08 Januar 2008

Arbeit ist großartig!

Nach drei Wochen krank, Weihnachten, Depression, Krisen, Silvester, Rekonvaleszenz (Reihenfolge beliebig) habe ich heute den ersten Tag gearbeitet. Ein Termin jagte den nächsten. GROßARTIG! Das ist nicht ironisch gemeint! Wirklich nicht. Seit heute kann ich das Gefühl eines Arbeitslosen nachvollziehen, der wieder eine Arbeit findet. Es ist erschreckend, wie schnell sich ein Trott einstellt, der fern jeglicher Kreativität, Inspiration oder Disziplin einzusortieren ist. Einerseits habe ich mich mit mir selbst gelangweilt, andererseits habe ich den Weg von meiner Couch herunter einfach nicht mehr gefunden. Ich habe alberne Ballerspiele gespielt, stundenlang, habe mir haufenweise DVDs in meinen Laptop geladen (legal!) und manchmal nicht mehr gewusst, welche ich wann angeschaut habe und warum. Ich habe mich vor dem Fernseher geparkt (Nein, liebe GEZ-Außendienstmitarbeiter, ich habe immer noch keine Verdummungskiste, ich war zu Besuch! Kommen Sie gern vorbei, um das zu überprüfen. Aber kommen Sie mit richterlichem Durchsuchungsbefehl, denn anderenfalls lasse ich Sie draussen stehen wie die Promenadenmischung vor der Schlachterei.) und mit leerem Gesichtsausdruck durch die Kanäle gezappt.

Heute bin ich durchs Studio gelaufen, habe mich über jedes bekannte Gesicht gefreut (und einige bekannte Gesichter über mich), über meinen gehetzten Blick zur Uhr, wenn ich wieder einmal überzogen hatte, über meine KollegInnen, die ich schon immer liebenswert fand, heute aber besonders; nicht einmal die Tatsache, dass während meiner Abwesenheit neue Formulare kreiert wurden, hat mich belastet. Im Gegenteil, ich habe mich mit voller Energie hineingeworfen in den Papierkrieg.

Und ich habe trainiert. Das war allerdings eher ein ernüchterndes Erlebnis. Unglaublich, wie die Kraft in so kurzer Zeit nachlässt. Ich kam mir vor wie eine x-beliebige Hausfrau (Schuldigung!), die das erste Mal einen Fitnessclub von innen sieht, nachdem die Kinder zwecks Studium oder Ehe das Haus verlassen haben. Aua. Schlappschwänzig war ich. Und morgen werde ich leiden, das ist mal sicher!

Aber egal. Als ich vorhin zuhause aus dem Auto gestiegen bin, funkelte über mir ein traumschöner Sternenhimmel; ich hatte das Gefühl, das Straßenschild der Milchstraße sehen zu können. Und es war warm, immerhin 6°. Ich habe ein paar Minuten draussen gestanden, den Kopf in den Nacken gelegt, und den Himmel genossen. Haben Sie schon einmal Ihren Zeigefinger gen Unendlichkeit gereckt? Das ist Dreidimensionalität pur und irgendwie auch irrational. Einerseits weiß man, dass die Sterne Lichtjahre entfernt sind, andererseits scheint der Finger mitten zwischen sie zu deuten.
Auf einer kretischen Hafenmole in Rückenlage ist dieses Phänomen noch viel besser zu erkennen, nein, zu erspüren. Die von Agia Galini bietet sich besonders gut an, der Strand von Matala ist allerdings auch nicht schlecht. Aber ich schweife ab.

Ich mag heute früh ins Bett gehen, weil ich das erste Mal seit Längerem sehr viel getan habe und im besten Sinne des Wortes rechtschaffen müde bin. Und ich bin unglaublich dankbar für diesen Tag.

Arbeit ist großartig. Wirklich. Möglicherweise auch für Angestellte des Öffentlichen Dienstes. (Nochmals Schuldigung.)

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