24 November 2011

Die Anderen

Alles ist auf dem richtigen Weg. Sagen alle, sogar Frau Merkel. Das Leben, vor allem aber die darin herumtaumelnden Akteure konfrontieren mich. Mit so ziemlich allem. Manchmal stellt jemand provozierende Fragen. Der schöne Theo (mein Masseur) sagt, ich sei ja sowas von verspannt und quält mich - mit den allerbesten Absichten. Der sehr sympathische Kollege aus der Partnerpraxis piesackt mich ebenfalls und erklärt: "Ein bisschen wehtun muss es schon!"

Also leide ich still vor mich hin, schleppe den Gedanken, dass ich diejenige bin, die irgendetwas falsch macht, mit mir herum, ergebe mich den helfenden Händen und Worten und schlafe ein mit dem Gefühl, dass ich einen echt irre anstrengenden Tag hatte. (Naja, "Einschlafen" ist das falsche Wort - ich falle in tiefe Bewusstlosigkeit, sobald ich nicht mehr versuche, Gutes zu tun oder mir tun zu lassen.)

Und oft beschleicht mich kurz vor der erlösenden nächtlichen Bewusstlosigkeit das Gefühl, dass unglaublich viele Quälereien mit den besten Absichten geschehen.

Gehen wir doch einmal von dem Wunsch aus, anderen etwas Gutes zu tun. Wie kommen wir auf die Idee, wir könnten wissen, was für die Anderen gut ist?
Warum sind wir beleidigt, wenn die Anderen nicht gut finden, was wir mit den besten Absichten für sie tun?
Wollen wir wirklich gut für die Anderen sein, oder wollen wir nicht viel mehr, dass die Anderen gut zu uns sind?

Wer hat uns die Weisheit gegeben, in fremde (also nicht unsere eigenen) Köpfe zu sehen?
Wer schenkte uns die Voraussicht, die es uns erlaubt, den Anderen zu sagen, was gut für sie sein würde - irgendwann später? Und dass genau das passieren wird, was wir ihnen in unserer unendlichen Weisheit prophezeien?

Woher nehmen wir diese unglaubliche Arroganz, die uns glauben lässt, wir hätten auch nur den Schatten einer Ahnung, was im Anderen vor sich geht?

Konjugieren Sie!

Du bist reflektiert.
Er kann besser.
Sie fühlt anders.
Es könnte gut sein.

Wir entscheiden gemeinsam.
Ihr seid für Euch.
Sie finden den Weg.

Ich
habe dem nichts entgegenzusetzen.

18 November 2011

Bitte erklären Sie mir die Welt!

Neben mir reden zwei Herren. Sie unterhalten sich nicht. Sie reden.
Ich glaube nicht, dass es ihnen um Austausch von Argumenten oder Meinungen geht. Nein, hier wird Geschichts-, Philosophie- und Politikunterricht abgehalten - in Bademantel und Adiletten.
Ganz nebenbei erfahre ich, dass China und Indien die afrikanischen Länder ausbeuten und es manchmal auf dem Land noch einen Familienverband mit Großmutter gibt.

Dunkelblauer Bademantel: "Ich sage ja immer..." (Ich werde niemals erfahren, was er immer sagt, weil...)
Handtuch-um-die-Hüfte geht dazwischen; es ist ihm sowas von sch...egal, was dunkelblauer Bademantel zu sagen hat: "Damals war..."

Ups, eben waren sie doch noch beim Klienten von Handtuch-um-die-Hüfte und der Unverschämtheit, dass dieser elende Mistkerl 2.000 € im Monat an Rente bekommt - geerbt!
Wie sind die jetzt in so kurzer Zeit bei den ausgestorbenen Dinosauriern gelandet?

Teilzeitschriftstellerin im grauen Bademantel hat nicht richtig aufgepasst. Blöd.

Bin gespannt, was gestreifter und dunkelgrauer Bademantel, die die Plätze der Welterklärer eingenommen und jeweils ein Kristallweizen bestellt haben sich - und dem Rest der Welt - zu sagen haben.

Zur Zeit herrscht erholsames Schweigen.

12 November 2011

Wortgemälde.

Wenn ich diesen Tag malen sollte, bräuchte ich eine riesige Leinwand, mindestens zwei mal drei Meter. Und jemand müsste Klavier spielen, am liebsten Keith Jarrett. Debussy, George Winston oder eine der wunderschönen Improvisationen von Xenos wären auch passend.
Ich befände mich in einer alten Kirche, irgendwie gotisch, nur von Kerzen erhellt, die Musik klänge aus unsichtbaren Lautsprechern.
Ich würde mir die leere, weiße, aber im Kerzenlicht elfenbeinfarbene Leinwand eine Zeitlang ansehen, dann die Augen schließen, um das Bild vor meinem Inneren lebendig werden zu lassen.

Und dann würde ich links oben beginnen mit einem tiefen, dunklen Blau. Es wäre die Farbe des frühen Morgens, etwa zwei Stunden vor der ersten Dämmerung. Ein weißer Vollmond und ein einzelner Stern rechts darunter wären zu sehen.
Weiter rechts wiche das dunkle Nachtblau langsam einem zarten Rosa, darunter stahlgraues Meer mit Schaumkronen und ein paar frühen Seevögeln darauf.
Direkt in der Mitte, zwischen dem Morgen und einem strahlend hellblau-goldenen Tag eine Läuferin, ganz in Schwarz, sehr klein im Verhältnis zum Rest des Bildes.
Rechts oben gäbe es eine rote, runde Sonne, sie stünde direkt über der Steilküste. Darunter, am Wassersaum, säßen Dutzende von Möwen wie Zuschauer im Theater.

Aus den unsichtbaren Lautsprechern in meiner Kirche müsste Keith Jarrett zu hören sein, das Köln Concert von 1975.

Ich würde ein paar Meter zurücktreten, das halbfertige Bild betrachten. Meine Augen noch einmal schließen, innehalten, tief und ruhig atmen. Dann weiter.

Einen Strandsee würde ich in die linke untere Hälfte malen, davor ein Feld mit einer Herde Galloways und zwei sich spielend jagender Kälber, die aussähen wie zum Leben erweckte Teddybären.

Rechts dann den Sonnenuntergang. Schwierig wäre es, den Weg der Sonne vom leicht rosa gefärbten Morgenhimmel über das Bild nach Westen wandern zu lassen, wo sie untergehend Landschaft, Meer und Luft orange färben würde.

Doch mein Bild würde keiner Logik folgen wollen, es wäre ohne Reihenfolge; Blitzlichter eines perfekten Tages, mit meinen Augen gesehen.

Vielleicht würde ich rechts unten, auf diesen kleinen freigebliebenen Fleck, ein lächelndes Gesicht malen.

Und mit den letzten Klängen des Köln Concert würde ich auch den letzten Pinselstrich setzen - meine Signatur.

Dieses Bild wäre unverkäuflich.


Nachtrag: Jetzt, ein paar Stunden später, würde ich mein Bild noch etwas erweitern, als Dankeschön für den Menschen, der einen perfekten Tag mit einem offenen und im Gedächtnis bleiben wollenden Gespräch gekrönt hat. Interessante Unterhaltungen können durchaus mit "Warum hast Du Nosferatu auf Deinem Arm?" beginnen....

ICH BIN GELAUFEN!!!

Nicht weit. Eher langsam. Und auch nur kurz. Trotzdem habe ich ununterbrochen im Kreis gegrinst und mit bei sämtlichen zuständigen Göttinnen und Göttern dafür bedankt.

Ich bin nämlich seit fast einem halben Jahr nicht mehr gelaufen. Vor allem aber war ich mir nicht sicher, ob ich jemals wieder laufen werde. Hätten Sie mich vor vier Monaten gefragt, ich hätte mich wortlos abgewendet und gedacht: "Rede Du nur. Ich fühle es anders!"

Heute also bin ich gelaufen. An der Ostsee. Bei gefühlten 0°, im Westen der Vollmond, im Osten die aufgehende Sonne. Richtig dramatisch also. Die perfekte Kulisse für meine Rückkehr ins wahre Leben - ins Läuferleben nämlich.

Wer mich kennt oder wer selbst läuft, hat möglicherweise eine Vorstellung, dass ich gerade innerlich gleichzeitig Samba tanze, eine Kerze anzünde und den Göttern opfere.

Vor ein paar Monaten habe ich frustriert und traurig unter meine knapp 4000 km bei jogmap ein "Ich lief, also war ich." gesetzt. Kurz darauf habe ich meinen Account gelöscht, weil ich es nicht aushalten konnte zu sehen, was vorher ging und jetzt vielleicht niemals wieder gehen würde.

Heute stehe ich am Wasser, ein leichtes Ziehen an den Oberschenkelrückseiten und kalten Wind im Gesicht: Ich laufe, also bin ich!

SAW reloaded

Mein herzliches Dankeschön gilt dem Grüppchen männlicher Mittvierziger, die den geistigen Weg von der Spätpubertät ins reifere Alter noch nicht gefunden haben. Ohne ihr Gelärme in der Sauna wäre ich jetzt nicht derart inspiriert, dass ich sowohl den einen oder anderen neuen Text für "Frauen denken. Männer nicht. Denken Frauen." verfassen als auch ein paar besonders blutige Morde verüben werde; letztere natürlich ausschließlich auf dem Papier. Leider.

Der Sinn mancher Ereignisse, die uns im Leben widerfahren, erschließt sich nicht immer sofort. Als ich vorhin in der Sauna lag, vor meinem inneren Auge Äxte, Kettensägen und einen Vorschlaghammer, fragte ich mich, mit welcher Energie ich diese Menschen in mein Leben gerufen habe. Welche Gedanken oder Glaubenssätze habe ich, ohne es zu merken, ins Universum geschickt, damit es sich genötigt sah, mir mit dieser nervtötenden Horde zu antworten?
Sollte es "Ich möchte lernen, in einer Bahnhofshalle zu meditieren!" gewesen sein? Oder "Ich bin entschlossen, in jedem meiner Mitmenschen das göttliche Licht zu sehen!"?
Im Klabautermann jedenfalls herschte tiefste Nacht. Meditieren klappte auch nicht.

Aber ganz hinten in meinem Kopf tauchte eine Idee auf: "Ob der Erfinder der SAW-Filme regelmäßiger Saunagänger ist?" Denn ganz ehrlich: Die Vorstellung, alle bis auf einen in der Außensauna einzusperren, die Temperatur auf 100° hochzudrehen, während ihr Kumpel exakt zwei Handbreit von der verbarrikadierten Tür entfernt angekettet ist, einzig einen Fuchsschwanz in Greifweite, und sich entscheiden muss: Überleben und auf ewig die qualvollen Todesschreie seiner bis vor ein paar Minuten noch putzmunteren Freunde im Ohr, mit Frostschäden an sämtlichen Gliedmaßen (natürlich steht der Kerl in meiner Phantasie splitterfasernackt im schneidend kalten Novemberwind) oder Fuß absägen und die Jungs retten. Danach selbst qualvoll verbluten, weil die zu blöd sind, Erste Hilfe zu leisten.

Ich muss schnell nochmal in die Sauna - Inspirationen sammeln.

11 November 2011

"Rhinozeros" oder "Wo ist das letzte Nashorn"?

Vor gar nicht so langer Zeit antwortete mir mein bester Freund auf eine meiner häufigen Bemerkungen angesichts von Sprachlosigkeit oder gar Unhöflichkeit mancher Mitmenschen: "Liebe Guapa, ich gehe davon aus, dass wir zu einer aussterbenden Art gehören." Er könnte recht haben.
Anlass meiner damaligen Klage war ein junger Mann (verdammt nochmal - habe ich das gerade geschrieben? Ich, die ich doch noch immer gefühlte 33 Lenze zähle??), der sich in der Saunaumkleide wortlos an mir vorbeidrängelte. Ich fand - und finde - es unrational, sich in solchen Situationen nicht durch ein "Entschuldigung, darf ich mal durch?" bemerkbar zu machen. Erstens geht es schneller, weil der oder die im Weg Stehende dann schneller reagieren kann, zweitens ist es schlichtweg eine Frage elementarer Höflichkeitsregeln. Finde ich. Aber ich gehöre ja zu einer aussterbenden Art.

Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich so gern im Wald hinter dem Seniorenheim spazieren gehe: Wenn ich da jemanden grüße, bekomme ich Antwort. Das finde ich schön. Es gibt mir das Gefühl, eben doch nicht allein auf dieser Welt zu sein.

Doch nun zu den Nashörnern. Es gibt ein sehr interessantes Theaterstück von Eugène Ionesco, "Les Rhinocéros". Es erzählt davon, wie sich nach und nach alle Menschen um den Erzähler herum in Nashörner verwandeln. Die Erzählung, nach der das Stück entstanden ist, ist relativ kurz, aber sehr beeindruckend. Ionesco hat das Stück 1957 geschrieben. In der Schule haben wir es als Parabel für das Entstehen einer totalitären Gesellschaft interpretiert. Heute frage ich mich, ob sich an ihm auch jemand vorbei gedrängelt hat, ohne den Mund aufzumachen, er deswegen einfach furchtbar angepisst war und das Gefühl hatte, niemand außer ihm sei mehr höflich und freundlich.

Anlass für mein heutiges Genöhle ist der gestrige Saunabesuch. Ich befinde mich gerade in Damp an der Ostsee, um mich ausgiebigst zu erholen. Meine geschätzten LeserInnen wissen, dass ich eine begeisterte Saunagängerin bin; für Damp habe ich mich neben dem opulenten Frühstücksbuffet und der Ostsee wegen der großartigen Saunalandschaft (mit Blick aufs Meer!) entschieden.

Gestern also saß ich mit sechs Nashörnern in der Klabautermann-Sauna: D
raußen Nebel und Sturm, drinnen Dämmerlicht, kuschelige Wärme - und Nashörner.
Für den Fall, dass ich den Zusammenhang zwischen meinem Ruhebedürfnis beim Saunagang und den drei Paaren, die es wichtig fanden, ihre mitschwitzende Umgebung über das, was sie gerade so bewegt, zu informieren, nicht deutlich geworden ist: Ich hasse Gequatsche in der Sauna! Es interessiert mich nicht, ob die Enkelchen sitzen, stehen oder "Mama, Papa, Ball" sagen können! Es ist mir piepegal, dass in Wanne-Eickel vorgestern der Bus nicht gekommen ist! Und ich bin der Überzeugung, dass es doch einigermaßen problemlos möglich sein sollte, für zehn Minuten die Klappe zu halten.

Übrigens hat bei Ionesco niemand außer dem Erzähler gemerkt, dass die Sache mit den Nashörnern passierte. Die Nashörner auch nicht.

09 November 2011

Vollmond. Nebel.

Wenn ich durch das Dorf nach Hause fahre, muss ich langsam sein; ich kann die Straße nicht erkennen.
Ich weiß, dass da rechts neben mir die Schafe grasen. Oder sich zusammenkuscheln gegen die Feuchtigkeit.
Ich sehe den fast vollen Mond und wünsche mich auf die von ihm beschienene Lichtung, irgendwo im Wald, angstfrei.

Heute habe ich den Mond nur kurz gesehen auf meinem vernebelten Nachhauseweg. Aber vielleicht begleitet er mich in den Schlaf, wenn ich so tue, als gäbe es ihn nicht..

Vielleicht schenkt er mir Träume.

Vielleicht wacht er über mich.

Vielleicht erleuchtet er meine Nacht.

Vielleicht bleibt er bei mir. Unterbewusst.

08 November 2011

Jesus lebt!

Vorweg eine absolut ernstgemeinte Warnung: Mein Text könnte - so vorhanden - Ihre religiösen Gefühle verletzen. Wenn Sie also welche haben und dies unter anderem mit Aufklebern an Ihrem Auto kommunizieren, lesen Sie bitte nicht weiter!

"Jesus lebt!" steht auf dem Aufkleber links neben dem Kofferraum des SUV meines Vordermannes. Rechts wird es Englisch: "Smile - God loves you!"


Ich hätte gern die Stille an der roten Ampel genutzt, um über diese Botschaften zu philosophieren; leider blendetee mich seine Nebelrückleuchte derart, dass es jeden Gedanken schon im Keim zerriss.

Später, als ich ihn überholt hatte (er hatte im Gegensatz zu mir die Ruhe, über Jesus, Gott, das Leben und den ganzen Rest nachzudenken; wäre es anders, hätte er möglicherweise statt Ruhe sein Gaspedal gefunden) und die roten Lichtblitze vor meinem inneren Auge verschwunden waren, dachte ich nach.

"Warum liebt Gott nur ihn?" fragte es in mir. "Wäre es anders, hätte er (Gott meine ich; sein Fahrlehrer hat es ja offensichtlich unterlassen) ihm möglicherweise erklärt, dass es den Mitmenschen gegenüber unfair ist, wenn man sie blendet." "Und überhaupt: Warum soll ich lächeln, bloß weil der einen albernen Aufkleber auf seinem Auto hat? Wenn Gott auch mich lieben würde, hätte er ja nicht diesen ausgemachten Egoisten im Schleichtempo und seine Nebelschlussleuchte vor mich und meinen Kleinwagen gesetzt - oder?"

"Jesus lebt!" war mir kurz entglitten. Aber nachdem ich mich fertig aufgeregt und auf höchst unchristliche Weise ein paar besserwisserische Schnarchtatzen rechts überholt hatte, nahm ich mir die Zeit, auch darüber nachzudenken. Warum befand sich diese höchst plakative Aussage in einem Fisch? Da saß meines Wissens doch Jona (das war der Kerl, der irgendwie im Wal gelandet ist). Und überhaupt: Ist Ihnen schonmal aufgefallen, dass Autos mit irgendwelchen Fischaufklebern drauf sehr häufig einen besonders unchristlich fahrenden Zeitgenossen vorn links sitzen haben? Und dass der stilisierte Fisch gern mit "Rabea fährt mit" oder "Samuel an Bord" kombiniert wird?

Dem habe ich zweierlei entgegen zu setzen: Einen Aufkleber, der in Schönschrift auf meiner Windschutzscheibe verkündet "Kein Balg mit bescheuertem Namen an Bord!". Und dann bin ich ja auch noch da, wohl wissend, dass auch ein französischer Kleinwagen für Stress sorgen kann, wenn er nur dicht genug auffährt.

In diesem Sinne: Gute Fahrt! Jesus lebt, und Gott sitzt auf dem Beifahrersitz!

07 November 2011

Spiel auf der Seele

Ich sehe Dich,

während Du meine Seele berührst.

Höre Dein Spiel,

fühle Deine Hände

an meiner Haut.

Ich höre Dich,

während Du mein Herz liebkost.

Fühle Deine Gegenwart,

sehe Dein Spiel

und wünschte…


Mein sehr herzlicher Dank gilt Xenos für die wunderschöne Klaviermusik! Mir war noch viel mehr eingefallen, aber irgendwie hat mein PC diese Gedanken nicht gespeichert. Egal - sie sind irgendwo in meinem Herzen.

Antworten

Manchmal antwortet es auf eine Inspiration. Ich schreibe, Du spielst. Du spielst, ich schreibe. Wären wir Biene und Blume, gäbe es Honig.

Sei bei mir!

Streichle meine Seele so,

wie Du die Tasten Deines Klaviers berührst!

Nimm mich in Deine Arme mit der gleichen Sanftheit.

Halte mein Herz.

Bleib!

05 November 2011

Leben. Punkt.

"Das Leben sollte keine Reise sein, mit dem Ziel, attraktiv und mit einem gut erhaltenen Körper an unserem Grab anzukommen. Wir sollten lieber seitlich hineinrutschen, Schokoladenei in einer Hand, Veneziano in der anderen, unser Körper total verbraucht und schreiend "Wow, was für eine Fahrt! ! ! " (ist ein Zitat, und ich weiß nicht, von wem...)

Ja, genauso sollte das Leben sein! Ich habe zwar nicht den Schatten einer Ahnung, wer Veneziano ist, aber das Schokoladenei nehme ich!

Wäre es nicht großartig, am Ende sagen zu können: "Ich habe alles mitgenommen, was es gab!"

Wäre es nicht traumhaft, wenn auf dem Grabstein eingraviert wäre: "Sie hat jede Minute geliebt."

Wäre es nicht wunderschön, wenn die liebsten Menschen später sagten: "Sie hat mein Leben berührt."

Wäre es nicht unglaublich wichtig, genau jetzt anzufangen?


Debussy

Die Augen geschlossen, sehe ich das Spiel des Pianisten. Den Pianisten sehe ich nicht.
Vor meinem inneren Auge brandet ein kretisches Meer, verwurzeln Olivenbäume, strahlt ein weißer Vollmond vom Sommerhimmel.

Ich fühle jeden Zentimeter Haut.

Seine auch, egal, wer er ist.

Es ist November.

Warm für die Jahreszeit.

01 November 2011

Kinderkram

Aus gegebenem Anlass und weil sich viele Nachrichten der letzten Tage genauso anfühlen, möchte ich heute ein paar Fragen ins www werfen:

  • Was ist der Unterschied zwischen Mindestlohn und Lohnuntergrenze?
Ich hätte ja eine Theorie dazu - wollen Sie sie hören? Nicht? Egal. Also: Der Mindestlohn wurde ja bekanntlich im Koalitionsvertrag von 2009 ausgeschlossen. Jetzt ist aber die SPD in den Umfragen vorn, die FDP rangiert irgendwo weit hinter Grünen und Piratenpartei und einen klitzekleinen Schritt vor der NPD. Deswegen ist eigentlich egal, was in diesem vermaledeiten Koalitionsvertrag steht; Hauptsache, man ist diesen jungschen Dauergrinser endlich los und hat gezeigt, dass man den Zeitgeist verstanden hat.
Deswegen soll es jetzt dann aber auch wirklich bald eine Lohnuntergrenze geben. Für manche.
Erwartungsgemäß möhren jetzt alle Arbeitgeber und diese Randgruppe namens FDP. Aber die Gewerkschaften und das Wahlvolk freuen sich. Alles wird gut. Spätestens nach der nächsten Wahl.

  • Wie kann man sich um 55 Milliarden Euro verrechnen?
Ich habe in der Schule schon eine "6" bekommen, weil ich nicht Schwanzrechnen konnte, die Mengenlehre verweigert habe und mir der doofe Mathelehrer keine sinnvolle Erklärung für die Existenzberechtigung von statistischer Sockenberechnung liefern konnte.
Auf der Uni musste ich die Klausur für den FiBu-1-Schein zweimal schreiben, weil ich mich um ein paar Pfennige (mein Studium ist schon eine Weile her) vertan hatte.
Angesichts solcher Konsequenzen für verständliche Rechenfehler müssten die Verantwortlichen der sog. "Bad Bank" doch eigentich erschossen werden. Oder zu lebenslänglichem Geldscheinzählen verurteilt.
Glücklicherweise versichert ja unser Finanzminister, dass er das alles nicht wusste. Das tut er selbst für einen Menschen, der unter der geplanten Lohnuntergrenze verdient, weil er den Hauptschulabschluss nicht geschafft hat, auf höchst unglaubwürdige Weise. Aber wir haben ihn (vielleicht nicht direkt) gewählt, und deshalb wird er wohl recht haben.
Und wenn nicht, haben wir es nicht besser verdient.

  • Und dann wäre da noch das griechische Referendum.

Ich persönlich halte es für absolut legitim, das Wahlvolk an Entscheidungen zu beteiligen, die es in die Armut treiben werden. Wahrscheinlich ist das nicht der Grund, sondern irgendeine Form von Beleidigtsein, weil es wegen dieser albernen Kürzungen und Sparbemühungen Proteste gibt. Die ihren Ursprung möglicherweise darin haben könnten, dass diejenigen zahlen sollen, die erstens nichts haben und zweitens nicht für das Drama verantwortlich sind.
Aber... Ist es nichts faszinierend, dass sämtliche Finanzmärkte angesichts eines geplanten Volksentscheids zusammenbrechen? Trauen die Finanzmärkte dem Volk so wenig Wissen zu, oder sollte das die Angst vor Entlarvung sein?

Fragen über Fragen, die mir wahrscheinlich niemand beantworten wird.

Und auch sonst niemandem.