31 Mai 2008

Deutschland flaggt

... und das kann nur bedeuten, dass irgendeine WM, EM oder sonst ein sportlicher Höhepunkt naht. KennerInnen wissen natürlich längst, dass es sich hier um die Fußball-EM der Herren handelt. Schweini, Poldi, Jogi und Konsorten sind in aller Munde, die ersten Autos kurven fahnenbewehrt herum, auch die Supermärkte haben bereits flaggentechnisch aufgerüstet (insbesondere im Quengelbereich an der Kasse, da hoffen die Marketing-Strategen auf die möhrenden Herren und deren Brut), und der gemeine Couch-Potatoe deckt sich mit Würstchen, XXL-Chipstüten und ähnlichen Dickmachern ein.

Das Gute an diesen Aktivitäten:

  1. Sie werden unmittelbar nach der EM wieder eingestellt.
  2. Die Fähnchen verrotten wie nach der WM 2006 und der abgeschwächten Handballhysterie irgendwo im Straßengraben.
  3. Wer vor der EM fett war, wird hinterher im Verhältnis nicht wesentlich fetter sein.
  4. Wer vor der EM fit war, wird es mit etwas Glück bleiben.
  5. Der IQ der Couchpotatoes wird sich nicht verändern.
  6. Nach der EM ist vor der WM.

Das Schlechte (zugegeben subjektiv):

  1. Schweini, Poldi und Yogi werden mich trotz TV-Verweigerung verfolgen.
  2. Ich werde mich mit kaum einem menschlichen Wesen vernünftig unterhalten können, weil alle auf einen der überall herumhängenden Großraumbildschirme starren. (Andererseits - würde sich wirklich soviel ändern?)
  3. Griechenland wird dieses Jahr wahrscheinlich nicht Europameister. Das wäre mein einziger Trost gewesen.
  4. Wo auch immer der Blick hängenbleibt, es wird schwarz-rot-gold gefärbt sein.
  5. Mein Herzallerliebster wird nicht mehr nur nahezu ununterbrochen arbeiten, sondern in seiner Freizeit auch vor irgendeinem Fernseher festwachsen, was bedeutet, dass er möglicherweise in der mindestens zweiwöchigen Beziehungspause die kürzeste Strecke nach Südniedersachsen nicht mehr findet, was wiederum bei den derzeitigen Benzinpreisen teuer werden würde, ganz davon abgesehen, dass ich ihn möglicherweise k.o. schlage, weil ich ihn erstens nicht mehr erkenne und ihn zweitens deshalb für einen Sittenstrolch halte, wenn er den Weg wider Erwarten doch findet und unverhofft vor meiner Tür steht.
Ich werde sehr viel radfahren und dabei zwangsweise den einen oder anderen Blick in den einen oder anderen Schrebergarten werfen. Dort werden dann wildgewordene Fußballfans sinnlos herumbrüllen und das sauer verdiente Bier in sich hineinkippen. Immerhin ist die EM ein europaweit gesponsertes Medienereignis, das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von Gutfried-Fan Kerner und den selbsternanntem Obernervkrüppeln Beckmann, Netzer und Delling kommentiert werden wird. Poldi wird in seiner herzerfrischenden Schlichtheit auf dumme Fragen mit noch dümmeren Antworten glänzen, Yogi wird im frischgeschneiderten Zwirn mit Sponsorenstickern am Revers in schönstem Schwäbisch Managerfloskeln von sich geben, Gerd und Günther werden sich vor laufender Kamera streiten, Sönke Worthmann kündigt schon jetzt das neue Sommermärchen in ffn an (was einmal Geld gebracht hat, sollte doch noch einmal funktionieren!), und ich werde spätestens am 09.06. den Duck-und-Renn-Modus einschalten, mich mit ein, zwei Kisten Bier und drei Kilo Bananen zuhause verschanzen und mich ansonsten sehr bedeckt halten. Sicherheitshalber habe ich bei Google-News den Sportteil zunächst gestrichen; damit werde ich also nicht belästigt.

Also. Sport frei! Das Runde muss ins Eckige! Nach der EM ist vor der EM! Schweini vor, noch ein Tor!

29 Mai 2008

"Die jungen Leute..."

waren vor längerer Zeit meine erste Begegnung mit dem Alterungsprozess. Vor einigen Jahren, als mein damaliger Sozialpartner und ich in unsere erste gemeinsame Wohnung einzogen, wurden wir sofort von der älteren Dame im ersten Stock, die für Ordnung, Sauberkeit und Disziplin im Hause zuständig war, als "die jungen Leute" bezeichnet. Ich war schon über dreissig, mein Liebster arbeitete daran, und so empfanden wir diesen Titel durchaus als schmeichelhaft.
Jahre später zog dann ein junges Studentenpärchen ein. Ich fühlte mich immer noch jung. Eigentlich. Bis die ältere Dame vom ersten Stock das erste Mal "Die jungen Leute von gegenüber" sagte und mir damit schmerzlich bewußt machte, dass wir jetzt in ihren Augen aus dem Alter für diesen Titel heraus waren. Der einzige Vorteil, den ich daran finden konnte, war die Tatsache, dass unserem Alterungsprozess zufolge jetzt den "jungen Leuten von gegenüber" die Aufgabe der Treppenhausreinigung zufiel und wir nicht mehr gefragt wurden. Allerdings muss ich gestehen, dass ich lieber weiter den Flur geputzt hätte als von einer doppelt so alten Mitbewohnerin in den Kreis ihrer Altersgenossen aufgenommen zu werden.

Mein biologisches Alter hat sich seitdem nicht nennenswert verändert, mein gefühltes liegt noch immer bei 32einhalb. Falsch. Es lag bei 32einhalb. Bis gestern. Da führte mir ein Gespräch mit einem jungen Mann den Methusalem in mir vor Augen. (Ich glaube, einen weiblichen Methusalem hat es nicht gegeben, die Jungs haben wohl ihre Damen entweder um die Ecke gebracht oder die älteren Frauen schlicht totgeschwiegen. Ist auch eine Form von Mord, finde ich.) Aber ich schweife ab, was bei älteren Menschen ja häufiger vorkommen soll.

Ich stand also gestern mit dem betreffenden Herrn, den ich auf Baujahr 1980 schätzte (Im Nachhinein, vorher hatte ich mir darüber keine Gedanken gemacht!), im Fitnessclub. Er hatte einen Proteinshake, ich trank Kaffee, und irgendwie kam unser Gespräch auf Hunde. Wir zählten alle möglichen Rassen auf, die wir favorisierten, und er erklärte, dass er Dobermänner über alles liebe. "Achja", sagte ich, "das erinnert mich an die Jungs. Die fand ich auch großartig."
"Die Jungs?" fragte er und sah mich verständnislos an.
"Na, Zeus und Apollo, die Hunde von Higgins!"
Er legte seine glatte Stirn in Falten. "Keine Ahnung, wovon Du sprichst."
Ich fand ihn recht begriffstutzig. "Ja, hast Du denn nie MAGNUM gesehen, Tom Selleck, Higgins, T.C.?"
"Ne, Du, das war lange vor meiner Zeit. Ist doch so ein Achzigerkram, oder?"
Ups.
Das ist doch noch gar nicht so lange her? Habe ich nicht noch vor kurzer Zeit Dienstags vor dem Fernseher gesessen und auf den Beginn von "Magnum" gewartet? Für die jungen Leute unter den LeserInnen: Die Serie begann immer um 21.45 Uhr, nach "Report", "Monitor" oder einem ähnlichen Magazin. Ich habe noch die Titelmelodie im Ohr, sehe Tom Sellecks Grübchen und freue mich darüber, wie er auf seine ganz eigene Art die Augenbrauen hochzieht.

Sogar zwei meiner Kater habe ich nach dieser Serie benannt! Leider sind beide schon im Katzenhimmel. T.C. wäre jetzt 21 Jahre alt und Higgins 16.

Jedenfalls veränderte sich mein gefühltes Alter in Nullkommanichts von 32einhalb zu "Wo, zum Teufel, ist mein Rollator!" Der Kaffee schmeckte auf einmal fade, und im Spiegel der Umkleidekabine entdeckte ich tiefe Falten um meine Augen und ekelerregenden Schrumpel an meinem A... Die Sonne hatte ihren Glanz verloren, und nach Feierabend brauchte ich eine halbe Flasche Rotwein, um mich zumindest nicht mehr völlig vergreist zu finden. Heute
habe ich mir dann viel Zeit zum Entfalten genommen.

Übrigens gab es damals noch ein Objekt meiner Begierde. Er hat gerade seine Biographie vorgestellt und steht kurz vor seinem 70. Geburtstag. Das sieht man ihm allerdings nicht an, genausowenig wie mir die ...! Wirklich nicht! Und wenn ich mit 70 Jahren aussehe wie Götz George, werde ich der Göttin der Jugend ein Opfer darbringen.

08 Mai 2008

Es lebe Bayern München!

Der Liebste ist Fan, mein Anwalt hat als Warteschleifenmusik "Es gibt nur ein FC Bayern!" und außerdem diverse Devotionalien in seinem Wartezimmer. Beide haben studiert, der eine Betriebswirtschaft, der andere Jura.
Und jetzt muss ich auch noch Folgendes bei ntv.de lesen:

Kein Kontakt zu Bayern
Gattuso dementiert Gerüchte


Italiens Fußball-Weltmeister Gennaro Gattuso hat durch seinen Berater Meldungen dementieren lassen, wonach sein Wechsel zum deutschen Double-Gewinner Bayern München so gut wie perfekt sei. "Es gab keinen Kontakt zum FC Bayern. Ich habe keine Ahnung, woher dieses Gerücht kommt. Gennaro konzentriert sich voll und ganz auf das Saisonfinale mit dem AC Milan. Sein Ziel ist, sich mit Milan wieder für die Champions League zu qualifizieren", sagte Gattusos Berater Claudio Pasqualin dem Internet-Portal SPOX.com.

Der italienische Fernsehsender "Italia 1" hatte gemeldet, der Wechsel des 30-jährigen Gattuso zu den Bayern sei nahezu perfekt. Die Ablösesumme wurde auf 15 bis 20 Millionen Euro beziffert.

Zuvor hatte Bayern-Präsident Franz Beckenbauer am Mittwoch in einem Interview mit der "Gazzetta dello Sport" großes Interesse an Gattuso signalisiert. "Den Unterschied haben Luca Toni und Franck Ribery mit ihren Toren und ihrer Klasse gemacht. Um die nächste Champions League zu gewinnen, genügt dies aber nicht mehr. Stimmt es, dass Gennaro Gattuso AC Mailand verlassen will? Ich mag ihn. Er könnte ein wichtiges Element für den FC Bayern in der Champions League werden. Er wäre perfekt", sagte der "Kaiser".
Gattusos Wechsel zu Bayern sei also nahezu perfekt, aber er selbst dementiert das. Wer ist Gattuso? Gut, der Kaiser kennt ihn, und das muss reichen. Mein Liebster und mein Anwalt werden ihn auch kennen, immerhin haben beide studiert.
Hat Franz Beckenbauer eigentlich auch studiert, oder weiß er das, was er weiß, weil er es irgendwann ganz allein herausgefunden hat? Rein theoretisch muss er doch auf einer mehrstufigen Volksschule gewesen sein, immerhin hat er inzwischen doch bestimmt mehr als hundert Jahre auf dem Buckel.
Oder kommt mir das jetzt nur so vor, weil ich von ihm belästigt werde, seit ich das erste Mal "Fußball" gehört habe?
Wie auch immer, der Kaiser will Gattuso, und das ist ntv.de eine fette Schlagzeile wert.
Habe ich übrigens erwähnt, dass ich ich mich bei dem Wort "Double-Gewinner" übergeben musste? Das hatte einerseits mit dieser unglaublich unintelligenten Mischung aus Deutsch und Denglisch zu tun, andererseits mit der Tatsache, dass diese überbezahlten Arschlöcher, die ich überhaupt und gar nicht leiden kann, jetzt irgendwas zweimal gewonnen haben. Glücklicherweise weiß ich nicht, was. Da kann ich gut verdrängen. Gemerkt habe ich mir, dass sie gegen irgendeinen russischen Verein im Uefa-Cup recht müde ausgesehen haben und dass sie gegen Cottbus auch schwer arbeiten mussten.

Die Fragen, die mir viel drängender auf dem Herzen liegen, sind allerdings diese:


  1. Wie kann ich verhindern, dass ich mit derart schwachsinnigen Pseudonachrichten belästigt werde, wenn ich doch viel lieber wissen möchte, wo wieder ein Neugeborenes tiefgekühlt wurde, warum Hillary und Franjo finanziell am Ende sind und wie das Wetter in Dänemark über Pfingsten wird?
  2. Muss ich meinem Anwalt wegen Unzurechnungsfähigkeit das Mandat entziehen, oder besteht die Hoffnung, dass ein Jurist, in dessen Wartezimmer es von handsignierten Fußbällen nur so wimmelt, trotzdem in der Lage ist, ordentlich zu arbeiten?
  3. Sollte ich meinen Liebsten in die Wüste schicken und mich mit einem weiblichen Turbine-Potsdam-Fan verbandeln?
  4. Muss ich meinen Hochschulabschluss nachholen?
  5. Ich kann ganz toll foulen und supergut umfallen, wenn mich jemand böse anguckt - bekomme ich jetzt auch 15 - 20 Millionen Ablöse?
  6. Wenn nicht, warum?


Was bleibt, ist eine gewisse Ratlosigkeit. Aber da ich diesen Zustand in absehbarer Zeit nicht ändern können werde, konzentriere ich mich lieber auf meine Balkonpflanzen und das Sandsacktraining.


07 Mai 2008

Diäten

Nächste Diäten-Erhöhung

Mehr Geld für Abgeordnete

Erst vier Monate nach der letzten Diäten-Erhöhung verständigen sich Union und SPD darauf, die Abgeordnetenentschädigung zum Januar 2009 um zusätzliche 278 Euro auf 7946 Euro anzuheben.


Experte über Folgen nach Zyklon in Birma

"Es drohen politische Unruhen"

Erst im Herbst löste materielle Not in Birma massive Proteste aus. Nach dem Wirbelsturm fehlen Wasser und Nahrung. Das Volk könnte erneut aufbegehren, meint Birma-Forscher Will.


Plan der Landesregierung

Bayern bald demofreie Zone

Die bayerische Landesregierung bereitet eine starke Einschränkung des Demonstrationsrechts vor. Es wird erwartet, dass weitere unionsgeführte Länder nachziehen.
(taz.de vom 07.05.08)

Die Erhöhung der Abgeordnetendiäten geht so in Ordnung, denke ich. Denn etwas weiter unten in dem Artikel wird die automatische Erhöhung im Vier-Monats-Takt ja auch begründet:

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil verteidigte diesen Schritt. Die Fraktionen hätten diesen Mechanismus parteiübergreifend vereinbart, "damit eben nicht mehr die Abgeordneten jedes Mal die Hand heben müssen bei den Geschichten", sagte Heil dem Sender N24. Er selbst halte die Regelung für vernünftig, weil es auch vom Verfassungsgericht vor Jahren entsprechende Beschlüsse gegeben habe. "Populär ist das nicht. Das ist klar."

Und Herr Heil hat vollkommen recht: Das ist nicht populär. Aber andererseits muss er sich auch keine Sorgen machen, dass ein Aufschrei durch das von überhöhten Kraftstoffpreisen, angestiegenen Kosten für Grundnahrungsmittel und diversen Steuern auf die Altersrücklagen gebeutelte Volk geht. Das ist nämlich selbst mit Diäten beschäftigt: Da wäre die TV-Diät, bei der man nur noch essen darf, wenn man gleichzeitig fernsieht und bei der Vitamine, Mineralstoffe und frische Lebensmittel strikt verboten sind, die Supermarkt-Diät, während derer man sich durch Sonderangebote und Probierhäppchen hindurchfrisst und nicht zu vergessen die "Germanys-Next-Topmodel"-Diät für diejenigen, die nicht kochen wollen oder können und die auch mit Chipstüten nicht so gut zurechtkommen: Mineralwasser in großen Mengen und Kotzen vor dem Fernseher.

Aber ich schweife ab. Warum sollte ein Aufschrei durch ein übergewichtiges und immer mehr verblödendes Volk gehen, bloß weil ein paar Politiker zusätzlich zu ihren im Bereich des Lobbyismus erzielten Nebeneinkünften auch offiziell in die Schatztruhe greifen? Letztlich machen die Erhöhungen für die 612 Abgeordneten gerade mal 200.000 € aus; ein Betrag, der angesichts der Schlagzeile Nr. 2 lächerlich gering erscheint. Andererseits - wenn nur die deutschen Abgeordneten einmalig 10% ihres Einkommens spendeten, kämen immerhin knapp 500.000 € zusammen. Die könnten schon etwas Not lindern helfen.
Aber das sind dumme Rechenbeispiele, die man selbstverständlich zu Recht ins Reich der Polemik verweisen kann.

Trotzdem möchte ich mich des Hinweises auf die Schlagzeile Nr. 3 nicht enthalten: Falls irgendjemand vorhat, gegen irgendetwas zu demonstrieren, sollte er oder sie sich beeilen. Ich persönlich bin allerdings der Ansicht, dass die wenigsten BundesbürgerInnen es überhaupt bemerken würden, wenn das Demonstrationsrecht eingeschränkt oder abgeschafft wird; sie sind ja mit Diäten beschäftigt!



06 Mai 2008

Später, Liebling!

Es ist soweit,
endlich!
Wir haben uns
füreinander
aufgehoben,
haben
entsagt,
haben
keine
schlüpfrige
Literatur
gelesen.

In unseren Betten
war Ebbe,
Ruhe,
Körperwahrnehmung, schlafend.

Aber jetzt,
heute,
an diesem Abend,
weintrunken,
glücklich,
verliebt,
werden wir
wilden,
ungezügelten,
unzensierten
SEX
haben.

Verdammt,
ich bin so müde...

Später...

Du bist
attraktiv,
großartig,
ich liebe Deinen Körper,
und

niemand sonst
ist in meinem Kopf.

Ich bin nur müde...

04 Mai 2008

Drama vs. Ironie

Ich wollte wirklich ironisch sein...

ABER der Himmel über meinem Dachfenster schreit nach Beachtung.
ABER der Sonnenuntergang ist einfach zu dramatisch.
ABER ich will gerade dramatisch sein.
ABER...

UND mein Tag war extrem inspirierend.
UND das Grab meiner Tante war ausgetrocknet.
UND mein Lieblings-Ex war nachdenklich.
UND...

Ironie?

BIN ent-täuscht.
BIN kreativ.
BIN warm.
BIN...

Möglicherweise nicht wesentlich.

Aber sehr lebendig.


Du liebst mich...

...mehr als...
Mehr als was?
Mehr als Deinen Timer?
Mehr als Outlook?
Mehr als den Wecker?
Mehr als den Milchkaffee?
Mehr als Dein Gewissen?
Mehr als Deine Bedürfnisse?
Mehr als Zähneputzen vor dem Schlafengehen?
Mehr als Snooker?
Mehr als Dein Spiegelbild am Morgen danach?

Mehr als was?

Liebe?

Du sprichst
von Liebe.

Ich frage mich,
wohin
Deine Liebe führt.

Tag der Arbeit Teil II

Denn es gibt nur Tage der Arbeit. Auf ffn sagen sie am Mittwoch, dass die Woche jetzt durchgeschnitten worden ist. Meine Kolleginnen feiern Mittwochmittag etwas, das sie "Bergfrühstück" nennen und was bedeutet, dass sie jetzt die Hälfte der Woche hinter sich haben. Mein Sozialpartner ist traurig, weil er seine Arbeit nicht mag.
Daraus schließe ich, dass das Schlimmste, was im Leben passieren kann, Arbeit zu sein scheint! Da muss man dann schon die Tage bis zum Wochenende zählen, da muss man spätestens am Sonntagnachmittag depressiv werden, weil das Wochenende ja jetzt schon fast vorbei ist! Da muss man ffn hören, um zu wissen, wann die Woche durchgeschnitten werden kann!

Ja, Arbeit ist etwas Schreckliches! Sie hindert am Leben. Und irgendwie hat man immer das Gefühl, nicht das zu tun, was man eigentlich gern täte, vorausgesetzt, man hätte eine geeignetere Wahl getroffen.
Arbeit ist etwas, das passiert, ohne dass man eine Wahl getroffen hätte.
Arbeit ist böse.
Arbeit raubt Energie.
Arbeit macht traurig.
Arbeit findet einen, ohne dass man gefunden werden will.

Ich bin jetzt einmal ganz ehrlich: ICH KANN DIESEN SCHEISS NICHT MEHR HÖREN!!!

Haben wir uns denn unsere Arbeit nicht selbst ausgesucht?
Wenn nicht, wie sind wir dazu gekommen, und warum hören wir nicht wieder damit auf, werfen uns ins kalte Wasser und fangen von vorn an?
Warum jammern wir, statt etwas zu ändern? Ist das menschlich? Oder ist es einfach nur dämlich?

Ich jammere auch. Jetzt gerade im Moment. Manchmal kann ich mich verstehen, manchmal hasse ich mich dafür. Manchmal hilft es.

Ich muss noch einmal José Padilla (für Unwissende: Café del Mar) zitieren:

If you do what you love
and love what you do,
nothing can stop you.


Und jetzt gehe ich arbeiten.



03 Mai 2008

Sex?

Da habe ich scheinbar wahllos einen Satz herausgegriffen:

"Möglicherweise könnte ich Sex haben."

Möglicherweise - das beinhaltet zunächst einmal die Möglichkeit, dass etwas geschieht. "Möglichkeitsform" = Konjunktiv, was soviel heisst wie: "Es könnte passieren, aber es muss nicht. Wahrscheinlich wird es eher nicht passieren." Letzteres beinhaltet allerdings schon eine Interpretation.

Bei Wikipedia heisst es:

Etwas ist möglich, wenn es nicht ausgeschlossen werden kann. "Es ist möglich, dass Du recht hast" bedeutet z.B.: "Ich kann nicht ausschließen, dass Du recht hast."
oder:

"Wenn sich in einer Lostrommel neben Nieten auch ein Gewinnlos befindet, ist es möglich, zufällig einen Gewinn zu ziehen."

Denn die Wahrscheinlichkeit für dieses Ereignis ist größer als Null.

oder:

Aussagen über Handlungsmöglichkeiten beziehen sich immer auf bestimmte Subjekte unter bestimmten Bedingungen (Wem ist es unter welchen Bedingungen möglich, diese Handlung auszuführen?)
Letzteres halte ich für die spannendste Interpretation: Wem ist es unter welchen Bedingungen möglich, Sex zu haben? Der eine muss recht lange nachdenken und in wirklich guter und entspannter Stimmung sein, die nächste braucht eine größere Menge Alkohol, ER besteht auf der einen oder anderen Speckrolle in ihrem Hüftbereich, SIE liest Colette...

"Könnte..." bedeutet ja auch nichts weiter, als dass irgendetwas geschehen könnte (Wahrscheinlichkeit), wenn alle Umstände passen und sämtliche Beteiligten willig und bei guter Gesundheit sind.

"Ich" ist klar, denke ich. Für diejenigen, die noch der einen oder anderen Erklärung bedürfen: Ich könnte Sex haben. Das geht auch allein. Da braucht frau nur die passende Literatur. Oder entsprechendes Handwerkszeug.
Für den Fall, dass eine zweite Person beteiligt werden soll, ist das Einverständnis des oder der Betreffenden dringend erforderlich, wenn auf beiden Seiten ein gewisses Maß an Genuss erwünscht wird.

"Sex", darunter verstehen zehn Menschen zehn verschiedene Aktivitäten. Die landläufige Meinung ist, dass ein Mann seinen Penis in die Vagina einer Frau steckt. Meine ganz persönliche Meinung ist, dass dazu auch eine göttliche rechte oder linke Hand und leise Musik hinreichende Zutaten sein könnten.

"Haben"... Jetzt wird es schwierig. "Haben" ist ein relativ unschuldiges Wort, das jedoch einen gewissen Besitzanspruch beinhaltet. "Ich will Dich haben!" heisst doch nichts anderes, als "Ich will die Verfügungsgewalt über Dich und/oder Deinen Körper." und ist damit relativ unerotisch, wenn es nicht im Rahmen einer S/M-Veranstaltung gesagt wird.
"Haben" ist weit entfernt von "Sein", das hat schon Erich Fromm festgestellt.
"Haben" hat etwas Konsumtorisches.

Aber wie lösen wir das Problem? Haben wir besser keinen Sex mehr? Befriedigen wir uns lieber selbst und gehen damit sämtlichen Besitzansprüchen aus dem Weg? Praktizieren wir den 6. Tibeter und haben Sex schlichtweg nicht mehr nötig, weil wir unsere sexuellen Energien umzuleiten in der Lage sind? Scheiß auf Sex?

Für heute abend habe ich eine Lösung gefunden: Ich gehe schlafen. Jetzt. Sofort.

Frühlingsgefühle

Vögel brüllen
mir ins Ohr.
Lautes Summen überall,
wenn fette Hummeln
meine Blumenkästen
zum Landeplatz machen.

Nachbars mähen Rasen,
gegenüber wird gegrillt.
Ich habe Grillen,
aber ich grille nicht.
Lieber rase ich durch
strahlendes Licht.
Möglicherweise
könnte ich
Sex
haben.

Frühling.
Endlich.

Rocky und die Folgen

Weil mein Laptop die ursprünglich geplante DVD einfach nicht schlucken wollte, habe ich mir in Ermangelung anderer Alternativen und weil es einfach wieder einmal dran war, meine Rocky-Sammlung zu Gemüte geführt. Bis Rocky II bin ich gekommen.
Gestern dann Kursvertretung: Pilates und Easy-Stepaerobic. War nett. Aber irgendwie hat es nicht gereicht. Und dann war da ja auch noch dieser junge Mann, der mich doch mehr als nur ein kleines bisschen in Rage gebracht hatte, was ich mit meinem letzten Post noch nicht so recht habe abreagieren können. Zeit hatte ich außerdem, fast drei Stunden.
Eine davon habe ich genutzt, um mir Boxhandschuhe anzuziehen und auf einen wehrlosen, aber standhaften Sandsack einzudreschen. Ich habe ihn gepuncht, getreten, ihm die Ellbogen in die weiche Mitte gerammt, habe gekeucht, gestöhnt, gebrüllt, zwischendurch Liegestütz und Bauchaufzüge gemacht, um ihn dann wieder aus der Rückenlage zu malträtieren: Hinlegen, aufspringen, im Springen den Sandsack treten, boxen und anbrüllen und wieder auf den Boden werfen.

Es war unbeschreiblich gut. Nach einer Stunde haben meine Hände gezittert, eine Faust machen ging überhaupt nicht mehr, ich war völlig ausser Atem, aber glücklich bis zum Platzen. Platzen wollten übrigens auch meine Knöchel; drumherum habe ich jetzt ein paar blaue Flecken, dick sind sie auch, und heute tun mir Unterarme und Nacken weh.
Aber es hat sich gelohnt: Ich bin nicht mehr wütend, kann mich und meine Muskeln spüren und habe seit langer Zeit wieder einmal ein Gefühl für meine Stärke bekommen.
Auf den ersten Blick scheint es nur ein sinnloses Drauflosgeprügel zu sein. War es aber nicht. Ich war aktiv. Ich habe einen Gegner verdroschen, und das war nicht nur ein blöder Sandsack, sondern ein negativer Einfluss, der mir Energie geraubt hätte, wenn ich nicht stärker gewesen wäre. Es hätte auch ein zweibeiniger Gegner sein können...

Rocky ist nämlich nicht nur ein Film. Rocky ist Motivationstrainer, hilft beim Aufstehen nach einer Niederlage, gibt Kraft in Zeiten der Schwäche und zeigt mir immer wieder, dass alles möglich ist, wenn ich nur all mein Herz und all meine Energie hineinstecke.

Es gibt da einen kleinen Pessimisten in meinem Leben, der immer sehr vorsichtig ist mit allzu euphorischen Prognosen. Diesem und allen anderen kann ich heute voller Überzeugung entgegenrufen: "Ich kann alles, was ich will, denn es ist keine Frage der Möglichkeiten, sondern eine des Einsatzes!" Alles, was ich mit ganzem Herzen und ganzem Einsatz tue, wird mir gelingen. Und deswegen wird eine ganz bestimmte Dame noch in diesem Jahr an die Öffentlichkeit treten. Auch sie wird laut und ungestüm sein, immerhin ist sie mein Alter Ego.

Was Rocky kann, kann ich auch!

01 Mai 2008

Tag der Arbeit

Das ist eine wunderbare Gelegenheit, um über die Arbeitsweise mancher Schöpfungskronen zu philosophieren. Übrigens beschreibe ich entgegen möglicherweise vorhandenen Vermutungen nicht eine rein männliche Arbeitsweise, sondern eher ein Zeichen von mangelhafter Organisation, einer gewissen Perfektion in der Disziplin "Ich stelle mir selbst ein Bein" oder einem inneren Schweinehund mit den verbissenen Qualitäten eines Pitbull Terriers. Diese Tierchen sind nämlich so dämlich, dass sie einen Stein, den man ins Wasser wirft, einfach nicht loslassen, wenn sie ihn apportieren wollen und so den Tod durch Ertrinken manchmal nicht nur riskieren, sondern erleiden. Strotzdoof. Aber zielstrebig.
Diese Bitte ist ernst gemeint: Die Herren, die mir die nachfolgend beschriebene Verhaltensweise so erläutern können, dass ich im Anschluss an die Erklärung nur noch das Wort "Pflichtbewusstsein" stammeln kann, mögen sich sofort melden oder für immer schweigen. Weibliche Erklärungsversuche sind mir natürlich ebenso willkommen.

Èin Urlaub ist geplant. In zehn Tagen soll es losgehen. Allerdings handelt es sich hier nicht um eine mehrmonatige Weltreise mit anschließendem Badeaufenthalt, sondern ein um ein paar Tage verlängertes Wochenende. Zu solchen Gelegenheiten putze ich beispielsweise gern meine Wohnung, bevor ich sie verlasse, weil ich es viel schöner finde, in eine saubere Höhle zurückzukehren. Meinen Bürokram erledige ich "so nebenher", wie immer. Allerdings habe ich, wie ich zugeben muss, auch selten größere Arbeiten, die noch von mir erledigt werden wollen. Das ist das glückliche Schicksal einer extrem besch... bezahlten Freiberuflerin: Sie kann machen, was sie will, das Geld wird nicht mehr. Also braucht sie auch nicht mehr zu arbeiten für das Geld, das sie nicht bekommt.
Hätte ich allerdings dringend zu erledigende Aufgaben vor mir hergeschoben, würde ich einen freien Tag (wie zum Beispiel den Tag der Arbeit, also heute) nutzen, um den Stapel abzuarbeiten.
Man kann allerdings auch anders vorgehen: Zunächst wird ein Tanzvergnügen abgesagt, weil ja am nächsten Tag gearbeitet und deshalb früh aufgestanden werden muss. Das macht Stress. Stress macht müde. Man geht also sicherheitshalber früh ins Bett. Weil man so entsetzlich müde ist, hat man möglicherweise den Wecker überhört. Aber das ist ja nicht schlimm, man hat ja einen freien Tag und kann sich die Arbeit einteilen. Immerhin hat man das gestrige Tanzvergnügen abgesagt und so dafür gesorgt, dass genügend Arbeitsenergie vorhanden ist. Wenn man nur nicht so fürchterlich müde und abgeschlagen wäre! Vielleicht doch noch ein wenig liegenbleiben?
Naja, und dann ist natürlich Feiertag und damit Essen bei und mit der Familie. Deswegen lohnt es sich nicht, noch vor dem Mittagessen mit der Arbeit zu beginnen. Man könnte vielleicht die Geschirrspülmaschine aus- oder einräumen. Oder noch ein wenig im Bett bleiben?
Nach dem sehr gehaltvollen Mittagessen ist man meist müde und erschöpft. Der Körper ist jetzt mit der Verdauung all der leckeren Speisen beschäftigt, schickt das vorhandene Blut in den dafür zuständigen Trakt und lässt das Gehirn für eine Weile undurchblutet. Das ist aber nicht so schlimm, man hat ja keine Termine und kann sich die Zeit einteilen. Zeit? Ja, für ein Mittagsschläfchen!
Kurz nach 15 Uhr erwacht man leicht angeschlagen. Manchmal geschieht es, dass Schlafen nicht erholsam ist, sondern irgendwie noch dusseliger macht. Heute ist so ein Tag. Außerdem gibt es gleich Kaffee und Kuchen, da lohnt es sich nicht, noch anzufangen.
Auch der Nachmittagskaffee war sehr gehaltvoll, die Schlagsahne auf der selbstgebackenen Torte lecker, aber auch irgendwie anstrengend. Und dann möchte die angereiste Verwandtschaft auch noch spazierengehen. Egal, es ist ja erst später Nachmittag, und am Abend kann man noch genug erledigen.
Nach dem Spaziergang ist man dann doch etwas erschöpft. Außerdem ist es viel später als geplant. Abendbrotszeit. Aber man könnte ja einfach früh ins Bett gehen, damit man am nächsten Tag, einem ganz normalen Arbeitstag übrigens, denn den zu bearbeitenden Feiertag hat man ja leider gerade verfressen und verschlafen, früh aufstehen und den auf wundersame Weise größer gewordenen Berg an Arbeit in Angriff nehmen kann.
Blöd ist, dass auch am nächsten Tag ein gehaltvolles Mittagessen auf dem Programm steht. Erfolg siehe oben.
Aber das ist alles überhaupt nicht schlimm, denn das um einige Tage verlängerte Wochenende (Für andere Landkarten: Der Urlaub.) ist ja erst in einer Woche geplant. Man kann also einfach alles absagen, was mit Freizeit und Vergnügen zu tun hat und sich jeden Tag aufs Neue vornehmen, den Arbeitsberg zu besteigen. Schließlich hat man ja bald Urlaub, da lohnt sich ein kleines Opfer.
Wenn man nur nicht so schrecklich müde wäre...

Das Opfer ist übrigens weiblich, ledig, besch... bezahlte Freiberuflerin, hat die Zeit bis zum um einige Tage verlängerten Wochenende recht entspannt verbracht und freut sich darauf, den Gestressten nach langer Abstinenz wiederzusehen.
Hoffentlich ist er nach der vielen Arbeit nicht zu erschöpft...