Beratern und -innen, Fleischereifachverkäuferinnen und männlichen Menschen mit Bierflaschen im Arm gemacht, die mich zu dem Entschluss kommen ließen, dass deren Synapsen eines Tages aufgrund von Unterbeschäftigung in tiefere Gefilde abgewandert und inzwischen nur noch für die Darmentleerung zuständig sind. Da wissen sie wenigstens, dass regelmäßig etwas passiert. Die Synapsen, nicht deren Wirte. Die wissen ja nicht so viel.

Ich gebe zu, dass ich bei Politikern an sich nicht zwingend von Synapsenabwanderung ausgehe, sondern davon, dass in deren Gehirn nur noch Reize übertragen werden, die mit einem Währungszeichen versehen sind. Ist auch eine Einschränkung, kann aber mehr als nur kacken. (Entschuldigen Sie den Ausdruck.) 
Wenn Sie einmal in die Situation geraten, einem x-beliebigen Sachbearbeiter einen Fall vorzutragen, der nicht zu 100% in einen seiner Vordrucke passt, können Sie live das Ergebnis der Synapsenmigration nach Intestinum Crassum erleben. Oder versuchen Sie es mal mit Ironie an der Fleischtheke...

Liebe Leserin, lieber Leser! Wir sind ganz offensichtlich immer mal wieder darauf angewiesen, dass Menschen, in deren Gehirnen es nicht so aussieht  Nerven, Zellen, Dendriten Sepia, sondern so Waldbrand, Verbrannten Berg, dafür zuständig sind, Ihre Anfragen und Anträge zu bearbeiten - oder die sogar bis in eine Position gelangt sind, die sie in die Lage versetzt, ganz massiv in Ihr Leben einzugreifen. Ich denke da an Bürgermeister und Innensenator der Stadt Hamburg. Glauben Sie mir, dann haben Sie ein Problem. Und werden lange Zeit nicht bekommen, was Sie gerade brauchen. Auch kein Fleisch.

Und damit auch mitlesende AfD- und NPD-Wähler/innen verstehen, was ich damit meine: Stellen Sie sich vor, Sie reden mit einem Arsch, auf den jemand ein Gesicht gemalt hat, und immer, wenn Sie glauben, dass er Sie endlich verstanden hat, kommt etwas Braunes raus.
Ein wichtiger Hinweis: Versuchen Sie es auf gar keinen Fall mit einem Selbstgespräch! Sie könnten ernsthaft körperliche Schäden erleiden.

20 Juni 2017

Was geht, Digga?

Drei junge Männer, wahrscheinlich deutscher Nationalität, auf der linken Straßenseite, ein ebenfalls junger Mann, möglicherweise mit türkischen Wurzeln, auf der rechten.

Junger Mann rechts: "Ey, was geht?"
Junger Mann links: "Murmelmurmelfreibadmurmel."
Junger Mann rechts: "Ey, Digga, läuft bei euch!"
Junger Mann links: "Murmelmurmelmusstearbeiten?" 
Junger Mann rechts: "Ja."
Junge Männer links ab.

Im Vorbeigehen erscheint eine Vision von jungen Gorillas im Nebel vor meinem inneren Auge.

Gorilla rechts: "Brülltrommelaufbrust."
Gorilla links: "Trommelaufbrustbrüll."
Gorilla rechts ab.
Gorilla links ab.

Kommunikation kann so einfach sein!

19 Juni 2017

Die Sonne bringt es an den Tag

Sommer ist schön. Die Sonne scheint, es ist warm, die Vögel zwitschern ab 4.00 Uhr morgens, und manche Freibäder haben geöffnet. Das Witzenhäuser inzwischen auch.
Die Menschen sind viel draußen, genießen das schöne Wetter, flanieren durch Straßen und Gassen, grillen und suchen Badeanstalten auf.
Genau hier fangen meine Probleme an. Denn die Wärme des Sommers bringt Dinge an den Tag, die ich überhaupt nicht sehen möchte, und sie lässt mich an Düften teilhaben, die meiner Ansicht nach zum Straftatbestand "olfaktorische Körperverletzung" gehören. 
Denn jetzt holen wir die leichten Klamotten aus dem Schrank, hängen Wintersachen, Übergangsmäntelchen und lange Hosen weg und freuen uns über jeden Zentimeter Haut, der an die Sonne darf.
Bei manchen Menschen sind das recht viele Zentimeter, und diese sind häufig so angeordnet, dass deren Anblick eher als abschreckendes Beispiel denn als Freude für die Augen dienen mag. Da werden BMIs von 30 und mehr spazieren getragen, Körperfettanteile freuen sich in Form von wülstigen Auswüchsen über dem Hosenbund oder dem Top, dass sie auch einmal an die frische Luft dürfen, Bermudas schubbern sich mittig am drallen Oberschenkel hoch, und das rückwärtige Tannenbäumchen erhält seine erste Sonnenbräune. Nashorn, Dickhäuter, Afrika, Namibia
Bodensee, See, Wasser, Natur, FigurHier kann man nur von Proppen sprechen - und zwar ganz ohne Wonne! 

Als wäre das nicht genug, wird der Beginn des Sommers mit einem neuen Duftwässerchen gefeiert. Mit steigenden Temperaturen erfreuen sich solche von penetrant süßer Kopfnote großer Beliebtheit. Es scheint, als würden die Drogeriemärkte rechtzeitig zu Beginn der ersten Hitzewelle alles auf den Markt werfen, was in großen Mengen erhältlich und kopfschmerzerzeugend ist.
In diesem Bereich hat auch bei der jungen Generation die Emanzipation Einzug gehalten: Beide Geschlechter stinken ausnahmslos und gottserbärmlich.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich liebe den Sommer. Trotzdem wünsche ich mir von Zeit zu Zeit, dass wir wieder bei -15° den Anblick vollständig bekleideter Michelinmännchen und -frauchen genießen dürfen, statt unsere Augen entsetzt von sich auf der Suche nach noch mehr Nahrung durch die Fleischabteilungen der Discounter schiebenden Moppelchen abzuwenden.

16 Juni 2017

Fahrbahnmarkierung fehlt

So stand es bei meiner gestrigen Fahrt durch Ostwestfalen - ich befand mich auf einer breiten, gut ausgebauten Bundesstraße irgendwo bei Lübbecke - unter dem Schild, das Tempo 50 vorschrieb. Mit einem Blick auf die nagelneue Fahrbahndecke vergewisserte ich mich, dass eine blendend weiße Markierung zumindest für mich gut sichtbar war. Vollständig war sie nach meiner Einschätzung auch, jedenfalls dann, wenn auch der ostwestfälische Fahrbahnmarkierungsmaler seitliche und durchgezogene, mittlere und durchbrochene Streifen und Abbiegespuren als ausreichend bezeichnet.
Während ich also mit 50 km/h so dahinschlich, fragte ich mich, ob man hier möglicherweise noch eine Art Lidstrich auflegen wollte, die Schilder schlicht vergessen oder eine speziell ostwestfälische Art des Geldverdienens entdeckt hatte.
"Ha!" dachte ich mir. "Mich kriegt Ihr nicht! Ich habe meinen Obolus für den Erhalt der ostwestfälischen Straßen für diese Saison geleistet. Mehr gibt es nicht, und wenn Ihr lauter kleine Kunstwerke auf die Bundesstraße pinselt!" 
Die ersten Fahrzeuge überholten mich kommentarlos, nur ab und zu konnte ich einen verständnislosen Blick erhaschen. Dann fuhr ein LKW mit Bielefelder Kennzeichen laut hupend an mir vorbei und zeigte mir einen Vogel. "Ne, nicht mit mir! Du bist doch auch nur ein Lockvogel!" rief ich, doch da war er auch schon außer Sicht.
Niemand wurde geblitzt. Seltsam. 
Als dann noch einer dieser neuen hochmotorisierten Traktoren mich rechts schleichen ließ, hatte ich die Nase voll und gab Gas.
Drecksostwestfälische Schilderaufsteller! Falschmeldung, Nachrichten, Falsch