13 Juli 2007

Die rebellische Landrätin oder so

Gestern abend musste ich sehr lange über Gabriele Pauli philosophieren. Denken Sie jetzt auch: "War das nicht die Zicke mit den Latexklamotten?" Was auch immer wir von ihr halten, sie möchte für den Vorsitz der CSU kandidieren. Die Süddeutsche (möglicherweise das fast amtliche CSU-Organ) titelt "Bitte kein Latex mehr!". Verdammt, ertappt! Etwas in der Art habe ich nämlich auch gedacht. Dabei ist Frau Pauli nichts anderes als unser von vielen geliebter sogenannter "Medienkanzler" Gerhard Schröder. Auch er hat sich werbewirksam in Armani ablichten lassen; allerdings kam hier kaum jemand auf die Idee, ihn als Domina zu bezeichnen. Gut, er hatte keine Latexhandschuhe an, aber kann nicht eine fette Zigarre im Mundwinkel, gepaart mit diesem "Ich-bin-der-Größte-Blick" ebenso den Verdacht erwecken, es hier mit einem krankhaft geltungssüchtigen Selbstdarsteller zu tun zu haben? Nein, Gerhard Schröder durfte das! Darf ich den vorsichtigen Verdacht äußern, dass Gabriele Pauli das nicht darf, weil sie erstens eine Frau und zweitens Einwohnerin des Freistaates Bayern ist?

Horst Seehofer kehrt nach monatelangem Fremdgevögel und der Zeugung einer Tochter zu seiner Frau zurück, und Deutschland seufzt erleichtert auf. Ich nicht. Erstens frage ich mich, warum Frau Seehofer ihren hormongeplagten Angetrauten nicht in die Wüste geschickt hat und zweitens möchte ich gern wissen, warum der Papst sich dazu nicht äußert - immerhin vertritt doch die CSU mehr als jeder andere in diesem Land die katholische (und lt. neuesten Äußerungen aus Rom damit einzig wahre) Kirche. Geht denn das? Wieso wird der nicht exkommuniziert? Ich habe die stille Hoffnung, dass Frau Seehofer sich zumindest finanziell entschädigen lassen hat - wäre Horst "meiner", ich hätte diesem Kerl zwei Drittel seines fetten Abgeordnetengehalts plus Beteiligung an den Erträgen sämtlicher Nebenjobs aus der Tasche gezogen. Und auf gar keinen Fall würde ich mehr vögeln!


Aber wir waren bei Gabriele Pauli. Selbstdarstellerin? Rebellin? Blöde Ziege? Königsmörderin? Die schöne Landrätin? Was ist sie denn nur? War sie möglicherweise am Anfang dieses Medienhypes nicht mehr als eine Lokalpolitikerin, die die Nase voll hatte von den Altherrenzirkeln im Freistaat? Die fand, dass auch die CSU modernisierungsfähig sei? Oder hat sie in ihrem Fürther Landratsbüro gesessen und sich überlegt, wie sie am besten an einen Modelvertrag kommt? Mit etwas über vierzig wäre das ja ein verständlicher Wunsch, der möglicherweise auch Angela Merkel bewogen hat, sich gegen Intrigen, Männerbünde und die öffentliche Meinung durchzusetzen. Ich sehe gerade das Titelblatt von Vanity Fair vor meinem inneren Auge: "Angie und Gaby - Politik kann so schön sein!"

Ich werde jetzt einmal Birnen mit Äpfeln vergleichen und auf einen Haufen werfen: Friedrich Merz, Bundestagsabgeordneter und eingeschnappter Ex-Experte der CDU, Inhaber von ca. 21 lukrativen Nebenjobs und Kläger gegen die Offenlegung von Nebeneinkünften: Wurde er schon einmal gefragt, ob er noch weiß, wann er in wessen Namen was fordert? Hat man ihn schon einmal für Park Avenue abgelichtet, mit gefächerten Euroscheinen in jeder Hand und einem gierigen Lächeln auf den Lippen?

Oskar Lafontaine, Vorsitzender der Linken, abgehalfterter Ex-Wirtschaftsminister und Fahnenflüchtiger, als es darum ging, Verantwortung zu übernehmen, ähnlich eingeschnappt wie Friedrich Merz, aber mit einer gewissen göbbelschen Rhetorik gesegnet: Hat man von ihm schon einmal wissen wollen, wie er es vereinbaren kann, mit Stretchlimousine, 27 Bodyguards und großer Entourage anzureisen, um dem einfachen Volk dann Gleichheit für alle zu predigen? Ist er schon einmal darum gebeten worden, allen überflüssigen Besitz an die palästinensische Befreiungsorganisation zu spenden, um authentischer zu wirken?

Edmund Stoiber, stotternder und faselnder Welterklärer, verhinderter Bundeskanzler, abgesägter Parteivorsitzender der CSU und zukünftiger Ex-Ministerpräsident von Bayern, eingeschnappt, weil ihm niemand außer ein paar hinterwäldlerischen bayrischen Eingeborenen und Karin (bei der ich mir allerdings auch nicht wirklich sicher bin; vielleicht ist sie nur leidensfähig...) zugetraut hat, Deutschland repräsentieren zu können: Warum hat ihn niemand in die Pflicht genommen, als es darum ging, ernsthaft zu arbeiten, nämlich als Wirtschaftsminister mit einem Superministerium, dass er sich in seiner Eingeschnapptheit selbst erstritten hatte? Spricht noch irgendjemand davon, dass Edi sich schnellstens wieder in sein kuscheliges Bayern zurückgezogen hat, weil er auf einmal Angst vor der eigenen Courage bekam?

Ich habe keine Ahnung, was in Gabriele Pauli vorgeht, kenne ihre Ziele und Wünsche nicht und interessiere mich auch nicht dafür, wie sie nackt aussieht. Aber ich denke, es gibt so viele nackte Männer im grauen Zwirn, die mehr dass es nicht nötig ist, sich an einer Fürther Landrätin festzubeissen.

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