Da bin ich deutlich und viel zu lange um mich selbst gekreist. Und habe keine Maus geboren. (Ja, ich weiss, der Berg "kreisste". "Sz" gibt es ja nur noch bei weichem "sss". Leider.) Ich kreise weiter.
In meinem Kopf finden sich wieder Geschichten ein, manche lange vermisst, andere unerwartet. Ich begrüße jede einzelne auf das Allerfreundlichste. Neben den Geschichten hat sich eine neue Perspektive in meinem Gehirn eingenistet. Noch sitzt sie auf einem der günstigen Ränge, aber ich habe so ein Gefühl, dass sie in absehbarer Zeit auf einem Logenplatz bestehen wird. Alles wird anders. Oder vielleicht wird auch alles so, wie es schon vor längerem hätte werden wollen, wenn ich es gelassen hätte. Manche Entscheidungen treffen sich selbst, wenn man zu lange wartet. Manchmal erwarte ich sogar, dass sich meine Entscheidungen treffen.
Natürlich stellt sich dann die Frage: Welche meiner Entscheidungen möchten sich denn treffen? Und hätten sie gern ein Bier dazu oder lieber Milchkaffee mit viel Zucker? Worüber reden sie, wenn sie gemeinsam am Tisch sitzen? Wird ihnen warm ob der zu treffenden ... Entscheidungen (???). Können Entscheidungen Entscheidungen treffen? Oder sorgen sie nur für deren Verwirklichung? Was ist mit meinen Entscheidungen? Haben sie sich selbst getroffen, oder warten sie noch immer darauf, dass ich mich zu ihnen geselle? Möglicherweise habe ich die eine oder andere bereits getroffen, aber meiner Umwelt gegenüber noch nicht kommuniziert. (So sagt man in Neudeutsch. Wirklich. Man sagt, wenn man will, dass Menschen/Angestellte/KundInnen irgendetwas tun, sie sich aber verweigern: "Das haben wir offensichtlich falsch kommuniziert.") Muss ich irgendetwas kommunizieren? Oder reicht es, wenn ich meine Entscheidung mitteile, entschuldigungsfrei? Schließlich bin ich meinen Entscheidungen wichtig. Vielleicht haben sie mich sogar lieb. Wir haben uns auch nicht für einen Bankraub entschieden, werden niemanden umbringen, kompromittieren oder ins Unglück stürzen. Vielleicht mache ich es mit meinen Entscheidungen der einen oder dem anderen ein ganz klitzekleines Bisschen unbequem. Müssen wir uns dafür entschuldigen?
Da sitzen also meine Entscheidungen in einem Café und sind von mir noch nicht kommuniziert worden. Werde ich nachholen. Schnell. Sonst trinken die einen Kaffee nach dem anderen, und ich muss zum Schluss die Rechnung zahlen.
Heute abend ist es undurchsichtig neblig. Allerdings scheint der diesjährige Sommer im Allgemeinen neblig zu sein. Mein Gehirn nebelt auch. Aber ich bin sicher, dass der Wetterbericht lügt und morgen die Sonne scheint. Wenn sich der Nebel aufgelöst hat.
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