17 Juli 2012

Ich bin's!

Ich bin eine der geschätzten sechs Milliarden Menschen, die auf dieser Erde leben.

Ich bin die, die mit dem Fahrrad auf der Seite fährt, die sich am Verkehr und der dazugehörigen StVo orientiert und allen ausweicht, die entgegen der Fahrtrichtung unterwegs sind, weil es ihnen egal ist.
Ich bin die, die den Blinker setzt, wenn sie abbiegen will.
Ich bin die, die ein schlechtes Gewissen hat, weil sich die alte Dame mit Rollator wegen meines Überholmanövers erschrecken könnte.
Ich bin die, die eine Vollbremsung macht, weil ein sich auf dieser Welt allein wähnender Mensch spontan eine Kehrtwende vollführt.

Inzwischen bin ich auch die, die sich verscheißert fühlt, weil sie an der roten Ampel wartet.
Ich werde die, die große Lust verspürt, entweder Beulen in auf dem Radweg parkende Autos zu schlagen oder die ignorante Kuh in ökologisch korrekter Kleidung von ihrem Rad zu prügeln, die sich nicht entscheiden will, ob es links oder rechts schöner ist.
Ich bin die, die beim Überholen so laut brüllt, dass auch die Anwohner wissen, wie eilig ich es habe.

Ich bin die, die nach einer Woche Radfahren in einer Studentenstadt die Nase voll hat von Höflichkeit und Rücksichtnahme.
Ich bin die, die der nächsten dusseligen Kuh, die mit grenzdebilem Lächeln direkt vor mir die Straße überquert, mitten in die schlechtgeschminkte Fresse hauen will. Und das vielleicht demnächst tun wird. Verfolgen Sie die Regionalnachrichten. Vielleicht wird es auch noch schlimmer.
Ich bin die, die rechts überholt, wenn der Schwachkopf auf der linken Spur nicht merkt, dass er den Verkehr aufhält.

Und trotzdem bin ich immer noch die, die höflich sein möchte. Rücksichtsvoll. Vorausschauend. Mitdenkend. Ich will nicht sein, wie ich werde. Ist Notwehr.

Sind Sie noch bei mir? Oder sind Sie eine/r der geschätzten sechs Milliarden Menschen, die sich allein wähnen auf dieser Welt?

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