20 August 2014

Gefangen im Badezimmer

Sie kennen sicher die Horrorgeschichten von Entführungsopfern, die in kleine Räume gesperrt werden. Damit kann ich mich nicht herausreden - ich habe mich selbst gefangen genommen. Und das kam so:

Einer meiner Anteile muss in einem früheren Leben Handwerker gewesen sein. Zusammen mit dem sich permanent selbst überschätzenden Angeber (ein weiterer meiner inneren Anteile) verabredete er sich mit dem Liebsten, jetzt endlich mal das Bad von Grund auf zu renovieren. Und so geschah es, dass ich mich in alte Klamotten gewandete, mit einem Bohrhammer (heißt das so?) bewaffnete und gemeinsam mit dem Mann meines Lebens und allerbestem Handwerker von allen heraus-, abriss und wegschleppte, was nicht niet- und nagelfest war.

Unser Plan war ambitioniert: Kacheln ab, Badewanne raus, Wände aufstemmen (das heißt auf handwerkerisch "Schlitze klopfen" und ist höllisch anstrengend), Rohre und Leitungen neu verlegen, Wand und Boden neu verfliesen, streichen, Heizung, neues Klo, Waschbecken, nagelneue Dusche einbauen und neue Badmöbel anbringen bzw. aufstellen in 10 Tagen.

Seitdem sind 25 Tage vergangen, und es ist uns mit vereinten Kräften gelungen, geschätzte 70% des Plans zu erfüllen. Gestern Abend befand sich auch die Dusche am Bestimmungsort. Allerdings mussten wir feststellen, dass sie zwar großartig funktioniert (es kommt Wasser raus, wenn man den Hahn aufdreht, sogar warmes), das Wasser aber in die falsche Richtung unterwegs ist. Es läuft nicht in Richtung Ausguss, wo es hin soll, sondern zur Tür. Das ist suboptimal, und da müssen wir nochmal ran.

Nach also inzwischen fast vier Wochen Gefangenschaft im Bad habe ich die Befürchtung, dass man uns, sollten wir in diesem Leben noch fertig werden, vorsichtig auswildern muss. Jemand muss uns erklären, dass es andere Nahrungsmittel gibt als Gehacktesbrötchen mit Bier, und auch die Zeit zwischen Feierabend und Schlafengehen kann dann ja ganz anders genutzt werden.

Wie fühlt es sich an, wenn man auf einmal sauber ist und einem keine Kachelsplitter im Auge stecken? Wie verschaffen wir uns Bewegung, wenn der Bauschutt abtransportiert ist? Und gibt es überhaupt ein Leben außerhalb von Bad und Baumarkt?

Keine Kommentare:

Kommentar posten