06 März 2008

Hoppsenalpträume

Heute früh, glücklicherweise kurz vor dem Weckerklingeln, hatte ich den Alptraum, der möglicherweise alle schon einmal heimgesucht hat, die mit Gruppen arbeiten. Die Überschrift könnte lauten: "Niemand hört mir zu!"

Ich wollte eine Aerobicstunde geben in meinem Traum. Als ich den Kursraum betrat, registrierte ich voller Entzücken, dass all die "Kursprofis" anwesend und in gespannter Erwartung waren. Ich blickte in freundliche, lächelnde Gesichter; meine eigene Vorfreude wuchs.

Dann muss der Regisseur meines Traumes vorgespult haben. Ich wollte noch ein paar Worte vorweg sagen, doch alle TeilnehmerInnen standen in kleinen Grüppchen beieinander, niemand hörte mir zu. Und ich kann laut, wenn es sein muss, auch im Traum!
Also legte ich die Musik ein und sagte die ersten Schritte an.
So, wie ich mich jetzt fühlte, muss sich auch ein auf die Erde gefallener Marsbewohner fühlen - fremd irgendwie, anders, alles ist auf einmal höchst beängstigend.
Um mich herum standen auf einmal nicht mehr meine "alten" TeilnehmerInnen, sondern irgendwelche spätpubertären Gropbmotoriker, die in ihren Körpern offensichtlich überhaupt nicht zuhause waren. Es gelang ihnen nicht einmal, den Minimalanforderungen (Sportbekleidung, Turnschuhe, Gruppenaufstellung) zu entsprechen.
Nach dem Aufwärmen gestaltete ich die Schrittfolgen etwas anspruchsvoller (ich liess sie nicht nur nach rechts, sondern auch nach links laufen), und
die Ersten stiegen aus, blieben aber im Kursraum stehen und plauderten.
Ich sah mich wütend um und stellte voller Entsetzen fest, dass ich mit der tauben und halbgelähmten Bande allein im Kursraum war. Verzweifelt brüllte ich in den Raum, dass diejenigen, die nicht zum Sport, sondern wegen einer neuen SMS-Versende-Location gekommen waren, doch bitte den Raum verlassen sollten.
Glücklicherweise gingen alle.
Leider kamen die Guten nicht zurück.

Und endlich klingelte mein Wecker.

Normalerweise stehe ich nicht mit dem ersten Klingeln auf, sondern snooze mich noch eine halbe Stunde weiter. Heute sprang ich mit beiden Füßen gleichzeitig und überhaupt nicht rückengerecht aus dem Bett, froh, diesem Alptraum entronnen zu sein.

Was wollte mir dieser Traum sagen? War er prophetisch, und ich muss nächstens mit einer klassischen, übergewichtigen und unwilligen Unterschichtengruppe rechnen, die in Ermangelung besserer Informationen die Milchschnitte für ein diätisches Lebensmittel hält und einen Fruchtzwerg für ein gequirltes Steak?

Oder soll ich dankbar für meine höchst motivierten TeilnehmerInnen sein und sie möglichst häufig loben, damit sie mir die Stange halten, weiterhin den Kursraum bevölkern und so verhindern, dass die dicken Unterschichtler sich einschleichen?

Brauche ich ein Mikrofon?
Bessere Musik?
Muss ich vorsichtig sein?

Noch grübele ich über der Botschaft dieses Traumes. Eines ist sicher: Er hat mir gründlich den Vormittag verhagelt. Den Nachmittag auch.
Aber glücklicherweise waren meine Teilnehmerinnen heute abend motiviert, hörten mir zu und hatten keine Mobiltelefone dabei.

Ich bin dankbar für diesen Tag, die Tatsache, dass ich meinen Wecker so früh gestellt und ihn gehört habe, für meine TeilnehmerInnen (nicht nur die des heutigen Tages), meinen Job und meine laute Stimme, mit der ich nötigenfalls auch einen übergewichtigen Teenager übertönen werde.

Ratlos bin ich aber trotzdem. Hat von Ihnen jemand eine Idee?


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