15 Mai 2011

Sprechende Hände, beobachtet durch Glas

Ihre Hand liegt auf der Lehne,
seine darüber, sie wirkt beschützend.
Dann löst sie sich,
gestikuliert.
Seine Finger folgen ihrer Bewegung,
suchen weiter Kontakt.

Kleine Gesten.

Ihre Hand kehrt nicht zu seiner
zurück.

Seine Finger spielen mit der Lehne,
auf der ihre Hand
gerade noch lag.

Doch jetzt hebt sie ihren Arm.
Seiner folgt kurz darauf.

Dieser Moment scheint sie zu trennen.

Später wendet sie sich ihm wieder zu.

Ihre Hände jedoch bleiben den seinen fern,
während er
ihr Knie berührt,
so,
wie er vorher ihre Hand
berührte.


Endlich wendet sie sich ihm zu,
küsst ihn,

legt ihre Hand auf seine.

Alles ist gut.

Was mag wirklich geschehen sein?

13 Mai 2011

Tae-Bo-Day

23.33 Uhr. In ca. 4 Stunden sollte ich wieder aufstehen, wenn ich noch meine Tasche packen, duschen, frühstücken und stressfrei starten will.
Tae-Bo-Day in Heidelberg!

Erinnern Sie sich? Irgendwann Anfang 2000 turnte ein unglaublich gutgewachsener Karateka namens Billy Blanks über die Bildschirme, zeigte eine neue Sportart und verdient noch heute eine Mörderkohle. Was ich ihm von Herzen gönne - allein der Anblick seines Glutaeus Maximus (für Nicht-Anatomikerinnen: Sein A...) beim Sidekick ist Millionen wert...

Morgen darf ich mit seinen Enkeln spielen. 7 Stunden Schattenboxen, wildes Herumgespringe, lautes Abzählen von 8 bis 1 und wieder zurück, Waden- und sonstige Krämpfe, der Kampf mit dem inneren Schweinehund und darum, nicht die Erste zu sein, die nicht mehr kann - das ist das Leben! (Meins jedenfalls...)

Ja, ich weiß, keine Sau will wissen, ob ich ein Kampfschwein bin, wo es mir gerade wehtut, warum ich das alles brauche; 90% der geschätzten LeserInnen werden sich fragen, was Tae-Bo ist, ob es möglicherweise etwas mit Big Brother zu tun hat; der Rest ist mit dem letzten Bundesliga-Spieltag vollauf beschäftigt.

Na und??? ICH gehe boxen, treten, brüllen, und ich habe es mir verdient! Auf das Allerangestrengteste verdient nämlich mit einer Woche Arbeiten ohne Bergfrühstück, gefühlten 27 Jahren Durchhaltevermögen bei Unspaßigem, gebremster Mordlust (denn dass ich nicht gemeuchelt habe, hat nichts mit Menschenliebe, aber alles mit den zu befürchtenden Konsequenzen zu tun!) und am Sein vorbeilaufen!

Haben Sie schon einmal so richtig geschwitzt? Vor lauter Anstrengung gezittert? Den Menschen gehasst, der sie anbrüllt, dass Sie immer noch weitermachen sollen? Wadenkrämpfe gehabt? Nicht mehr gewusst, ob es stehend, liegend oder sitzend am meisten schmerzt? Fast schon geheult, weil nichts mehr ging?
Nein?
Dann haben Sie auch noch nicht richtig gelebt!

Ich jedenfalls werde morgen alles Leben erst in mich hineinsaugen und später wahrscheinlich aus mir herauskotzen. Und dabei wird es mir unglaublich gut gehen. Später werde ich jammern und wehklagen. Möglicherweise tagelang.

Und am Montag werde ich wieder arbeiten gehen.

11 Mai 2011

Big Brother und ich

Da hatte ich kurz die Anwandlung, mich der größer werden Gemeinschaft anzuschließen. Um mich herum postete es, Statusmeldungen machten die Runde, und der mitleidige Gesichtsausdruck, wenn ich bekannte, dass ich noch nicht bei facebook sei, wurde lästig.
Also meldete ich mich an, erstellte ein Profil, las die Allgemeinen Geschäftsbedingungen so, wie man die eben liest und war flugs Mitglied einer weltweiten Community. "Großartig!" dachte es in mir. "Jetzt wirst Du von hochinteressanten Menschen gefunden, bekommst Kontakte in die große, weite Welt und kannst Deine Ideen viel, viel besser verbreiten.

Etwas unsicher wurde ich, als mir eine Freundin, die ich über facebook wiedergefunden hatte, erklärte, dass ich mit meinem Klick auf "Ich habe die AGB und Datenschutzbestimmungen gelesen und stimme ihnen zu." auch der allgemeinen Verwendung meiner eingestellten Fotos für Werbezwecke zugestimmt hatte.
Kurz darauf hatte ich das Gefühl, die Werbebanner wären gezielter auf meine Aktivitäten abgestimmt als ganz am Anfang. Auf einmal bannerte es Compression Tights, Fuel Belts und Alpro Soja. Hatten die möglicherweise auch Zugriff auf meine Internetbestellungen und mein online geführtes Ernährungstagebuch???

Ich beruhigte mich wieder und freute mich darüber, dass ich jetzt regen Austausch mit guten Freunden und Bekannten hatte, die ich ohnehin mindestens einmal die Woche sah. Außerdem entwickelt man mit der Zeit eine gewisse Freunde-Sammelwut und verschwendet eine Menge Energie darauf, Menschen zu finden, von denen man vor dem Log-In noch gar nicht wusste, dass sie einem gefehlt haben.

Doch dann wollten Margarete H., Jaroslaw X. und Karl-Heinz M. mit mir befreundet sein - alles Schul"freunde", die ich schon doof fand, als ich noch zur Schule ging und deren Anblick auf der Schulpinwand mich zu einer raschen Abmeldung aus einer weiteren - extrem penetranten - Community gebracht hatte.

Auf einmal wurden von mir eigentlich wildfremden (und, nebenbei erwähnt, strotzdoofen Menschen) Fragen an die sicher nicht interesierte Allgemeinheit gestellt: "Glaubst Du, Guapa kann 3 Burger auf einmal essen?", "Glaubst Du, Guapa ist faul?"; ich bekam Einladungen zu ominösen Pokerspielen, Eiersuchen und sonstigem Alberkram. Ein guter Freund von mir dachte, die Unterstützung von Datenmissbrauchskraken sei mein neuestes Hobby.


Ich fühlte mich nicht mehr wohl. Irgendwie war facebook auf einmal überall. Und ich wollte nie von überall beobachtet werden, immerhin hatte "1984" von George Orwell zu meiner bevorzugten Jugendliteratur gehört.

Der Account musste weg.

Aber das geht nicht so einfach, facebook glaubt nicht ohne Weiteres, dass man ein Leben ohne Statusmeldung führen möchte.
Ich habe jetzt mein Profil stillgelegt, mein Passwort und eine Buchstabenkombination ungefähr 37mal eingegeben und heute erfahren, dass mein Account gelöscht wird, wenn ich mich bis zum 25.05. nicht mehr einlogge.


DANKE, facebook!

Und die Moral von der Geschicht': Ich muss nicht überall "drin" sein und schon gar nicht der Welt damit auf die Nerven gehen, dass ich stündlich Befindlichkeitsmeldungen abgebe.

03 Mai 2011

Stapelbildung und Überstücke

... sind beides sehr eigene Begriffe von ebenso eigenen Behördenangestellten. Eine gute Freundin von mir, wohnhaft im Hessischen, sprach immer wieder von "Überstücken". In Südniedersachsen war dieses Wort gänzlich unbekannt, und so erhielt ich die folgende Erklärung:
Überstücke sind Akten, die über sind. Oder anders: Es gibt eine Originalakte, davon wird eine Sicherheitskopie und noch eine weitere Kopie gemacht. Die Sicherheitskopie kommt in eine andere Akte, und die dritte Kopie ist das Überstück, das dann in den Überstückeordner verbracht wird.

Das führt dann im schlimmsten Fall zur Stapelbildung, so beobachtet in einer anderen Behörde, diesmal im Südniedersächsischen. Dort leidet man unter erhöhtem Arbeitsanfall und Stapelbildung. Allerdings habe ich keine Kenntnis darüber, inwieweit hessische Überstücke an niedersächsischer Stapelbildung beteiligt sind.

In meiner Behörde ist alles ganz anders: Wir machen Aktenhäufchen in Umzugskartons und stapeln diese in der Teeküche.

Guten Morgen an alle Angestellten des Öffentlichen Dienstes!