Männer können alles. Immer. In jeder Situation. Und wenn sie etwas nicht können, ist es kaputt. Oder doof. Oder eine Frau hat es erfunden.
Kein Mann würde jemals auf die Idee kommen, dass etwas nicht funktioniert, weil er einen Lernprozess nicht oder nur ungenügend abgeschlossen hat. Und was Mann überhaupt nicht leiden kann, sind weibliche Improvisationskünste. Erst kürzlich habe ich wegen eben dieses Talents einen Ausbruch miterleben dürfen, der seinesgleichen sucht.
Ich muss ein wenig ausholen: In meiner Küche habe ich es gern gemütlich, und ich finde, dass ein mitten im Raum herumstehender Wertstoffsammelbehälter (umgangssprachlich auch „gelber Sack“ genannt) das Bild stört. Also habe ich den meinen in eine Abstellkammer verbannt und trage meine leeren Verpackungen, Dosen und sonstigen Wertstoffe zwei Meter weit durch meine Wohnung. Das versteht er nicht. „Kein Mensch hat seinen Mülleimer kilometerweit von der Küche entfernt stehen!“ beschwerte er sich bei seinem letzten Besuch. Er neigt erstens zu Übertreibungen, und hat zweitens deswegen erst letzte Woche herausgefunden, wo sich mein gelber Sack befindet, weil er vorher noch niemals auf die Idee gekommen ist, Müll wegzutragen.
Aber es kommt noch schlimmer. Die besagte Abstellkammer hat einen sehr kleinen Durchgang (selbst ich muss mich bücken), den ich mit einem Bambusrollo versehen habe. Und weil ich ein Improvisationstalent bin, habe ich mir nicht die Mühe gemacht, für so ein kleines Ding riesige Löcher in einen hilflosen hölzernen Türrahmen zu bohren, sondern es schlicht festgenagelt. Und es hält; seit mittlerweile fast einem halben Jahr hängt das Rollo unfallfrei vor der Kammer, es öffnet und schließt sich, wenn ich an den entsprechenden Strippen ziehe. Vor allem aber erfüllt es seinen Zweck: Es sieht hübsch aus.
Nachdem wir also eine Weile darüber diskutiert hatten, dass nur eine Frau auf die Idee kommen kann, ihren Mülleimer nicht in der Küche aufzustellen, sondern einem eventuellen Besuch einen Fußmarsch von mehreren Kilometern zumutet, damit er Schnipsel oder Kronkorken entsorgen kann, dass Männer überhaupt viel praktischer veranlagt seien, die besseren Handwerker, niemals, nein, wirklich niemals würden sie einen Vorhang festnageln, statt ihn ordnungsgemäß anzubohren, und überhaupt sind sie intelligenter, können besser… Wir begaben uns in eine verbaltheoretische Endlosschleife, die ich nur unterbrechen konnte, weil ich ihm ein halbes Schwein auf Toast servierte, das noch blutete. (Aber das Essverhalten von Männern ist ein anderes Thema.)
Am nächsten Morgen, ich hatte gerade Wasser für Kaffee aufgesetzt, hörte ich aus dem Flur ein Poltern, gefolgt von lautem und wenig artikuliertem Schimpfen. Als ich voller Sorge, er könnte sich schwer verletzt haben und mein frischgewischtes Parkett vollbluten, zum Ort des Getöses stürzte, bot sich mir das folgende Bild: Ein noch sehr verschlafenes männliches Wesen in gebeugter Haltung mit erhobender rechter Hand und ausgestrecktem Zeigefinger befindet sich in angeregter Unterhaltung mit dem Durchgang zur Abstellkammer. Das Rollo hatte er in seiner morgendlichen Grobmotorik einfach heruntergerissen, sich dabei fürchterlich erschreckt, und selbstverständlich war ich schuld!
Sein noch starrer Blick blieb auf den Durchgang gerichtet, dem er in entsprechender Lautstärke (so ein Durchgang kann ja nicht besonders gut hören, wie jeder weiß, der sich damit auskennt) erklärte: „Weiber! So eine alberne Mistkonstruktion kann sich nur eine Frau ausdenken! Kein Mann wäre so blöd! Hält ja auch nicht, der Sch…! Und überhaupt – kein Mann käme auf die Idee, seinen Mülleimer im Nachbardorf aufzustellen!“ Der Rest war eine Wiederholung unserer Diskussion vom Vorabend, und ich lasse ihn aus Gründen der Platz- und Wortersparnis weg.
Ich beruhigte ihn, führte ihn in die Küche, half ihm beim Hinsetzen und gab ihm Kaffee. Der ihm, nebenbei gesagt, nicht schmeckte, weil ich nämlich keinen Kaffee kochen kann, weil der nämlich immer viel zu dünn ist, und er trinkt Kaffee ja nicht, weil er schmecken soll, sondern weil er wach werden will, aber was ist schon von jemandem zu erwarten, der Vorhänge festnagelt und seinen Mülleimer… Dabei lächelte ich friedlich und verständnisvoll, gab beruhigende Laute von mir und streichelte zart seine Hand. Als ich das Gefühl hatte, ihn unbesorgt für einen Moment alleinlassen zu können, hängte ich das Rollo wieder auf (nach der Reparatur der Schließvorrichtung, die er bei seinem Versuch, ins Versteck des gelben Sackes zu gelangen, ein ganz klein wenig beschädigt hatte), stellte – ich bin ein weiblicher und darum boshafter Mensch – den Wertstoffbehälter, den er ebenfalls umgeworfen hatte, an seinen alten Platz zurück und begab mich wieder in die Küche, wo ich mir einen längeren Vortrag über männliche Logik, weibliches Unvermögen, Schöpfungskronen, handwerkliches Geschick und die Beherrschung der Welt anhörte.
Ihnen kann ich es ja sagen: Ich bin nicht erstaunt darüber, dass sich ebendiese Welt fünf Minuten vor der finalen Katastrophe befindet, wenn die Jungs, die sich für fast alles zuständig fühlen und nicht fähig sind zu delegieren, nicht einmal den Mülleimer finden, ohne gleich das darum herum gebaute Haus in Schutt und Asche zu legen.
Kein Mann würde jemals auf die Idee kommen, dass etwas nicht funktioniert, weil er einen Lernprozess nicht oder nur ungenügend abgeschlossen hat. Und was Mann überhaupt nicht leiden kann, sind weibliche Improvisationskünste. Erst kürzlich habe ich wegen eben dieses Talents einen Ausbruch miterleben dürfen, der seinesgleichen sucht.
Ich muss ein wenig ausholen: In meiner Küche habe ich es gern gemütlich, und ich finde, dass ein mitten im Raum herumstehender Wertstoffsammelbehälter (umgangssprachlich auch „gelber Sack“ genannt) das Bild stört. Also habe ich den meinen in eine Abstellkammer verbannt und trage meine leeren Verpackungen, Dosen und sonstigen Wertstoffe zwei Meter weit durch meine Wohnung. Das versteht er nicht. „Kein Mensch hat seinen Mülleimer kilometerweit von der Küche entfernt stehen!“ beschwerte er sich bei seinem letzten Besuch. Er neigt erstens zu Übertreibungen, und hat zweitens deswegen erst letzte Woche herausgefunden, wo sich mein gelber Sack befindet, weil er vorher noch niemals auf die Idee gekommen ist, Müll wegzutragen.
Aber es kommt noch schlimmer. Die besagte Abstellkammer hat einen sehr kleinen Durchgang (selbst ich muss mich bücken), den ich mit einem Bambusrollo versehen habe. Und weil ich ein Improvisationstalent bin, habe ich mir nicht die Mühe gemacht, für so ein kleines Ding riesige Löcher in einen hilflosen hölzernen Türrahmen zu bohren, sondern es schlicht festgenagelt. Und es hält; seit mittlerweile fast einem halben Jahr hängt das Rollo unfallfrei vor der Kammer, es öffnet und schließt sich, wenn ich an den entsprechenden Strippen ziehe. Vor allem aber erfüllt es seinen Zweck: Es sieht hübsch aus.
Nachdem wir also eine Weile darüber diskutiert hatten, dass nur eine Frau auf die Idee kommen kann, ihren Mülleimer nicht in der Küche aufzustellen, sondern einem eventuellen Besuch einen Fußmarsch von mehreren Kilometern zumutet, damit er Schnipsel oder Kronkorken entsorgen kann, dass Männer überhaupt viel praktischer veranlagt seien, die besseren Handwerker, niemals, nein, wirklich niemals würden sie einen Vorhang festnageln, statt ihn ordnungsgemäß anzubohren, und überhaupt sind sie intelligenter, können besser… Wir begaben uns in eine verbaltheoretische Endlosschleife, die ich nur unterbrechen konnte, weil ich ihm ein halbes Schwein auf Toast servierte, das noch blutete. (Aber das Essverhalten von Männern ist ein anderes Thema.)
Am nächsten Morgen, ich hatte gerade Wasser für Kaffee aufgesetzt, hörte ich aus dem Flur ein Poltern, gefolgt von lautem und wenig artikuliertem Schimpfen. Als ich voller Sorge, er könnte sich schwer verletzt haben und mein frischgewischtes Parkett vollbluten, zum Ort des Getöses stürzte, bot sich mir das folgende Bild: Ein noch sehr verschlafenes männliches Wesen in gebeugter Haltung mit erhobender rechter Hand und ausgestrecktem Zeigefinger befindet sich in angeregter Unterhaltung mit dem Durchgang zur Abstellkammer. Das Rollo hatte er in seiner morgendlichen Grobmotorik einfach heruntergerissen, sich dabei fürchterlich erschreckt, und selbstverständlich war ich schuld!
Sein noch starrer Blick blieb auf den Durchgang gerichtet, dem er in entsprechender Lautstärke (so ein Durchgang kann ja nicht besonders gut hören, wie jeder weiß, der sich damit auskennt) erklärte: „Weiber! So eine alberne Mistkonstruktion kann sich nur eine Frau ausdenken! Kein Mann wäre so blöd! Hält ja auch nicht, der Sch…! Und überhaupt – kein Mann käme auf die Idee, seinen Mülleimer im Nachbardorf aufzustellen!“ Der Rest war eine Wiederholung unserer Diskussion vom Vorabend, und ich lasse ihn aus Gründen der Platz- und Wortersparnis weg.
Ich beruhigte ihn, führte ihn in die Küche, half ihm beim Hinsetzen und gab ihm Kaffee. Der ihm, nebenbei gesagt, nicht schmeckte, weil ich nämlich keinen Kaffee kochen kann, weil der nämlich immer viel zu dünn ist, und er trinkt Kaffee ja nicht, weil er schmecken soll, sondern weil er wach werden will, aber was ist schon von jemandem zu erwarten, der Vorhänge festnagelt und seinen Mülleimer… Dabei lächelte ich friedlich und verständnisvoll, gab beruhigende Laute von mir und streichelte zart seine Hand. Als ich das Gefühl hatte, ihn unbesorgt für einen Moment alleinlassen zu können, hängte ich das Rollo wieder auf (nach der Reparatur der Schließvorrichtung, die er bei seinem Versuch, ins Versteck des gelben Sackes zu gelangen, ein ganz klein wenig beschädigt hatte), stellte – ich bin ein weiblicher und darum boshafter Mensch – den Wertstoffbehälter, den er ebenfalls umgeworfen hatte, an seinen alten Platz zurück und begab mich wieder in die Küche, wo ich mir einen längeren Vortrag über männliche Logik, weibliches Unvermögen, Schöpfungskronen, handwerkliches Geschick und die Beherrschung der Welt anhörte.
Ihnen kann ich es ja sagen: Ich bin nicht erstaunt darüber, dass sich ebendiese Welt fünf Minuten vor der finalen Katastrophe befindet, wenn die Jungs, die sich für fast alles zuständig fühlen und nicht fähig sind zu delegieren, nicht einmal den Mülleimer finden, ohne gleich das darum herum gebaute Haus in Schutt und Asche zu legen.
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