07 Juli 2008

Wo ich sein will


Am Strand

Ich erwache,

die Augen geschlossen,

spüre ich Wärme neben mir,

um mich herum.


Ich lächle in die Sonne,

begrüße einen neuen Tag.

In meinen Nacken,

zwischen den Haaren,

atmest Du,

legst Deine Lippen auf meine Haut.

Deine Hände berühren zart meinen Bauch,

meine Brust.


Ich fühle Dein Leben an mir.

Ein besonderer Mensch

Manche Menschen waren sehr früh in Deinem Leben, haben Dich behütet, genährt, Dich auf den ersten Schritten geleitet, Deine Tränen getrocknet, Dich gehalten. Aber sie haben Dir vielleicht auch einen Rucksack in die Hand gedrückt, der Dir viel zu schwer war, und immer neue Gewichte hineingelegt. Wenn Du Dir nicht erlaubst, ihn abzulegen, machst Du Dich von ihnen abhängig.
Abhängigkeit ist keine Liebe.


Manche Menschen treten in Dein Leben, wirbeln Dich durcheinander, kehren Dein Innerstes nach aussen, graben Deinen geheimen Garten um, durchwühlen den Keller Deines Unbewussten und fördern eine Leiche nach der anderen zutage.
Wenn Du es geschehen lässt ohne Gegenwehr, gibst Du ihnen Macht über Dich.
Macht ist keine Liebe.


Manchen Menschen gestattest Du, eine Zeitlang Deine Wege zu begleiten, schenkst ihnen Deine Aufmerksamkeit und Deine Zuneigung, hilfst ihnen über Hindernisse hinweg, wartest auf sie, auch wenn sie viel langsamer gehen als Du. Wenn Du Dich jedoch von ihnen bremsen lässt, überlässt Du ihnen die Führung.
Führung ist keine Liebe.

Manchmal, wenn Du schon eine sehr lange Zeit unterwegs warst, triffst Du auf einen Menschen, der Dich zu erkennen scheint, in dessen Rede Du Deine eigenen Gedanken findest, der Dich hält, ohne Dich zu umklammern, der an Deiner Seite ist, ohne Dich zu bedrängen. Wenn Du Dich auf diesen Menschen einlässt, findest Du

Liebe.

Herzenswünsche

Ich träume dich

in mein Herz.

Wünsche mir,

dass Du dort

bliebest.

04 Juli 2008

Der Wasserhahn

In meiner Küche gibt es ein Spülbecken, was zunächst für eine deutsche Durchschnittsküche einigermaßen normal sein sollte, ebenso wie die Tatsache, dass ausserdem ein Wasserhahn mit warmem und kaltem Wasser vorhanden ist. Schon kurz nach meinem Einzug fiel mir auf, dass das warme Wasser sehr lange brauchte, um warm zu werden. Dieses Problem habe ich gelöst, indem ich einfach solange laufen liess, bis das Wasser die gewünschte Temperatur hatte. Über eine alternative Lösung dieses Problems habe ich nicht nachgedacht, was daran liegen kann, dass ich Improvisations- und Verdrängungskünstlerin in einer Person, nämlich meiner, vereinige.
Zurück zum Wasserhahn. Viel Wasser hat er auch nie freiwillig herausgerückt, und eines Tages kam selbst dieses wenige Wasser nicht mehr im Strahl, sondern eher in Spritzern. "Da muss was verkalkt sein." dachte ich mir und hielt meine Töpfe dichter darunter, damit nicht alles nassgespritzt wurde. Der Mensch, mit dem ich damals Teile meines Lebens teilte, hat das nicht bemerkt, weil er keine Affinität zu Küchen und den damit vorhandenen Tätigkeiten aufwies.
Ich lebte also weiter mit diesem Wasserhahn, und wenn es schnell gehen sollte, habe ich mir Wasser aus dem Bad geholt; der dortige Hahn war wesentlich freigebiger mit seinen Schätzen. Wärmer war es ausserdem.
Die Partner wechselten. Der Wasserhahn blieb. Der neue Mensch in meinem Leben bemerkte das Problem bei einem seiner seltenen Besuche in meiner Wohnung und riet mir, eine neue Armatur anzuschaffen. Ich fand das zu teuer und hatte mich inzwischen auch an meinen Wasserhahn gewöhnt. Warum sollte ich also für jemanden, der ohnehin nur alle paar Monate seinen Weg in meine Küche fand, etwas ändern?
Eines Tages jedoch, vielleicht eineinhalb Jahre nach meinem Einzug, beschloss ich, diesem Treiben Einhalt zu gebieten und den Wasserhahn zu entkalken. Ich besorgte mir Zitronensäure und rüstete mich mit einer Zange aus. Sofort stieß ich auf das erste Problem: Der Wasserhahn weigerte sich standhaft, sich auch nur einen Millimeter bewegen zu lassen. Da ich weder die Zeit noch die Energie für einen Kampf verspürte, mischte ich kurzerhand etwas Zitronensäure mit Wasser, gab das Ganze in einen Plastikbeutel und befestigte diesen mit einem Gummiband genau unter dem Wasserhahn. Wenn der Hahn nicht zur Zitronensäure kommen wollte, kam eben die Zitronensäure zum Hahn!
Nach längerer Einwirkzeit löste ich den Beutel, drehte den Hahn auf und stellte resigniert fest, dass er jetzt in eine andere Richtung spritzte, sich aber an Durchflussgeschwindigkeit und -menge nichts geändert hatte. "Gut," dachte ich, "der will so sein. Also soll er." Fortan holte ich mir mein Wasser nur noch aus dem Hahn im Bad und ignorierte den renitenten Wicht in der Küche.
All das wäre wahrscheinlich bis zu meinem Auszug so weitergegangen, wenn nicht...

...ein Prinz des Weges gekommen wäre, bekleidet mit einem olivgrünen Blaumann und ausgestattet mit wachen, strahlend blauen Augen. Er betrat zum ersten Mal meine Küche, sah den Wasserhahn, baute ihn aus, tat irgendetwas, baute ihn wieder ein, und ich hatte nicht nur fließendes, sondern auch wärmendes Wasser.

Das Leben ist manchmal von hinreissender Symbolik.

03 Juli 2008

Auf große Fahrt

Der Bann ist gebrochen.
Ich lichte die Anker,
die mich festgehalten haben.
Am Bug meines Schiffes stehe ich
und blicke einem fremden Horizont entgegen,
lächelnd.

01 Juli 2008

Ich kann zaubern,

... denn ich habe Musik entzaubert, ihr eine falsche Bedeutung genommen,

... habe die Bilder in meinem Kopf umgefärbt,

... Traurigkeit in Lächeln verwandelt,

... meine Augen anders schauen lassen:

... zärtlich,

... voll Vertrauen,

... ohne Angst.


Du verzauberst mich,

... denn Du hast in meine Musik neue Töne komponiert,

... meine Bilder in Ruhe angeschaut,

... mir Deine Traurigkeit geschenkt,

... meine Augen wachgeküsst:

... mit Zärtlichkeit,

... Vertrauen,

... Deinen Ängsten.

Wenn wir zusammen zaubern, sind wir Merlin.

Du

Du
umarmst mich
mit Worten,
küsst mich
mit Musik,
streichelst mich
mit Deinen Augen.

Ich
lege mich
in Deine Gedanken,
schlafe ein
in Deinen Träumen,
höre meine Sehnsucht
in Deinen Armen.